Frage:

Meine fünfeinhalbjährige Fidertanz x Rubin-Royal – Stute ist bei einer Größe von 166 cm mit einer Rückenlänge von 135 cm (sie trägt also Decken in der Größe 135 cm) sehr quadratisch und kurz im Rücken. Sie ist allerdings sehr harmonisch gebaut, die Proportionen Hals – Rücken stimmen, auch ist sie nicht überbaut. Beim Reiten ist sie sehr leichtrittig und gelehrig, allerdings fällt es ihr sehr schwer, über den Rücken zu schwingen. Das äußert sich vor allen Dingen beim Aussitzen und Tritte verlängern im Trab. Sie ist schon mehrfach chiropraktisch behandelt worden, wobei immer wieder Blockaden am ISG waren. Kürzlich habe ich ihren Rücken deshalb auch tierärztlich checken lassen, es gab aber auf den Röntgenbildern keine Auffälligkeiten, aus Sicht der Tierärztin ist also alles soweit ok. Sie hat einen Maßsattel und ist auch regelmäßig beim Zahnarzt.
Ich gehe einmal die Woche mit ihr in die Springstunde, das macht ihr auch sehr viel Spaß. Ins Gelände und auf die Weide kommt sie auch regelmäßig. Beim Longieren arbeite ich sie viel vorwärts-abwärts über Stangen, aber so richtig durchschlagende Erfolge hatte das noch nicht. Bei Übergängen sowohl innerhalb als auch zwischen den Gangarten macht sich sich tendenziell mehr fest, als dass sie sich löst. Auch beim Lösen vor und nach der Arbeitsphase lässt sie den Hals zwar fallen, aber bleibt mit der Nase immer hinter der Senkrechten, zieht also nicht richtig schön ans Gebiss heran.
Was hätten Sie für Tipps die Rückentätigkeit anzuregen? Kann es eventuell auch sein, dass sie wachstumsbedingt Schwierigkeiten hat, oder sind Pferde mit kurzen Rücken grundsätzlich bezüglich des Schwungs etwas komplizierter?

Antwort:
Hör auf Dein Pferd und lass alles (noch so gut Gemeinte) weg, was nicht funktioniert (also auch die Stangenarbeit, wenn sich das Pferd dabei unwohl fühlt etc.). Das Pferd braucht mit seinem kurzen Rücken einfach viel VIEL Zeit, und wenn es sich in der Springstunde am wohlsten fühlt … sollte man den Wink mit dem Zaunpfahl verstehen und zum Kraft-Aufbauen viel mit schön rundem Rücken galoppieren, galoppieren, galoppieren. Kurze Trab-Reprisen langsam (also über Wochen, nicht innerhalb einer Stunde) verlängern, so wie das Pferd sie sitzen lässt, und immer wieder auch einfach „ohne Hintergedanken“ im Gelände geradeaus galoppieren (also kontrolliert und mit aufgewölbtem Rücken, nicht rennen lassen, aber eben ohne dass alle paar Meter eine Ecke kommt).
Das Iliosakralgelenk ist ein super empfindlicher Dreh- und Angelpunkt, an dem sich Symptome oft nur sammeln, aber nicht ihre Ursache haben. Ein Chiropraktiker ist hier möglicherweise nicht der optimale Ansatz. Wenn, dann lieber einen Physiotherapeuten, dem man das Pferd unbedingt vorreiten und den man auch auf den Sattel schauen lassen sollte. Maßsattel oder nicht, wenn das Pferd im Wachstum ist, reichen bei einem so kurzen Rücken manchmal zwei Zentimeter Veränderung, und schon liegt der Sattel auf der Niere. Auch da wäre es dann am besten, wenn der Physiotherapeut gemeinsam mit dem Sattler draufschaut — das kostet zwar in dem Moment 50 Euro mehr, verhindert aber das Dauer-Abo beim Tierarzt.
Aber das Wichtigste steht im ersten Satz — hör auf Dein Pferd. Wenn es nicht loslässt und nicht ans Gebiss zieht, sich also spürbar unwohl fühlt, dann suche andere Lösungen. Der Weg zum Ziel ist nicht unbedingt 20*60 Meter lang!

Frage: 
Vielleicht wissen Sie ja Rat, aber ich war heute beim Orthopäden und der hat mir mitgeteilt, dass ich einen Bandscheibenvorfall habe. Ich bin leider erst 16 Jahre alt und reite Dressur (auch Turniere). Nun hat er gemeint, dass ich schon weiterreiten könne, aber bevorzugt im leichten Sitz und dass ich mir ein Pferd mit wenig Bewegung suchen soll. Allerdings liebe ich das Dressurreiten, möchte gar nichts anderes machen. Was würden Sie da an meiner Stelle tun?
Meine Trainerin meint, dass ich mir ein Pferd suchen soll, das schon gute Bewegungen hat, aber bequem zu sitzen ist, und mir auch einen bequemen Sattel kaufen soll. Kennen Sie solche Sättel?

Antwort:
Wir sind keine Ärzte und können hier keine medizinischen Ratschläge erteilen, sondern Dir höchstens Mut machen. Mit diesem Problem bist Du ja nicht allein, und eigentlich ist Reiten ja gut für den Rücken. Hast Du denn schon ein Pferd? Eins, das Du gut kennst und dem Du vertraust? Dann solltest Du Dich gerade in dieser Situation nicht davon trennen. Wichtig ist, dass Du den Bandscheibenvorfall erst einmal in Ruhe auskurierst (und während dieser Zeit natürlich aufs Reiten verzichtest; vielleicht kannst Du das Pferd ja trotzdem selbst longieren, wenn es auch dabei brav ist. Sei wenn möglich zumindest dabei, wenn jemand anders mit dem Pferd arbeitet). Zusätzlich zum Orthopäden solltest Du Dir auch einen Physiotherapeuten suchen. Wenn Du dann wieder anfängst zu reiten, musst Du das auf jeden Fall ganz langsam tun und Deinen Rücken in der Tat mit viel Leichttraben wieder antrainieren. Aber es gibt viele aktive Dressurreiter, die Bandscheibenvorfälle hinter sich haben; das ist mit der richtigen therapeutischen Begleitung (und Geduld!) kein Problem.
Eine Anmerkung möchten wir aber mit allem Nachdruck machen: Wenn ein Pferd gute Bewegungen hat, aber nicht bequem zu sitzen ist, drückt das Pferd den Rücken weg. Das ist ein Ausbildungsdefizit, an dem man unbedingt arbeiten muss, und zwar genau so geduldig wie an Deinem eigenen Problem, mit viel „Gymnastik“, also reeller Dehnungshaltung und (mal wieder) tausend Übergängen, vielleicht auch Doppellonge. Da hilft kein Sattel der Welt, das Sitzen muss über die Arbeit kommen; vielleicht ist Dein Rückenproblem ja sogar eine Folge des Rückenproblems Deines Pferdes — und vielleicht könnt Ihr gemeinsam zum gesunden Traben finden.
Lass den Kopf nicht hängen — vielleicht nutzt Du die Pause zum Lesen. Wir empfehlen z.B. „Rücksicht auf den Reiterrücken“ von Susanne von Dietze und „Die Skala der Ausbildung“ von Britta Schöffmann.
Alles Gute!

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