Project Description

Favourit

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Rheinländer Wallach, Fuchs
1999 bis 2017
v. Fidermark-Worldchamp
Z.: Eberhard Schulte-Böcker, Geilenkirchen

Es ist hart, so eine Nachricht überbringen zu müssen, und auch schwer zu realisieren, dass das, was gestern passiert ist, die Wirklichkeit ist. Gestern Nacht hat uns ein Familienmitglied, Freund, Begleiter, Lehrer und Kämpfer verlassen. Das, was wir gestern als Familie durchgemacht haben und was geschehen ist, wünscht man keinem. Favo wurde uns auf eine unfaire Art und Weise genommen, die schwer zu verstehen und verkraften ist …

Während wir in Aachen waren und Semmie mit den Stuten in Warendorf war, gab es zuhause ein schweres Unwetter mit Blitz und Donner. Trotz seines Alters und seiner Lebenserfahrung war dies schon immer sehr beängstigend für Favo. Hinzu kam noch, dass sein Boxennachbar und Freund Cosmo nicht da war, um ihn zu beruhigen und ihm Vertrauen zu geben, wie er es sonst immer tat. Auch Geishas Box gegenüber war leer, denn sie war mit in Warendorf. Also hatte Favo nur Devis diagonal gegenüber stehen. Trotzdem war dies sehr beunruhigend für ihn. Im Nachhinein konnten wir auf unseren Kameras sehen, wie es geblitzt hat und er danach sichtliche Schmerzen hatte. Der Blitz schlug in der Nähe des Stalls in einen großen Baum ein und das gab einen großen Knall, vor dem er sich erschrocken haben muss.

Morgens bekamen wir einen Anruf, dass er sich nicht mehr bewegen könne. Von Aachen aus probierten wir alles, um herauszufinden was die Ursache war und was Favo sich getan haben könnte. Er wurde von drei Tierärzten untersucht, alle mit verschiedenen Meinungen, und alle mit verschiedenen Vorgehensweisen, was wir als nächstes tun sollten. Erster Verdacht war eine Thrombose, jedoch wurde uns schnell klar, dass dies nicht der Fall war, sonst wäre ein Bein kälter als das andere gewesen. Danach hieß es, er hätte einen Hexenschuss, also bekam er Schmerzmittel. Wir ließen mehrfach die Tierärztin zur Akupunktur kommen, um ihm die Schmerzen zu lindern, jedoch wollte Favo sich immer noch nicht bewegen. Er bekam jeden Tag die Magnetfelddecke drauf und wurde ausgiebig massiert und geputzt/gekrault. Als wir dann eine weitere Meinung wollten, da es nicht bergauf ging, ergab eine Rektaluntersuchung, dass sein Becken angebrochen war. Wir waren am Boden. Favo ging es mental sehr gut, er stand mit gespitzten Öhrchen in seiner Box und schaute zu, was alles in der Stallgasse geschah. Er freute sich auf sein Futter, was allerdings ab jetzt nur noch aus Mash bestand, er trank normal, und er genoss die Aufmerksamkeit, aber trotzdem waren seine Schmerzen nicht zu übersehen. Nach dem Verdacht auf Hexenschuss hatte es geheißen, er solle Schmerzmittel bekommen, um sich zu entspannen, doch dann wendete sich das Blatt auf einmal nach dem Verdacht mit dem Becken: So wenig wie möglich Schmerzmittel, damit er sich nicht hinlegt und das ganze Becken bricht. Uns wurde prophezeit, dass es schwer wird, und selbst wenn es klappen sollte, müsste er drei Monate Boxenruhe haben. Trotzdem beschlossen wir, es zu probieren.

Gestern Abend passierte das, was wir vermeiden wollten. Alex rief uns an, dass Favo in seiner Box lag und klatschnass geschwitzt war. Wir rannten alle sofort hin und probierten, ihn wieder auf die Beine zu bekommen. Alle Männer packten mit an und schafften es, ihn hinzustellen, doch man sah ihm an, dass er sehr starke Schmerzen hatte. Er war wackelig und konnte sich kaum oben halten. Wir alarmierten sofort mehrere Tierärzte und hofften, dass man ihm schnellstens helfen würde. Zwei Tierärzten kämpften verzweifelt um Favos Leben. Er bekam hochdosiert starke Schmerzmittel, damit er nicht leiden musste. Die Einzelheiten möchten wir euch ersparen, jedoch haben wir uns alle gemeinsam dann um 23 Uhr dazu entschieden, Favo von seinen Qualen zu erlösen und ihn nicht weiter leiden zu lassen.

Es ist schwer zu verstehen, wieso so etwas Schlimmes passieren muss und weshalb es ausgerechnet so einen treuen Begleiter treffen muss. Die Frage „womit hat Favo das verdient?“ schwirrt uns immer und immer wieder im Kopf herum und die Antwort ist … er hat es nicht verdient. Favo hat jedem in unserer Familie schöne Momente beschert, und wir danken ihm dafür, dass er mit seinem witzigen, knuffigen und einzigartigen Charakter viele Tage wieder zum Guten gewendet hat. Wir werden seine großen Knopfaugen jeden Morgen vermissen und sein Quietschen vor Freude, wenn er zu Hause ankam nach einem gelungenen Turnier. Wir werden seine freundliche, sensible Art und seine Freude am Kuscheln vermissen. Letzte Woche sprachen wir noch darüber, dass wenn wir uns ein Pferd als Kuscheltier mit ins Bett nehmen könnten, es Favo gewesen wäre. Wir danken Favo dafür, dass er Sanni und Sönke so viel gelehrt hat und sie so viele schöne Momente hat erleben lassen. Ohne ihn wären Sanni und Sönke nicht die gleichen Reiter wie jetzt. In Wiesbaden war er noch in der Form seines Lebens und gewann alle Prüfungen, und heute ist er nicht mehr bei uns … so schnell kann es gehen! Wir hätten ihm so gerne eine lange Rente gegönnt bei uns zuhause, aber es hat nicht sein sollen.

So plötzlich wurdest Du von uns genommen und jetzt ist Deine Box leer … die Atmosphäre im Stall ist nicht die gleiche. Cosmo schaut durch das Gitter, doch du bist nicht mehr da … wie wird Cosmo dich vermissen! Wie hat Cosmo dich doch geliebt! Du warst sein Reisebegleiter und hast ihm die nötige Ruhe und das Vertrauen gegeben auf den ganzen Turnieren. Du fehlst, uns kleiner Mann, aber wir sind sicher, dass Deini Dich da oben schon mit offenen Armen empfangen hat und Ihr jetzt zusammen die Zeit genießt. Wir können es noch gar nicht begreifen … aber wir vermissen Dich jetzt schon so sehr. Du hinterlässt so viele schöne Erinnerungen, die wir immer behalten werden. Auch wenn wir uns von Dir verabschieden mussten, haben wir jetzt einen Schutzengel dazu bekommen. Vielen Dank für alles, kleiner Mann! Du wirst niemals vergessen werden … Du warst etwas ganz Besonderes
Wir lieben und vermissen dich! Danke für alles, Favourit!!!