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Cosmo

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Unscheinbar & braun: Cosmo Anfang 2012

Unscheinbar & braun: Cosmo Anfang 2012

Sanneke & Cosmo

Sanneke & Cosmo

Future Champions 2014

Future Champions 2014

Cosmo und sein Sven

Cosmo und sein Sven

Robbie, ein eigener Pfleger für Cosmo

Robbie, ein eigener Pfleger für Cosmo

Cosmo im Schnee

Cosmo im Schnee

Louisdor Finale Frankfurter Festhalle 2015

Louisdor Finale Frankfurter Festhalle 2015

Deutsche Meisterschaft Balve 2016

Deutsche Meisterschaft Balve 2016

Rio 2016!

Rio 2016!

 

KWPN-Wallach, braun
*20. April 2007
v. Van Gogh-Frühling
Z.: S. Serrarens/NL

Immer waren (und sind) wir auf der Suche nach talentierten Pferden. Egal ob Stute, Hengst oder Wallach, angeritten oder schon mal plaziert, schwarz oder bunt. Bei den Rothenbergers gibt es keine Schubladen. Ein gutes Pferd ist bei uns immer gern gesehen.

So fand auch Cosmo zu uns: Unscheinbar, braun, Wallach, ohne große Turniererfolge. Anfang vierjährig hatte Sven ihn schon entdeckt, konnte uns aber zunächst nicht so recht überzeugen. Cosmos Trab war nett, der Schritt war gut, und die Galoppade war überragend. Wir waren auf der Suche nach einem Pferd für Semmie. Es durfte ruhig ein jüngeres Pferd sein, da sie noch Zeit hatte und wir es ja mit ihr gemeinsam ausbilden konnten.

Nachdem wir uns viele andere Pferde angesehen hatten, setzte sich Sven innerhalb der Familie durch und fuhr nochmals nach Holland zu Bert Rutten, um den unscheinbaren Braunen erneut unter die Lupe zu nehmen. Er war begeistert, diese Gehfreude und Rittigkeit, und das mit erst viereinhalb Jahren! Dabei war der Youngster hoch intelligent und sprang schon ganz lässig auf der Diagonale seinen Wechsel … Wahnsinn!

Sven blieb dabei, dieses Pferd würde perfekt bei uns reinpassen. Wie heißt er denn?, kam als Frage von den Mädchen.

Cosmo!

Kurz haben wir überlegt, ihm einen „bedeutenderen“ Namen zu geben, aber Sven und ich beschlossen, es dabei zu lassen, weil wir abergläubisch sind 🙂

Da stand er. Schlaksig und eben braun. Eigentlich total langweilig.

In den ersten Tagen beschäftigte Sven sich mit „seinem“ Cosmo. Niemanden hatte so wirklich Interesse, Papa bei der Arbeit mit einem Fünfjährigen zuzuschauen. Die Kinder hatten mit Schule oder Uni und ihren Pferden selber genug zu tun. Nach dem Motto: Der Weg ist noch sooo lang, lass der Papa erst mal ein bisschen üben.

Bis er eines Tages mal fragte, ob er uns den Cosmo mal vorreiten dürfte. Na klar …

Am Wochenende war es soweit. Schön sah es aus. Locker und durchlässig. Im Galop gelandet, ritt Sven einfach mal ein paar fliegende Wechsel. Sofort wurde er von uns zurückgepfiffen. „Mach bitte noch nicht so schnell mit dem jungen Pferd!“

Cosmo hatte aber sichtlich Spaß an der Sache, und er kam dabei noch nicht mal ans Schwitzen. Sven war selbst ein wenig verblüfft. Er konnte nur immer wieder betonen, das er nur reitet, was Cosmo ihm anbietet. Er versuchte mit aller Macht, nur Basisarbeit zu machen, bis … er fast unten lag. Cosmo war das anscheinend viel zu langweilig; er wollte gefordert werden.

