Frage:

Wir haben einen vierjährigen Wallach mit außergewöhnlichen Gängen gekauft, unser Ausbilder reitet ihn mit Schlaufzügeln, mit der Begründung, dass er immer den Kopf hochreißt und er auf dem Stand eines Dreijährigen sei. Gibt es da nicht eine andere Lösung?

Antwort:
Gegen Schlaufzügel ist nichts einzuwenden, wenn man sie ausnahmsweise benutzt, um ein weiter ausgebildetes Pferd, das sich schon selber tragen und versammeln kann, aber vielleicht manchmal „ausreißt“, einfach nur ein bisschen locker zu reiten. Auch dann sollten sie locker durchhängen und das Pferd nur nach oben begrenzen, niemals nach unten ziehen.
Bei einem jungen Pferd haben sie NICHTS zu suchen. Wenn Dein Pferd auf dem Stand eines Dreijährigen ist, müsste Ihr es auch so behandeln, das heißt viel geradeaus reiten und große Wendungen und vor allem darauf bedacht sein, dass es erst einmal selbst die Balance unter dem Reiter findet und SELBST die Hand sucht. Das fällt Pferden mit „viel Gang“ oft besonders schwer, gerade die „Kracher“ brauchen am Anfang oft besonders viel Geduld. Wenn Euer Ausbilder das nicht kann oder möchte, solltet Ihr Euch im Interesse des Pferdes und der Reitfreude, die Ihr ja später an ihm haben wollt, einen anderen Ausbilder suchen, der sich und dem Pferd die nötige Zeit lässt. Probleme bei jungen Pferden kann man nicht mit der Brechstange korrigieren, und in so einem Fall sind Schlaufzügel die Brechstange.

Frage:

Ich habe ein Problem mit meiner elfjährigen Stute. Sie ist eigentlich zum Springen zu mir gekommen, jedoch finde ich, dass auch die Springpferde unbedingt losgelassen und in Dehnungshaltung laufen sollten. Sie ist, bevor sie zu mir kam, 7 Jahre lang ausschließlich mit Schlaufzügeln „runtergezogen“ worden, was zur Folge hatte, dass sie nie wirklich Grade gerichtet wurde und auch nicht über den Rücken lief. Ich habe mir als Ziel gesetzt, sie ohne Schlaufzügel zu reiten, so dass sie über den Rücken läuft und sich selbst trägt. Natürlich weiß ich, dass das nicht von heute auf morgen geht, wobei ich sagen muss, dass es sich schon sehr verbessert hat. Sind Sie auch der Meinung, dass ich sie so reiten soll, oder sind Sie der Meinung, dass ich die Reitweise vom Vorbesitzer beibehalten soll, damit sie sich nicht „umstellen“ muss?
Ich gehe vorm dem Training meistens mit ihr in den Wald und lasse sie dort erst 10 min Schritt gehen und trabe und galoppiere dann auch schon, bevor es wieder auf den Platz geht. Sie ist dann meistens sehr locker und im Trab klappt das Ganze inzwischen schon sehr gut, nur im Galopp ist sie immer noch sehr schief und hebt sich raus. Die ersten paar Galoppsprünge nach dem Angaloppieren dehnt sie sich auch schon, aber dann entzieht sie sich wieder. Haben Sie ein paar Tipps, wie ich das verbessern kann? Ich reite viele Übergänge und galoppiere nur ein paar Galoppsprünge am Stück, zwischendurch mache ich immer wieder Schrittpausen. Sie hat zweimal die Woche Pause (nur Wiese oder Longe am Halfter), wird einmal die Woche gesprungen und einmal die Woche gehe ich ins Gelände ohne sie dressurmäßig zu fordern. Ich hoffe, Sie können mir weiterhelfen!

Antwort:
Wir würden es genau so machen — vielleicht ein Martingal benutzen, um das Pferd nach oben zu begrenzen. Allerdings ist es möglich, dass durch das lange Schlaufzügel-Reiten die Genickbänder des Pferdes in Mitleidenschaft gezogen wurden. Das Herausheben kann also einerseits einfach ein Zeichen dafür sein, dass das Pferd noch nicht ganz in der Balance ist, das braucht auf jeden Fall seine Zeit — andererseits kann es aber auch eine Schmerzreaktion (oder die Angst vor dem lange gewohnten Schmerz) sein. Bei einem Pferd, das so lange so geritten wurde, sollte auf jeden Fall mal ergänzend zur geduldigen Reitweise ein Physiotherapeut draufschauen. Eventuell wird das Pferd auch den ST-Zaum mögen, der den Druck aus dem Genick nimmt.

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