Dieses Jahr gibt es eine neue olympische Formel für die Dressurreiter: Als Mannschaftswertung zählt nicht nur der Grand Prix, wie es bis jetzt war, sondern zwei Prüfungen, das heißt, der Grand Prix und der Grand Prix Special entscheiden über die Vergabe der Mannschafts-Medaillen.

Weil wir das – wie alle anderen A-Kader-Reiter – natürlich im Blick hatten, haben wir uns mit Cosmo bis jetzt auf die klassischen Prüfungen konzentriert, nicht auf die Kür. Aber zum Programm der Olympia-Sichtung in Balve zählte natürlich auch die Kür.

Konkret sollte in Balve die Entscheidung fallen, wer in Aachen Deutschland im Team vertreten darf. Spannend!

Sanni war dritte Starterin und legte eine sehr schöne, harmonische Runde hin. Die Piaffe hätte fleißiger sein können, aber ansonsten sah es sehr schön aus. Dafür gab es für Wolki und Sanni ihre persönliche Bestleistung im langen Grand Prix! 71,2%!!! Super:-)

Cosmo war zwei Starter nach der Pause dran. Unee und Emilio waren schon gewesen, und alles schien noch machbar. Ruhig bleiben … Schade, Fehler in den Einern und der Rechtspirouette. Ansonsten super! Eine Wahnsinns-Trabtour, wo er noch bei 91% stand :-)))

Am Schluss wurden es 78,08% und der vierte Platz! Jetzt die Ohren steif halten und weiter konzentrieren für morgen.

Mittlerweile war Sanni mit Alex und Wolki schon wieder auf dem Weg nach Hause, da sie genau wie Nadine Husenbeth als U25-Reiter nur den Grand Prix reiten sollte, um die Pferde für die Euro zu schonen. Außerdem werden auf der Euro in Hagen auch ganz andere Prüfungen geritten. Von daher war es eine sehr kluge Entscheidung des Dressur-Ausschusses.

Für den Special wurde bei C eine Riesen-Kamera aufgebaut, was natürlich für Cosmo schwierig werden konnte, weil er so etwas noch nie gesehen hat. All diese Eindrücke und das tolle Publikum! Es war fantastisch, aber es lenkte Cosmo manchmal auch ein wenig ab. Wenn er jeden mal eben begrüßen möchte, kann es passieren, dass er die eine oder andere Hilfe von Sönke nicht registriert.

Bis auf eine Piaffe gelang ihm der Special sehr überzeugend. Platz fünf – in einer Prüfung mit fünf!!! Paaren über 80% –, damit ist er nach Deini das zweite Pferd bei uns im Stall, das in einer klassischen Prüfung die 80%-Marke knackt! Wahnsinn, und das mit erst 9 Jahren!

Auf dem Weg nach Hause erfuhr ich, dass die Teams für die U25-EM und das Team für Aachen bekannt gegeben wurden. Ich konnte es nicht ganz glauben, Sanni mit beiden Pferden für die Euro in Hagen nominiert – dort für Deutschland zu reiten, war ihr sportliches Ziel für dieses Jahr – und Sönke für das deutsche Dressurteam in Aachen! DAS Team, vor dem sich die Niederlande jedes Jahr fürchten :-))) Wenn man Sönke vor zwei Jahren nach seinem sportlichen Ziel mit Cosmo gefragt hat, hat er geantwortet, Aachen – und wäre damals mit einem Start in der kleinen Tour schon glücklich gewesen. Das war damals aus Termingründen nicht möglich, denn Cosmo stand kurz vor der Teilnahme an der EM der Jungen Reiter. Und jetzt das – nicht nur der ersehnte Start in Aachen, sondern auch noch im Team!

Zu Hause lief das Training mit Sanneke und Devil und mit Semmie und ihren Stuten auch sehr gut, und wir beschlossen, schön beim Italiener essen zu gehen.

Morgens wurde früh trainiert, damit wir dann gemeinsam nach Balve fahren und Sönke unterstützen konnten. Gleichzeitig war Sönke morgens um halb acht in der Morgensonne schon im Viereck unterwegs – um nicht mit Cosmo, sondern mit Favo seine brandneue Kür noch einmal durchzureiten. Er hatte sie bewusst mit Cosmo nicht geübt, um ihn nicht vor den so wichtigen klassischen Prüfungen zu verwirren. Jetzt war er doppelt dankbar, dass er Favo hatte – Sven stand mit dem Laptop am Rand und spielte die Musik, die Sönke über seinen Kopfhörer hören konnte. Ich kann es nicht genug betonen: Ohne Favos treue Dienste wäre es für Sönke nicht möglich gewesen, in Balve so abzuschneiden.

Das Wetter war toll, und die Stimmung ebenso. Als letzter Starter durfte Sönke mit Cosmo das Viereck betreten.

Premiere … und zarte Pianoklänge überraschten das erwartungsvolle Publikum. Über die Kürmusik werden wir noch mehr berichten, wenn die Kür wirklich komplett fertig ist, aber wir finden jetzt schon, dass Cees Slings für dieses besondere Pferd auch etwas Besonderes kreiert hat!

Bis auf Kleinigkeiten gelang den beiden ihre Premiere sehr gut. Dann der Nervenkitzel – dem ersten Ergebnis nach wäre Sönke sogar die Bronzemedaille sicher gewesen. Doch dann wurde das Resultat um einen Punkt nach unten korrigiert, und die Medaille ging doch an Isabell. Und was machte sie? Kam sofort angeritten und bedankte sich bei Sönke, dass er ein solcher Kavalier war und ihr den Vortritt gelassen hatte. Sie weiß eben, wie man ein Team motiviert – Dank zurück 🙂 Medaille oder nicht, mit dieser wunderbaren Kür hat mir meine Familie ein weiteres schönes Geschenk gemacht.

Während wir uns ans Zusammenpacken machten, ging Sven mit Cosmo direkt im Anschluss an die Siegerehrung noch eine Runde grasen – Chillprogramm.

Um 18:30 stand unser Superstar wieder in seiner Box auf dem Erlenhof und wurde rundum von Robbie verwöhnt.

Kurze Atempause, ehe es am Mittwoch weiter zum Future Champions nach Hagen geht – die letzte Euro-Sichtung für Semmieke. Diese Marathon klappt nur im Team: Danke an unsere Sponsoren, Mitarbeiter und Freunde, die uns auf diesem Weg begleiten.

Danke,

Gonnelien