Frage:

Ich habe eine frage zum Turnierreiten, und zwar ist es bei mir oft so, dass es eine weile lang super gut klappt, ich dann ein Turnier nenne und dann meistens eine Woche vor dem Turnier überhaupt nichts mehr klappt. Ich habe mir mal vorgenommen, nur aufs Turnier zu fahren wenn ich ein gutes Gefühl habe und nicht Angst habe, dass ich noch mehr frustriert werde. Denken Sie, man sollte einfach aufs Turnier fahren und schauen, ob es vielleicht doch klappt — und dann mit dem eventuellen Frust leben müssen, oder sollte man auf die sichere Seite gehen und nur fahren, wenn es einigermaßen gut klappt? Wie machen sie das, wenn auf einmal gar nichts mehr geht, obwohl ein Turnier vor der Tür steht? Sorry für die vielen Fragen aber ich bin im Moment echt verzweifelt.

Antwort: Erstens ist es sehr wichtig, dass Du mit Deinem Pferd der Aufgabe gewachsen bist. Nenne keine Prüfung, die ihr zu Hause schon nicht richtig hinbekommt.
Wenn man im Training kein gutes Gefühl hat, man aber schon genannt hat, sollte man trotzdem aufs Turnier fahren, da es immer mal Tage geben kann, an denen es nicht so läuft.
Wenn wir nennen, gehen wir auch an den Start, weil wir herausfinden möchten, wie man mit seinem Pferd am Tag des Turniers eine optimale Leistung bringen kann. Dafür braucht man Turniererfahrung und Routine, damit man, auch wenn das Abschlusstraining nicht so geklappt hat, irgendwann trotzdem eine schöne Runde zeigen kann.
Lass den Kopf nicht hängen!

Frage:

Meine Tochter hat mich auf ihre Website aufmerksam gemacht, und ich habe voller Neugier und Hochachtung über sie und von ihnen gelesen.
Meine Tochter ist 16 Jahre alt, reitet auf ordentlichem M Nivau, hat vor ca. 5 Monaten ein neues Pferd bekommen und möchte nun noch gern einige Turniere reiten. Sie ist hoch motiviert und hat einen liebenswerten und starken Charakter, was sich im Training auch oft positiv auswirkt, da sie sehr viel Lob und positive Komentare bekommt. Sie reitet jeden Tag, wobei sie 3x in der Woche Unterricht erhält, den Rest der Woche wird Abwechselung geboten, Gelände, Longe, Weide, lockeres Vorwärts-Abwärts.
Alles ist sehr zufriedenstellend, doch sind wir auf einem Turnier, habe ich das Gefühl meine Tochter kann sich nicht richtig konzentrieren und vergisst viel.
Ich las ihren Nachruf auf Frau Fengels und würde gern von ihnen wissen, ob eine Mentaltrainerin für uns in Frage käme? Ich würde gern wissen, wie eine solche Trainerin arbeitet und was sie bewirken kann.
Wir möchten unsere Tochter gern unterstützen und ihr helfen, neue Wege zugehen, die sie weiterbringen. Vielleicht sollte ich noch hinzufügen, dass unsere Tochter osteopathisch behandelt wird und dass sie 3x die Woche in ein Fitnesstudio mit Trainer geht.
Gern sind wir bereit uns weiter zu bilden. Im Vordergrund steht, die Augen für Neues und Gutes offen zu halten, daher meine Frage.

Antwort:

Vielen Dank für Ihre freundlichen Worte — und für das Vertrauen, sich mit dieser Frage an uns zu richten.
Als Eltern reitbegeisterter Kinder kennen wir natürlich das Dilemma, ihnen einerseits beste Bedingungen bieten zu wollen, sie aber andererseits auch nicht überfordern zu wollen. Und manchmal muss man sich da an den Spruch erinnern, der auch für die jungen Pferde gilt: immer langsam, GERADE wenn sie viel anbieten.
Wenn wir uns das Programm Ihrer Tochter (die ja auch noch zur Schule geht und Hausaufgaben machen muss) ansehen, so ist das schon gut gefüllt. MÖCHTE sie dreimal in der Woche ins Fitness-Studio? Natürlich ist es für Reiter und Pferd angenehmer, wenn der Zweibeiner eine gewisse Sportlichkeit mitbringt, aber Reiten lernt man nicht beim Personal Trainer (den haben wir auch, aber nicht so oft), sondern im Sattel. Wenn es ein Problem gibt, ist auch der Besuch beim Physiotherapeuthen oder Osteopathen angebracht, aber sonst? So ist es durchaus möglich, dass das Programm für Ihre Tochter einfach ein bisschen dicht gepackt ist und sie sich vielleicht tatsächlich mehr aufs Reiten konzentrieren sollte — und dabei hoffentlich auch den Spaß nicht vergisst. Natürlich kann ein Mentaltrainer ihr helfen herauszufinden, wo das Problem in den Prüfungen liegt, und ihr auch helfen, es zu lösen. Möglicherweise wird auch er dabei aber die Frage stellen, wie viel von dem Programm Ihre Tochter wirklich braucht, und wieviel davon eher gut gemeinte Überforderung ist.
Sprechen Sie mit Ihrer Tochter. Mit sechzehn kann sie selbst sagen, ob sie sich beim Fitnesstraining gut fühlt, oder ob es für sie ein Angang ist. Und sie kann auch selbst sagen, ob sie auf einen Besuch beim Mentaltrainer neugierig wäre, oder ob so etwas nur eine weitere Verpflichtung wäre.
Und dann entscheiden Sie gemeinsam!

