Frage:

Ich wollte mir ein Pferd kaufen, genauer gesagt ein Schulpferd. Jetzt habe ich mir gedacht, eine Pferdeankaufsuntersuchung zu machen. Wie läuft so eine Ankaufsuntersuchung ab? Was kommen für Kosten auf mich zu? Kann ein Pferd bei der Ankaufsuntersuchung durchfallen

Antwort:
Man unterscheidet „im Volksmund“ zwischen einer kleinen und einer großen Ankaufsuntersuchung.
Bei der kleinen (korrekt: klinischen) Ankaufsuntersuchung wird der Allgemeinzustand des Pferdes überprüft (Atemwege, Fell, Zähne, Lahmheitsuntersuchung). Die Kosten dürften (je nach Tierarzt) bei ca. 200 Euro liegen.
Bei der großen (röntgenologischen) Untersuchung wird das Pferd ausgiebig geröntgt (Kosten 400 bis 600 Euro), außerdem kann man natürlich weitere diagnostische Verfahren durchführen lassen (Blutbild etc.), dann kann es schnell vierstellig werden.
Es kommt einfach darauf an, was man mit dem Pferd möchte. Wer ein teures Pferd für den Leistungssport erwirbt, möchte natürlich so viel wie möglich über das „Innenleben“ des Pferdes wissen.
Wenn Du Dich mit einem Schulpferd angefreundet hast und es als Freizeitpartner haben oder hin und wieder ein kleines Turnier damit gehen möchtest, bist Du wahrscheinlich gut beraten, wenn Du das Pferd von einem Physiotherapeuten begutachten lässt. Vielleicht kannst Du es ihm oder ihr ja sogar vorreiten. Die Kosten dürften bei etwa 150 Euro liegen.
Physiotherapeuten haben einen guten Blick dafür, wo ein Pferd möglicherweise kleine Wehwehchen hat, und können diese oft kostengünstig und nachhaltig beseitigen. Ein Pferd, das länger im Schulbetrieb gegangen ist, wird mit Sicherheit röntgenologisch nicht mehr „Eins A“ sein und vielleicht auch bei der Lahmheitsuntersuchung auffallen. Damit wäre es durch die Ankaufsuntersuchung durchgefallen — das heißt aber noch lange nicht, dass es Dir nicht trotzdem noch jahrelang ein gesunder Partner sein könnte, mit dem Du viel Freude hast.
Deshalb würden wir in einem solchen Fall zum ganzheitlichen Blick eines Physiotherapeuten raten — und wenn er oder sie dann meint, dass doch noch ein Tierarzt das Pferd begutachten sollte, könnt Ihr gemeinsam überlegen, ob es sich lohnt.

Frage:
Wenn das Pferd/Pony viele Kriterien dieser Ankaufsuntersuchung nicht besteht, kann man dann den Kaufpreis des Pferdes drücken?

Antwort:
Diese Frage klingt ein bisschen herzlos. Es geht doch bei der Ankaufsuntersuchung um die gegenwärtige und künftige Gesundheit des Pferdes, und ein Pferd ist doch kein Auto, das man vielleicht billiger bekommt, weil es einen Kratzer im Lack hat. Wenn bei der Ankaufsuntersuchung kleinere Probleme auftreten (z.B. Pferd hat einen Infekt oder Haken auf den Zähnen), sollte man mit dem Besitzer besprechen, ob er das vor dem Kauf noch behandeln lässt. Wenn es etwas Schwerwiegendes ist (z.B. Arthrose), sollte man sich den Kauf sehr genau überlegen — wobei es natürlich davon abhängt, was für Ziele man mit dem Pferd hat. Wenn man in einem solchen Fall „den Preis drückt“, ist doch vorprogrammiert, dass früher oder später der Tierarzt das „Ersparte“ bekommt.

« Zum Verzeichnis von A-Z