Also fing Sven wieder an, mit ihm auch an Lektionen zu arbeiten. Damit war Cosmo wenigstens geistig beschäftigt, was sich im Umgang sofort bemerkbar machte. Ein ganz anderes Pferd. Gelassen stand er in seiner Box, die Pfleger wurde nur noch selten angeknabbert, und auf dem Paddock hielt er es jetzt auch schon länger aus.

Als er eines Tages passagierend über den gepflasterten Hof aus dem Wald zurück kam, strahlte Sven von Kopf bis Fuß. Gewaltig! Was für eine Dynamik! Cosmo sah längst nicht mehr langweilig braun aus.

Sven war begeistert und erzählte uns, was Cosmo alles so im Wald angestellt hatte. Oh je, dachten wir. Nein, sagte er, und: „Cosmo ist kein Juniorenpferd. Er ist das beste Pferd, das ich jemals geritten bin. Er kann alles! Er wird ein super Grand Prix Pferd, da bin ich mir ganz sicher!“

Also mussten die Weichen neu gestellt werden. Ein Juniorenpferd für Semmie zu finden, war unsere neue/alte Aufgabe. Oder vielleicht eher ein Westernpferd? Semmie zeigte ganz viel Interesse für diese Disziplin. Da Sönke sich inzwischen im Springlager zu Hause fühlte, warum nicht Semmie bei den Westernreitern?

Kommt Zeit kommt Rat; ich informierte mich schon mal ein bisschen über das Westernreiten, und Semmie bekam sogar aus der Schweiz Pferde und Unterricht angeboten …

Dann kam der Piaff-Förderpreis-Lehrgang auf dem Schafhof.

Sven hatte vor, Cosmo mal etwas anderes zu zeigen. Es sollte Kronberg werden. Nicht so weit weg und beste Bedingungen! Also bekam Sanni kurz davor regelmäßig Unterricht auf Cosmo. So wie Sanni eben ist, schafft sie es, sich recht schnell auf ein neues Pferd einzustellen. So ganz traute sie ihm dennoch nicht. Cosmo war nach wie vor schnell gelangweilt, eine ungewohnte Herausforderung für Sanni. Zusammen mit Wolki fuhren wir also auf den Schafhof; zwei schöne Boxen wurden uns zugeteilt, und Cosmo hielt (wie erwartet) alle auf Trab 🙂

Also wurde er zügig gesattelt. Er benahm sich großartig, bis er im Galopp versuchte, die vorbeigaloppierenden Pferde zu überholen. Er wurde noch nicht einmal schneller, sondern freute sich einfach nur über die schöne lange Strecke (wir haben ja nur eine 40er Halle!) und machte einfach größere Galoppsprünge, bis er als erster an der anderen kurzen Seite war. Sanni ritt noch ein paar Wechsel, und für Cosmo war das Training vorbei. Er wurde anschließend wieder nach Hause gebracht, damit Sanni sich voll und ganz auf Wolki konzentrieren konnte. Sie fand schon, dass er ein sehr besonderes Pferd war, das super zu reiten war, aber … die beiden waren einfach nicht auf derselben Wellenlänge. Sag niemals nie, meinten wir damals noch. Er ist noch so jung. Lass ihn erst mal ein wenig reifen, dann wird er auch gelassener und bestimmt konzentrierter.

Sven stellte ihn in zwei M-Dressuren vor … wovon er einmal nicht ans Ziel kam und einmal mit Abstand gewann (auch wenn Cosmo in der Trabtour fast nur passagierte 🙂 ). Wir mussten uns eingestehen, dass er ein „kleiner“ Chaot ist. Er hat immer wieder Quatsch im Kopf. Dabei ist er aber immer super gelaunt! Immer die Ohren gespitzt! Man konnte einfach nicht böse auf ihn sein.

Im Gegenteil, wir mussten ihn noch besser verstehen lernen. So bekam er einen persönlichen Pfleger und seinen eigenen Tagesablauf. Er stand kaum noch in seiner Box, sondern war den ganzen Tag „unterwegs“. Er genoss es. Langsam wuchs er in seinen Körper hinein. Er bekam einen wunderschönen Hals und sah längst nicht mehr so schlaksig aus.

