Semmies Bundestrainer Hans-Heinrich Meyer-zu Strohen hat immer die passenden Spitznamen für Semmies Pferde. So geht Geisha als der schwarze Panther durchs Leben, und Daisy heißt bei ihm Semmies Wundertüte.
Tja … damit lag er mal wieder total richtig.
Schon bei der Ankunft in Aachen wusste sie Bescheid, hier spielt sich was Besonderes ab. Total motiviert schritt sie über das CHIO Gelände.
Gleich die erste Prüfung hat sie mit Bravour gemeistert. Das erste Wunder war damit schon geschehen. Aber am Samstag bei den Wetterbedingungen … mal schauen.
Schon das andere Viereck fand sie viel spannender, weshalb auch die Verstärkungen nicht ganz so auf Zug waren wie sie es eigentlich drauf hat. Ein kleiner Fehler nach der letzten Galoppverstärkung, aber ansonsten wieder schön im Genick und immer die langen Ohren gespitzt.
Daisy und Semmie ließen sich vom Wetter nicht beeinflussen. Der Vorsprung vergrößerte sich, und somit konnte Semmie in der Kür schon mal auf Risiko gehen. Das hatte sie auch vor. Da wir bis zuletzt mit der Entscheidung gewartet hatten, welches Pferd mit zur Euro fährt, lag Daisys neue Kür noch in der „Schublade“ – extra von Frau Pendzig nach Semmies Musikwahl zusammengestellt. Schon immer wollte sie mal auf Papas Kürmusik reiten, die Musik, die ihm in Atlanta zu Olympia-Bronze verholfen hatte. So oft schon hatte sie diese Musik immer wieder abgespielt. Wir waren erst nicht so begeistert, da sie mittlerweile des Öfteren für das Einreiten während der Siegerehrungen genutzt wird. Aber dass die Musik schön ist, war keine Frage.
Semmie ließ nicht locker, hat aber für diese neue, technisch schwierige Kür auf unseren Wunsch noch eine alternative Musik zusammenstellen lassen. Jetzt in Aachen wollte sie es wissen … und wir wollten, dass sie Spaß haben sollte.
Also gab sie IHRE Musik ab. Beim Soundcheck strahlte sie über beide Ohren … schön laut soll die Musik sein, nur dann kommt sie richtig an. Sven und ich nickten und blieben ruhig. „Es sind ihre Meisterschaften“, sagten wir uns gegenseitig.
Beim Abreiten war Daisy richtig an. Im Schritt musste Semmie sie schon mal beruhigen und etwas zurücknehmen, damit sie schön auf Semmie wartete. Für Daisy war diese Kür auch Premiere, und deshalb sollte sie nicht zu übereifrig werden. Deshalb entschied Semmie sich, Daisy nochmal galoppieren zu lassen. Das tat ihr sichtlich gut. Genau treffend wurde sie aufgerufen. Sender ab, noch mal schnell mit ein Handtuch über ihr schwarzes Fell, und ab … da trabte sie schon unter die Brücke Richtung Deutsche Bank Stadion.
Wow … die beiden hatten Spaß, das sah man schon, als sie um das Viereck tanzten. Es war ihre Kür, auf Angriff geritten, mit einem Pferd, das unglaublich Spaß mit seiner zierlichen Reiterin hatte.
Wahnsinn … das Publikum klatschte, Daisy war stolz und Semmie um so mehr!
82,1 % – persönlicher Rekord!
Alex hatte die Kür für Semmie aufgenommen, und so beschloss sie, das Video zu veröffentlichen, für die, die es nicht live sehen konnten, insbesondere für ihre Geschwister, die leider dieses Mal nicht dabei sein konnten. Sanni sollte Montag für eine Woche beruflich in die USA fliegen, und Sönke lag mit Fieber im Bett.
Stolz waren sie auf ihre kleine Schwester, und kaum zu Hause angekommen, standen sie am Tor, um Semmie und Daisy zu begrüßen. Wie süß 🙂
Sie wissen beide, wie es sich anfühlt, einen persönlichen Rekord zu reiten und noch dazu die 80% geknackt zu haben! Mit was für einem Gefühl man reintraben muss, welche Selbstdisziplin, welche Mischung aus Anspannung und Entspannung und welches Feingefühl man haben muss, um das zu erreichen.
Lieber Herr Meyer zu Strohen,
die Wundertüte ist aufgegangen 🙂
Danke für das Vertrauen, und wir hoffen, noch viele Jahre unter Ihrer Obhut reiten zu dürfen.
Die Rothenbergers

Semmies Kür-Video