Anschlussfrage:

Gern würde ich noch einmal auf meine Frage bez. Frau Fengels eingehen.
Anna hat sich diesen doch sehr gefüllten Wochenplan selber gemacht. Sie reitet jeden Tag, weil sie es möchte, und dasselbe gilt für das Studio und den Rest. Anna ist eine wirklich gute Schülerin, die ganz genau weiß, was sie will, guter Abschluss, Abitur in Wirtschaft und dann Studium Sportmanagament. (Ich sitze hier mit geschwellter Brust, denn wer kann schon so genau sagen, was er will, ich konnte das mit 16 noch nicht! Anna weiß es, und wir lassen sie!)
Die Osteopathie ist alle 6 bis 8 Wochen für eine Stunde, das rührt von einem Übergriff in der Schule, bei dem Anna einen Riss in der Niere und ganz starke Prellungen der unteren WS davon trug. Wir haben nach langer KG gemerkt, dass ihr die osteopathischen Behandlungen sehr gut tun, und sind dabei geblieben. Anna geht gern dort hin und entspannt sich sogar dabei. Jede Woche ist sie natürlich nicht im Studio, immer so wie es passt, und Zeit zum Entspannen, sprich für ihre Freunde und etwas Party ist am Wochenende immer! In Maßen, sie ist erst 16 :-), da bin ich doch etwas ängstlich, aber sie lernt auch diese Seite kennen.
Liebe Frau Rothenberger, ich kann Ihre Antwort verstehen, dass sie mich bitten nicht zu viel auf meine Tochter zu laden. DANKE für diese vorsichtige und wichtige Hilfestellung. Ich möchte Anna gern helfen, ihre Aufregung oder was immer es auch ist, in den Griff zu bekommen. Meine Mittel sind leider nicht ausreichend. Darf ich sie daher doch noch einmal bitten, mir aufzuzeigen, was eine Frau wie Frau Fengels macht und wie sie auf Sie und ihre Kinder eingewirkt bzw. geholfen hat.
Vielleicht können Sie meine Situation ganz gut verstehen, denn Ihre Kinder machen auf mich den Eindruck, dass sie auch genau wissen, was sie wollen, und Sie unterstützen sie nach ihren Kräften.
Haben sie vielen Dank für ihre erneute Mühe und Zeit, die sie hier zubringen, um anderen Menschen Hilfe und Unterstützung zu geben.

Antwort:
Danke für Ihre Antwort (und das Verständnis). Natürlich ist es auch genau so gut möglich, dass Ihre Tochter ein bisschen zu viel will — und sich dann einfach in den entscheidenden Momenten auf das Falsche konzentriert. In einem solchen Fall kann ein Mentaltrainer ihr möglicherweise helfen herauszufinden, wo der Haken ist.
Gela Fengels war mit ihrer großen Menschen- UND Pferdekenntnis einmalig; sie konnte uns im Training zur Seite stehen und sofort sehen, wann sich ein Kind verspannte, wann es aufhörte zu atmen — und dann nicht nur in dem Moment hilfreiche Anweisungen geben, sondern auch hinterher einfühlsam mit den Kindern besprechen, was in besagtem Moment eigentlich los war, und ihnen andere „Denkwege“ (oder auch „Fühl-Wege“) aufzeigen.
Diese gemeinsame Problemanalyse und die Hilfe dabei, das, was man tut, so zu tun, dass es glücklich macht, ist die Arbeit eines Mentaltrainers. Und manchmal ist der Knoten, der da gelöst werden muss, tatsächlich nur ganz klein.

Frage:

Ich bin die Mama von Anna, die ihnen bez. des Kotwassers und der Aufregung auf dem Turnier geschrieben hat.
Vielen Dank für ihre Vorschläge. Wir haben heute schon das Buch von Frau Tellington-Jones bestellt und warten mit Ungeduld.
Nun aber zu meiner Frage. Sie haben Anna empfohlen, mit einem Mentaltrainer zu arbeiten. Dürfte ich Sie fragen, ob Sie damit Erfahrungen haben, was diese Trainer genau bewirken und woran ich einen guten Trainer erkenne? Viele Fragen und Wünsche, aber ich als Mutter sehe mein Kind, die im Training wirklich super korrekt reitet und jeden Tag aufs Neue mit Elan und Freude an die Sache geht und total enttäuscht dann nach dem Turnier nach Hause fährt. Ich habe immer gedacht, Anna reitet zuwenig in der Prüfung, aber unser Trainer sieht das anders. Er sagt das Pferd macht beim Läuten der Glocke dicht, drückt den Rücken weg und ein gutes Reiten wäre nicht mehr möglich. Ich denke es kommen zwei zusammen, die so aufgeregt sind, dass sie das Atmen und das Laufen vergessen. Hört sich blöd an aber ich empfinde es so. Bei einem Team hat einer allein nie die Schuld. Oder?
Ich würde mich sehr über eine Antwort von ihnen freuen und möchte mich auch im Namen von Anna recht herzlich für ihre Mühe bedanken.

Antwort:
Wir sehen das genau so … wir glauben nicht daran, das in einem Team (Reiter- Pferd) nur einem der Fehler zu zuschieben ist. Die Anspannung des Reiters überträgt sich auf das Pferd. Der Reiter kann daran arbeiten, das Pferd ist dem Moment ausgeliefert!
Wir haben uns ein paar Voraussetzungen für einen Mentaltrainer vorgenommen:
A) Er oder sie sollte nicht zu weit weg wohnen.
B) Mit Reiten muss der Mentaltrainer nicht unbedingt etwas zu tun haben.
C) Das Allerwichtigste ist , dass man sich geborgen fühlt und die Chemie zwischen den beiden stimmt!
Deshalb können wir keine bestimmte Person empfehlen, aber wir können Ihnen nur raten, mit ihrer Tochter „auf die Suche“ zu gehen, wer zu ihr passt.

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