Frage:

Ich bin 15 Jahre alt und reite mit meinem Großpferd L-Dressur. Besteht in dieser Klasse die Möglichkeit, gefördert zu werden oder ähnliches? Oder ist das erst ab der „Junioren Tour“, also der M-Tour, möglich?

Antwort:

Eine tolle Sache für Nachwuchsreiter in Deiner Situation ist das Bundesnachwuchschampionat, das jedes Jahr auf der DJM ausgetragen wird. Die Teilnehmer werden von den Landesverbänden zu einem Auswahllehrgang in Warendorf geschickt, der im Juni stattfindet. (Es gibt auch ein Bundesnachwuchschampionat für Ponys.)

Die Lehrgänge werden von den Landesverbänden gemäß einer von der FN vorgegebenen Quote beschickt. Deshalb solltest Du unbedingt Kontakt zu dem für Dich zuständigen Landesverband aufnehmen und Dich erkundigen, wie Du Dich für die Lehrgänge empfehlen kannst.

Liste & Kontakt-Info der Landesverbände

P.S.:

Unsere Besucherin Sabine Dreser hat einen Beitrag zum Thema Talentsichtung und Chancengleichheit in unser Gästebuch gestellt, den wir für einen lesenswerten Denkanstoß halten:

Liebe Familie Rothenberger! Nachdem ich lange stille Mitleserin der vielen Diskussionen zur Frage “ Funktioniert der Leistungssport nur mit finanziellem Background?“ bin, kann ich nicht anders- nun muss ich mich mal äußern. Denn ich finde, es werden hier immer zwei Fragen vermischt: Frage 1: „Kaufen die Kaderreiter sich ihre Erfolge?“ Meine Antwort: Nein!! Ich besuche Ihre Website sehr gerne und gerade Sie strahlen ein Höchstmaß an Disziplin, unglaubliche Professionalität und sehr viel Freude am Reiten aus. Ohne das ginge es nicht und auch im Spitzensport und mit tollen Ponys/Pferden wären Erfolge nicht möglich, wenn man nicht über besonderes Talent und viel Leistungsbereitschaft verfügen würde.
Frage 2 ist aber: Kann jeder, der hart arbeitet, es in den Spitzensport, insbesondere in die Pony- und Juniorenbundeskader schaffen? An dieser Stelle finde ich es etwas zu einfach, wenn man pauschal behauptet, dass der Weg zwar hart ist, aber jeder die potentielle Chance hat. (So verstehe ich auch viele Ihrer Gästebuchantworten zu dem Thema). Das ist meiner Meinung nach nämlich ein etwas verklärter Blick auf die Realität, was sich auch daran zeigt, dass fast alle Kinder und Jugendliche aus den Bundeskadern aus wohlhabenden Unternehmerfamilien und/oder aus Reiterfamilien stammen. Daran ändert sich auch dann nichts, wenn es hier und da vielleicht einmal eine vereinzelte Ausnahme gibt, wo ein „armes“ Kind im richtigen Moment auf den richtigen Förderer trifft. Es bleibt dabei: Zum Spitzenreitsport gehören teure Pferde und zahlungskräftige Finanzierer des Sports oder aber Beziehungen und die einfach nicht jeder hat. (Im Übrigen kosten auch jung eingekaufte Pferde mit Spitzensportpotential, nebst erforderlichem Beritt und Training, etc. viel Geld, was sich nicht jeder leisten kann.)
Mein Fazit zu der Gesamtthematik wäre daher: Man sollte sich klar machen, dass die derzeitigen Spitzensportler Großartiges leisten und nicht immer denken, die Erfolge wären nur durch Geld gemacht.
Gleichzeitig sollten kritische , „sportpolitische“ Fragen aber erlaubt sein und nicht immer sofort als „unqualifiziertes Gemotze von ahnungslosen Neidern“ abgetan werden. (Dass jeder Kritiker immer nur als Neider abgespeist wird, finde ich schrecklich!!!!!!!) Immerhin gehört doch konstruktive Kritik, verbunden mit Lösungsansätzen dazu, um einen Sport zu verbessern. Und daher möchte ich auch gern direkt meinen persönlichen Lösungsansatz mitliefern: Meiner Meinung nach könnte mit geeigneten Förder-und Stiftungsmaßnahmen (zahlungskräftige Förderer des Reitsports gibt es ja genug) noch so viel getan werden, um JEDEM Kind die theoretische Möglichkeit zu geben, im Spitzensport mitzureiten. Man könnte zum Beispiel Sichtungswege ins Leben rufen, bei denen nur auf Talent und Potential der Kinder geschaut wird unabhängig von der Qualität der Pferde, mit denen sie an den Sichtungen teilnehmen. So, dass auch ein Kind, was auf einem Schulpferd teilnimmt und noch am Anfang seiner Ausbildung steht, die Chance hat, auf sich aufmerksam zu machen. Und am Ende einer solchen Sichtung könnte für den Gewinner eine Art „Stipendium“ stehen, mit welchem er für mehrere Jahre ein Spitzenpony bei einem Topausbilder reiten dürfte. Durch so eine Sichtung hätten (wie es beim Fussball, Schwimmen, etc schon lagen der Fall ist) ALLE Kinder eine Möglichkeit, es nach oben zu schaffen und kein Talent bliebe unentdeckt (auch, wenn wie immer im Sport nur der Beste gewinnen kann). Dem Sport würde das gut tun. Aber solange jeder Denkansatz in diese Richtung sofort abgeschmettert wird, weil der Kritiker ja nur ein Neider ist, wird das wohl nichts.Viele Grüße, Sabine Dreser

Liebe Sabine Dreser,
wenn wir jeden Anflug von Kritik als (Zitat) „unqualifiziertes Gemotze von ahnungslosen Neidern“ abtun würden, hätten wir dieses Gästebuch nicht, in das wir viel Zeit und Mühe investieren. Es ist uns wichtig, dass man hier MIT uns diskutieren kann, nicht nur anderswo ÜBER uns.
Natürlich wäre es naiv zu glauben, dass es jeder, der hart arbeitet, bis ganz nach oben schaffen kann. Doch es gibt diese Beispiele auf allen Ebenen — lesen Sie z.B. einmal Carl Hesters Lebenslauf.
Andererseits haben Sie mit Ihren Anregungen, was die Talentsichtung angeht, durchaus Recht. Zwar gibt es Initiativen wie den Schulpferdecup oder das Bundesnachwuchschampionat, aber auch diese eröffnen den Beteiligten nicht unbedingt weitere sportliche Perspektiven — und so manchem Siegerpaar vor allem des Nachwuchschampionats würde man weitere Förderung wirklich wünschen. Vielleicht wäre dies eine Idee, die man an die Liselott Schindling Stiftung herantragen sollte. Wir selbst könnten uns z.b. vorstellen, für ein solches Siegerpaar einen Wochenendlehrgang zu sponsern, um der Reiterin oder dem Reiter Feedback zu geben und vielleicht weitere Wege aufzuzeigen. Wir hoffen, dass Ihr Beitrag nicht nur bei uns auf offene Ohren stößt und aus der Idee vielleicht tatsächlich mehr wird.

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