Frage:

Ich möchte meine Kinder mit Sinn und Verstand in den Reitsport führen, ohne dabei natürlich den Spaß an der Reiterei zu verlieren (immer unter der Voraussetzung, dass die Kinder Lust dazu haben). Dabei ist es ganz egal in welche Richtung (Dressur, Spingen, VS) es geht. Was raten Sie mir hierbei? Was muss Kindern grundlegend vermittelt werden? Was sollte bei der Anschaffung des ersten Ponys und weiterführend grundlegend beachtet werden?

Antwort:

Wir glauben, dass vor allem die richtige Selbsteinschätzung wichtig ist. Es wäre ein Fehler, gleich zu Anfang ein hoch sensibles „Kracherpony“ zu kaufen und damit die Hoffnung zu verbinden, dass die Kinder damit schnell in den Kader kommen. Viel wichtiger ist erstmal eine gute Grundlage: dass die Kinder sattelfest werden, ohne schlechte Erfahrungen zu machen, und dass sie das Einmaleins auf einem Pony lernen, das ihnen auch Fehler verzeiht. .Wir haben z.B. als erstes ein Vielseitigkeitspony angeschafft, mit dem die Kinder alles ausprobieren konnten, mit dem wir aber auch mit der Familie ganz entspannt ausreiten konnten.
Wir glauben nicht daran, dass es hilft, Kinder unter Druck zu setzen, aber wir haben ihnen von Anfang an gesagt, dass sie beim Reiten die Verantwortung für ein Lebewesen übernehmen, das man nicht einfach in die Ecke stellen kann, wenn man keine Lust mehr hat. Also haben wir uns bzw. ihnen eine Deadline gesetzt, wie lange sie auf jeden Fall reiten sollten. Keines von ihnen hat danach ans Aufhören auch nur gedacht 🙂
Was dann kommt, und ob es beim bloßen Spaß bleibt (wobei wir der Meinung sind, dass beim Freizeitreiten der Anspruch derselbe sein sollte, dem Pferd gerecht zu werden und alles ganz akribisch zu lernen!) oder ob man in den Sport möchte, hängt vom Talent und der Motivation der Kinder ab.Möglicherweise kommt dann tatsächlich der Punkt, an dem man sich von seinem Lehrmeisterpony wieder trennen muss (oder vielleicht im Stall eine gute Reitbeteiligung dafür findet) und sich auf die Suche nach etwas Anspruchsvollerem macht. Auch dann bleibt der realistische Blick wichtig — und ein Trainer, der ihn teilt.
Leider ist der Reitsport doch eine der teuersten Sportarten, aber für uns auch die schönste — und nicht nur eine FN-Studie hat Anfang des Jahres bewiesen, dass es sich positiv auf den Charakter auswirkt, auch viele Unternehmen stellen gern junge Menschen ein, die als Hobby „Reiten“ im Lebenslauf stehen haben, weil das von Verantwortungsbewusstsein und und Durchhaltevermögen zeugt.

Frage:

In den Traversalen im Galopp hebelt unser Pferd sich oft raus, er blockiert und setzt zum Steigen an. Er hat wohl noch nicht die nötige Kraft um das zu halten. Was ist zu tun um den Takt zu halten und die Traversale gut zu beenden? Im Trab haben wir immer Schulterrein geritten und dabei das Tempo verstärkt. Als zweites geht es darum, dass Anna wenn sie eine Aufgabe reitet zulange braucht um die Lektionen gut und ausdrucksstark zu reiten. Die Abfolge ist, so kommt es mir vor für sie zu schnell um es gut umsetzen zu können. Wachen wir sie auf, sprich werden lauter und erzürnen uns fast, geht es viel besser. Unser Pferd ist keiner der alles von selber macht, was ja prima ist, reiten kommt von reiten, aber ich denke es muß doch eine andere Art geben um Spannung, Aufmerksamkeit und gute Lektionen hin zubekommen.

Antwort:
Sie deuten es ja schon selber an, dass Pferd und Reiterin im Moment vielleicht noch überfordert sind. Wenn beide nicht den Spaß verlieren sollen, wäre es wahrscheinlich besser, nochmal einen Gang zurückzuschalten und vor allem nicht nur an Lektionen zu denken, sondern auch an den Spaß mit dem Pferd. Wenn ein Pferd die Kraft für eine bestimmte Lektion nicht hat, darf es sie auch noch nicht gehen, sonst nimmt es Schaden, der teuer werden kann. Wenn ein Kind noch nicht schnell genug ist für eine M-Dressur, sollte es sich erst einmal Erfolgserlebnisse auf L-Niveau holen. Und die Chance bekommen, sich mit seinem Pferd regelmäßig im Gelände zu entspannen (bitte nicht allein, wenn beide da keine Erfahrung haben). Wenn das Pferd ein Motivationsdefizit hat, hilft es oft, zwischendurch einfach mal zu springen — vielleicht sogar ein kleines Kreuz oder ein Cavaletti zum Lösen zu Beginn der Arbeit. Weniger „Spannung“ ist manchmal mehr!