Als eines Tages Amerikaner auf unserem Hof waren, um sich Verkaufspferde anzuschauen, beschlossen Sven und ich schweren Herzens, Cosmo auch zu zeigen. Wer sollte ihn denn später reiten? Für die Mädchen kam er nicht in Frage, und er war zu talentiert als Dressurpferd, um mit Sönke Springen zu gehen.

Cosmo machte brav seinen Job, aber für die Amerikaner kam er nicht in Frage. Nur einer hatte ihn während des Vorreitens nicht aus dem Augen gelassen. Sönke …

Von oben aus dem Haus betrachte er unseren „unscheinbaren“ Braunen — und war begeistert. Er sprach Sven an und fragte, ob er dieses Pferd mal reiten dürfte. Sven kamen die Tränen. Endlich hatte er jemanden gefunden, der seinen Cosmo reiten würde. Wir wussten genau, dass Sönke ihn managen konnte. So nahm er ihn am nächsten Tag mit auf den Springplatz. Scheu und wach war er. Einen Springparcours von so nah hatte er noch nie gesehen.

Sönke nahm sofort die Zügel kürzer und galoppierte an. Als Cosmo immer noch schreckhaft blieb, ritt er einfach auf einen Sprung zu. Cosmo zögerte, beschloss dann aber, Sönkes Kommando zu folgen. Er machte einen Riesensatz und sprang mit Herzklopfen den kleinen Oxer … landete und fühlte, wie sein Reiter ihn lobte. Ab dem Moment war das Eis gebrochen; er hatte seinen Reiter gefunden, mit genau diesem Menschen würde er den langen Weg gehen.

Cosmo und Sönke besitzen das gleiche Gen. Sie langweilen sich ganz schnell, wenn immer Dasselbe von ihnen verlangt wird, und sie brauchen hin und wieder ihre Auszeiten.

Und so fing eine wunderbare Beziehung an.

Dass er als jüngstes Pferd mit dem jüngsten Reiter an diesen Olympischen Spielen teilnahm, dass er von der Klasse M bis Grand Prix und damit Olympia-Gold nur drei Jahre gebraucht hat …

Dass man immer ganz wach sein muss, wenn man dieses Pferd besteigt (fast täglich macht er seine Sätze, die durch seine Kraft mittlerweile auch an Höhe gewonnen haben) …

Dass er sich immer noch wie ein junges Pferd benimmt (er verlangt im Stall dauernd nach Aufmerksamkeit) …

Dass er sich nicht schnell überzeugen lässt, wenn ihm etwas seltsam erscheint (ihm hat das Wasser in Rio einfach nicht geschmeckt, und er ließ sich auch nicht mit Apfelsaft austricksen) …

Dass er sich mit Sven an seiner Seite sehr geborgen fühlt (und Sven ihn deshalb bis ans Viereck führte) …

Dass er hochintelligent ist (und sich z.B. während des Fluges ausgezeichnet verhielt! Er ahnte, hier wird es ernst!) …

Dass er bei uns das einzige Pferd ist, das im Aquatrainer auch schonmal den Kopf untertaucht (GANZ, wohlgemerkt, weshalb er nur in frisch eingefülltem Wasser läuft) …

Dass er beim Spazierengehen manchmal in den Spanischen Schritt übergeht (damit er mal wieder ein Leckerli abbekommt) …

Dass er am liebsten ohne Decke steht (er will nur Pferd sein, ganz ohne Allüren) …

Dass er im Training bis unten an den Kronrand bandagiert wird (weil für ihn der Platz manchmal zu klein ist 😉 ) …

Dass Favo sein größter Freund ist …

Dass er den Applaus nach seiner Prüfung liebt …

Dass er immer noch glaubt, zwischen anderen Pferden schneller sein zu müssen (er lässt kein Pferd während des Trainings aus dem Augen) …

Dass er unsere Familie immer noch täglich mit neuen Einfällen überrascht …

Lieber Cosmo – dafür lieben wir Dich!

Deine Familie

P.S. Du bist längst nicht mehr NUR Braun. Du bist ein wunderhübsches Pferd geworden!

Gonnelien