Frage:

Ich habe ein Frage bezüglich meiner 5jährigen Stute. Letzte Saison habe ich sie bereits in einigen Reitpferdeprüfungen vorgestellt. Nun möchte ich sie gezielt auf die anstehenden Dressurpferdeprüfungen vorbereiten. An einigen Stellen bekommen wir hin und wieder das Problem, dass sie mit ihrer Hinterhand leicht in die Bahn kommt. Wir haben sie von einem Tierarzt und Osteopathen checken lassen, der ihr auch sehr gut getan hat. In einigen wenigen Momenten taucht dieses Problem jedoch noch auf. Ich denke (nach Rücksprache mit meinen Trainern), dass es wohl auch an der natürlichen Schiefe liegt. Wir haben uns dazu entschlossen, dem Problem mit fleißigem Vorwärtsreiten zu begegnen und sie über das Vorwärtsreiten gerade zu bekommen. Was halten Sie davon oder wie würden Sie ein solches Pferd arbeiten (gibt es bestimmte Lektionen / Übungen die der Stute weiterhelfen?). Des weiteren habe ich gerade nun im Winter das Problem, dass es oft einige Zeit dauert, bis ich sie locker und „bei mir“ habe (sie bekommt täglichen Weidegang). Ich möchte ihr gerne die Zeit geben, sich zu lösen, und hätte die Frage, ob Sie Tipps haben, wie man gerade junge Pferde locker bekommt, ohne sie zu lange tief zu reiten, sodass sie kopflastig wird. Ich würde mich über eine Antwort sehr freuen, da mir das Pferd sehr viel Freude bereitet und ich mir wünsche, dass sie sich pferdegerecht entwickeln kann und ihre Motivation und freundliches Wesen so bleibt wie es jetzt ist.

Antwort:

Einerseits ist es natürlich richtig, sein Pferd „vorwärts zu reiten und es gerade zu richten“. Andererseits ist es ein Problem der Balance/Lastaufnahme, wenn das Pferd mit der Hinterhand in die Bahn kommt, und da in den Dressurprüfungen für Fünfjährige ja auch bereits die Versammlungsbereitschaft gefragt ist, würden wir versuchen, das Pferd ein wenig im Schultervor zu reiten, wenn das passiert, es also noch etwas konsequenter mit dem inneren Bein an den äußeren Zügel zu reiten. Das heißt jetzt natürlich nicht endlos Seitengänge/Schulterherein, sondern wirklich nur das Schultervor im Kopf zu haben, wenn das Problem auftritt. Vorwärts-Abwärts-Reiten hat nichts mit „kopflastig“ zu tun. Wenn sich das Pferd dabei auf die Hand legt, stimmt ebenfalls etwas mit der Lastaufnahme und der Balance nicht. Statt dann aufzugeben, sollte man dem Pferd zu mehr Schub von hinten verhelfen, indem man immer und immer wieder Übergänge reitet (die außerdem ebenfalls lösend wirken). Carl Hester sagt dazu: „Viele Leute hören irgendwann auf, die ultimative Dehnungshaltung anzustreben, weil es ihnen zu langweilig ist. Für mich ist es der wichtigste Teil unserer Arbeit.“ Und das stimmt. Erst wenn man ein Pferd in jeder Lebenslage — im Schritt, im Trab, im Galopp — in die Dehnungshaltung „entlassen“ und es wieder „zurückholen“ kann, ohne dass es aus dem Takt kommt, ausfällt oder den Kopf hebt, kann man an das Reiten von Lektionen denken. Wenn Ihr Pferd lange zum Lösen braucht, dann hören Sie auf das Pferd und machen Sie vielleicht auch zwischendurch Schrittpausen — auch wenn vielleicht im Moment am Ende nur ein paar Minuten zum eigentlichen Arbeiten bleiben. Mit seinen knapp fünf ist es ja noch voll im Wachstum und in der Entwicklung, und es wird Ihnen die Geduld später danken.

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