Frage:

Ich habe ein 19jähriges fittes & sehr schlaues Pony. Meine Trainerin und ich sind gerade dabei, ihr fliegende Wechsel beizubringen. Nicht fürs Turnier, sondern einfach nur so für daheim zum Spaß & auch fürs Springen. Also ich galoppiere im Außengalopp mit Außenstellung am Zirkel an, an der offenen Zirkelseite stelle ich sie im Außengalopp nach innen, sodass ich sie in Konterstellung habe. Dann pariere ich durch zum Schritt, lege mein äußeres Bein zurück und gehe sofort ins Travers und galoppiere aus dem Travers innen an und bleibe noch ein paar Galoppsprünge im Travers. Das soll bewirken, dass sie Schenkel umlegen mit Galoppwechsel in Verbindung bringt. Was halten Sie von dieser Methode? Wie bringen Sie ihren Pferden Fliegende bei? Wir haben gerade erst angefangen mit dieser Übung, also weiß ich auch nicht, ob es funktionieren wird. Ich würde mich wahnsinnig über eine Antwort freuen, vielen Dank!

Antwort:
Das ist ja toll, dass das Pony mit 19 noch so fit ist und noch Lust hat zu lernen. Meistens stellt sich die Frage nach den fliegenden Wechseln natürlich viel früher in der Ausbildung, und viele Top-Ausbilder (die ins große Viereck wollen und nicht zum Bundeschampionat 🙂 ) sind froh, wenn die Pferde sie von selbst anbieten und nehmen sie auch dankbar an. Isabell Werth sagt dazu zum Beispiel ganz klar: „Den Außengalopp lernen sie hinterher alle noch.“
Eine ähnliche Methode, wie Sie sie beschreiben, kennen wir aus der Westernausbildung (und es ist ja nichts Falsches daran, sich auch aus anderen Disziplinen gute Ideen zu holen): Hier geht die Reiterin im Handgalopp (sagen wir rechts) auf die Diagonale, pariert durch zum Trab, stellt im Trab um ins (Links-)Travers und galoppiert dann auf der anderen Hand an. Bei jedem Durchgang verringert sie die Zahl der Trabtritte, bis sich der fliegende Wechsel quasi von selbst ergibt. Die Idee dahinter: Im (Links-)Travers fällt es dem Pferd leichter, auch auf derselben Hand weiterzugaloppieren, und da Pferde es nicht gern schwer haben, nehmen sie diese Erleichterung als Angebot dankbar an.
Wenn das Pferd begriffen hat, worum es geht, empfiehlt es sich für die weitere Dressurarbeit, fliegende Wechsel oft an der langen Seite zu reiten, damit die Wechsel möglichst schnell schön gerade werden und nicht schwankend gesprungen werden.
Und auch hier gilt natürlich: Jedes Pferd ist anders. Manche Pferde lernen den Wechsel lieber auf der Diagonalen, andere lieber auf dem Zirkel. Manche machen sie mit vier von selbst, andere muss man erst auf die Idee bringen, wenn man sie ansonsten schon schön an den Hilfen hat. Und manche lernen sie tatsächlich mit Begeisterung auch noch ganz spät. Viel Spaß!

Frage:
Ich habe zufällig bemerkt, dass meine 8jährige Stute, die schon bis St. Georg platziert ist, (neuerdings?) die Wechsel zur einer Seite manchmal hinten parallel springt. Kennen sie das Problem? Halten sie das für ein schwerwiegendes Problem, oder haben sie eine Idee, wie ich das Problem lôsen kann?

Antwort:
Wie die Menschen sind auch Pferde Linkshänder bzw. Rechtshänder, und manchen fällt daher beim Lernen der eine Wechsel zunächst leichter als der andere. Da hilft nur geduldiges Üben.
Wenn das Pferd aber die Wechsel anfangs beide schön gesprungen ist, der Reiter derselbe geblieben ist, sich an seiner Hilfengebung nicht z.B. durch eine Verletzung (da reicht ja ein verstauchter Fuß) etwas verändert hat und das Problem erst jetzt auftritt, deutet das darauf hin, dass sich beim Pferd etwas verändert hat. Passt der Sattel noch? Ist mit den Gebissen alles in Ordnung? Hat es vielleicht festgelegen oder sich vertreten und „traut“ sich im Moment nicht, den Wechsel richtig durchzuspringen? In diesem Fall wäre vielleicht der Besuch eines Physiotherapeuten angesagt.

Frage:

Ich habe mein Pferd von einem Springreiter übernommen und daher „kann“ er auch die fliegenden Wechsel. Leider stürmt er danach immer sofort los und ist kaum noch zu „bremsen“ – zudem springt er (wenn man es so nennen kann) die Wechsel sehr flach. Haben Sie einen Tipp, wie ich das verbessern oder kontrollieren kann?

Antwort:
Das ist ein kniffliges Problem, denn viele Pferde tun sich schwer mit einer Umstellung, wenn sie das erst einmal falsch gelernt haben.
Vielleicht versuchst Du, einen Schritt zurückgehen und einfache Wechsel zu üben. Denn das Pferd ist ja nicht an der Hilfe (und möglicherweise auch nicht richtig in der Balance, daher das Wegstürmen), sondern nimmt den Wechsel vermutlich mehr oder minder vorweg und rennt dann los. Es muss unbedingt sauber und ausdrucksvoll auf Hilfe angaloppieren und zurückkommen können, ehe Du fliegende Wechsel reiten kannst. Eine Möglichkeit sind Schlangenlinien durch die ganze Bahn, erstmal nicht allzu klein (also auf 60m drei oder vier Bögen), zunächst nur mit einfachen Wechseln, dann das Pferd überraschen, indem Du zwischendurch mal einen Fliegenden abfragst. Den meisten Pferden fällt ja ein Wechsel (also von rechts nach links oder von links nach rechts) leichter, unbedingt mit dem anfangen. Und wenn’s geklappt hat und das Pferd danach noch ein paar Sprünge in Ruhe weitergaloppiert ist, Schritt, Zügel lang, loben, kurze Pause zum Abspeichern oder sogar aufhören.

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