Frage:

Ich habe eine Ponystute, die bis FEI Prüfungen auf ländlichen Turnieren erfolgreich war. Jetzt wo meine Schwester und ich aus dem Ponyalter raus sind, wollen wir mit ihr züchten, weil ein Verkauf auf keine Fall in Frage kommt. Sie hat eine super Abstammung, sehr gute Grundgangarten und kann unglaublich gut springen, was von uns nie richtig gefördert wurde. Wir haben es in der letzten Saison schon versucht, sie decken zu lassen, allerdings hat sie nicht angenommen. Bei ihr ist es so, dass man es eigentlich gar nicht richtig merkt, wenn sie rossig ist, was damals während der Turnierzeit immer sehr angenehm war. Jetzt, meinte unser Tierarzt, könnte das zum Problem werden. Wir haben uns für den Natursprung entschieden, allerdings wird sie oftmals einfach nur aggressiv gegenüber dem Hengst und wirkt völlig überfordert. Ich reite sie momentan gar nicht, damit dieser „Sportgedanke“ aus ihrem Kopf geht, denn sie will immer alles geben und hat sich auf Turnieren von Hengsten auch nie ablenken lassen. Wir haben auf unserem Hof selbst einige Junghengste, da führen wir sie öfter dran vorbei in der Hoffnung, dass sie versteht, was wir wollen.
Haben Sie vielleicht noch einen Rat, was man vielleicht auch aus medizinischer Sicht machen kann, damit sie tragend wird? Oder gibt es vielleicht irgendwelche Therapien? Gibt es Pferde, die wie Menschen einfach unfruchtbar sind und nie tragend werden?

Antwort:
Wie immer können wir hier nicht den Tierarzt ersetzen, der auf jeden Fall zuerst einmal abchecken sollte, ob die Stute gynäkologisch in Ordnung ist. Es ist z.B. möglich, dass sie Eierstockzysten hat — das kann (und sollte) der Tierarzt mit einer Ultraschalluntersuchung überprüfen. Ein weiterer Faktor, der die Fruchtbarkeit beeinträchtigt, könnte Unter- oder Übergewicht der Stute sein. Wenn aber körperlich nichts festzustellen ist, kann das Problem — genau wie bei Fruchtbarkeitsstörungen beim Menschen — auch im Kopf zu suchen sein. In diesem Fall kann man zunächst mehrere natürliche Methoden auspobieren. Eine Möglichkeit, die Stute zu „wecken“, ist es, sie mit einem oder mehreren relativ frisch gelegten Hengsten auf die Weide zu stellen (die Kastration muss mindestens drei Monate her sein, damit es kein Weideunfall wird). Dann gibt es das sogenannte „Flushing“: Man füttert die Stute vier Wochen lang mit 80% des Erhaltungsbedarfs, gaukelt ihr also die Bedingungen vor, die in der Natur im Winter herrschen. Dann erhöht man das Futter kurzfristig auf 120% des Erhaltungsbedarfs, lässt es also „Frühling“ werden. Das löst oft eine deutliche Rosse aus.
Sollten diese natürlichen Methoden nicht helfen, bleibt möglicherweise nur die hormonelle Behandlung. Dazu sollte man sich mit einem erfahrenen Tierarzt beraten, der sich mit Gynäkologie bei Pferden auskennt. Eine Möglichkeit ist es dann, die Rosse hormonell einzuleiten. Es gibt sogar Stuten, die keine äußeren Rossezeichen zeigen. In einem solchen Fall ist muss der Tierarzt die Rosse per Ultraschall feststellen, eine Bedeckung ist dann oft nur per Besamung möglich. Wir wissen, dass das ein oft leider kompliziertes, aber auch aufregendes und spannendes Kapitel ist, und wünschen Euch viel Glück!

(Vielen Dank an den Ponyzüchter Michael Brandel, der uns beim Verfassen dieser Antwort geholfen hat!)

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