Frage:

Mein Pony wird jetzt 6 Jahre und ist im Moment in Beritt. Meine Trainerin sagt, er hat gut gelernt, aber ich habe anfangs der Reitstunde immer Schwierigkeiten, ihn an den Zügel zu bekommen. Irgendwann geht es, aber der Weg dort hin ist sehr frustrierend.
Er rennt auch sehr bei mir, was mich sehr traurig macht. Auch ablongieren hilft nicht viel. Er bekommt 3 x täglich ca 400 bis 450 g Hafer und noch BuildUp Müsli und Reiskeimöl.
Haben Sie einen Tipp, wie ich ihn besser an den Zügel bekomme? Wie bekomme ich das Rennen in den Griff? Würde eine Futterumstellung helfen ?

Antwort:

Hallo, verrätst Du uns, wie alt Du bist? Dann können wir Dir vielleicht noch mehr Tipps geben.
Dein Pony bekommt ja eine ordentliche Menge Energie gefüttert, das solltet ihr reduzieren (vielleicht erst mal nur Müsli, aber ein normales) — der Muskelaufbau sollte durch das richtige Reiten kommen, nicht durch Futtermittel.
Es ist doch Dein Pony, oder? Dann hilft es Dir ja nicht, wenn Deine Trainerin es reitet und es immer mehr Kraft aufbaut, die Du dann nicht händeln kannst. Lass Dir Zeit und konzentriere Dich weniger auf das „am Zügel Reiten“ sondern darauf, mit dem Pony zusammenzuwachsen. Das dauert seine Zeit. Wie wäre es denn, wenn Du Dir die Stunden mit der Trainerin teilst und sie das Pony erst zwanzig Minuten löst, damit der erste Übermut weg ist, und dann reitest Du ganz in Ruhe den Rest der Stunde? Sitzübungen an der Longe und andere „Gewöhnungsübungen“ (Bodenarbeit) wären vielleicht auch nicht schlecht, damit Du wirklich eine Beziehung zu Deinem Pony aufbauen kannst und es auch Vertrauen zu Dir bekommen kann.

Anschlussfrage:

Danke für Ihre Antwort. Dass das Futter zuviel ist, hat meine Mutter auch schon vermutet, wir werden es jetzt ändern. Vielen Dank für die Bestätigung. Ich werde im Mai 14 Jahre und reite, seit ich 6 bin. Ja das Pony gehört mir.
Mit dem Pony, welches ich vorher hatte, bin ich 2013 schon erfolgreich A Dressuren geritten. das Pony, welches ich jetzt habe, habe ich jetzt 1 Jahr.
Eigentlich wollte ich schon weiter sein. Letztes Jahr bin ich einige E-Dressuren und eine A-Dressur mit meinem Pony erfolgreich geritten. Da aber noch vieles im Argen war bei ihm, haben wir ihn in Beritt gegeben.
Ich reite noch ein älteres Pony von meiner Schwester ab und zu, der kann Alles.
Sie haben völlig recht, es nutzt ja nichts, wenn ihn meine Trainerin reiten kann. Ich durfte anfangs auch nicht oft reiten. Wenn Sie mir noch mehr Tipps geben können, würde ich mich riesig freuen.

Antwort:
Dder wichtigste Tipp ist: Lass Dir Zeit und stecke Dir keine Ziele, die nicht realisierbar sind.
Wenn es geht, reite das Pony Deiner Schwester, um Dir Sicherheit und Erfahrung zu holen, und setz Dir mit dem jüngeren Pony nicht Schleifen oder Starts in einer bestimmten Kategorie zu einer bestimmten Zeit als Ziel, sondern REITEN LERNEN, und zwar in Ruhe und mit Geduld. Lektionen oder „am Zügel gehen“ sind ja das Ergebnis von Durchlässigkeit DES PONYS, nicht von besonders viel Druck durch einen Profi. Diese Durchlässigkeit ist das Ziel, dann kommt der Rest von allein!

« Zum Verzeichnis von A-Z