Frage:

Mich würde interessieren, wie die Dressurarbeit bei Sönkes Springpferden aussieht, also worauf es dabei im Gegensatz zum Dressurreiten ankommt?

Antwort:
Die Dressurarbeit unserer Dressur- und unserer Springpferde ähnelt sich sehr. Man könnte sagen, in den ersten fünf Punkten der Ausbildungsskala — Takt, Losgelassenheit, Anlehnung, Schwung und Geraderichtung — ist es dasselbe, und es geht darum, die Pferde durchlässig zu bekommen und beim Reiter die Zusammenarbeit von Hand und Bein zu perfektionieren. Die „Krönung“ der Dressurarbeit sind jedoch die Versammlung und die Aufrichtung des Pferdes. Im Springen geht es um die volle Kraftentfaltung über dem Sprung, und da hat ein Springpferd natürlich eine völlig andere Silhouette als z.B. ein Dressurpferd in der Piaffe. Aber der Weg zu diesen beiden Zielen — und zum gemeinsamen Ziel der Harmonie und Durchlässigkeit — ist über weite Strecken derselbe.

Frage:
Ich reite seit zwei Jahren ein 18jähriges Springpferd, mit dem ich bis M sehr erfolgreich bin, das aber die Angewohnheit hat, im Parcours „loszurennen“. Ich habe mit dem Pferd dressurmäig alle Grundlektionen erarbeitet (Seitengänge, Außengalopp usw.) Das „Rennen“ im Parcours hat sich dadurch etwas verbessert. Solange wir keine Stange unten liegen haben und nicht die engsten Wendungen nehmen, sind wir trotzdem selten weiter hinten als Platz 3. Nun: Ich habe mein Pferd bei der Dressurarbeit MIT Ausbindern total am Bein und er macht alle Lektionen mit. Ich habe angefangen mit Dreieckszügel zu reiten, auch beim Abreiten auf dem Turnier, da haben mich viele ausgelacht, aber es war mir egal. Ich weiß, was ich mit dem Pferd geschafft habe, was viele andere vor mir nicht hinbekommen haben, und wenn er nun mal total undurchlässig und maulig ist, warum soll ich dann keine Dreieckszügel rein machen, wenn es sowohl ihm als auch mir dadurch leichter fällt?! Mittlerweile konnte ich seit ca. 2 Monaten auf Köhlerzügel umsteigen, er hat dafür jetzt die nötige Muskulatur und bleibt trotzdem bei mir. Wenn ich es ganz ohne versuche, geht es im Leichttraben, er hat eine sehr schöne Haltung, aber sobald es an den Galopp oder Seitengänge geht, macht er nur den Kopf hoch und fällt wieder zurück in seine „Mauligkeit“. Mein Reitlehrer sagt, dass ich einfach so weiter machen muss und er denkt, dass er durch die Köhlerzügel wieder neue Muskeln bekommt (er schwitzt damit auch mehr am Hals als mit den Dreieckszügeln), die noch mehr in Richtung Anlehnung gehen, er jedoch nicht denkt, dieses Pferd jemals 100 % durchlässig zu bekommen. Ich würde sehr gerne S reiten, die wenigen Versuche sind aber bis jetzt immer an dieser fehlenden Durchlässigkeit gescheitert. Wenn er in einem M Springen deswegen 2 Meter zu weit weg vom Sprung ist hat er mehr als genug Vermögen, das auszugleichen, aber in unseren wenigen S ist es deswegen zu sehr, sehr harten Fehlern gekommen (er hält NIE an) und das wollte ich ihm nicht noch einmal antun. Habt ihr einen Tipp, ob ich noch irgendwas machen kann, um mehr Durchlässigkeit zu erreichen? Er hat sich wirklich mega verbessert, läuft super toll, aber ich habe das Gefühl, er bleibt irgendwie schon lange bei 90% stehen…

Antwort:
Es ist völlig unmöglich, ein Pferd mit Ausbindern am Bein zu haben. Ein Pferd am Bein zu haben, bedeutet, dass es sich in jeder Kopf/Hals-Haltung balanciert bewegen kann und die Hilfen des Reiters annimmt. Da der Ausbinder das Pferd begrenzt (und Seitengänge in Stellung und Biegung damit gar nicht möglich sind), kann er höchstens ein Werkzeug sein, um ein Pferd ein bisschen über den Rücken zu lockern, aber nicht für wirkliche Dressurarbeit. Die Muskulatur, die ein Pferd durch den Tiedemann (Köhlerzügel) bekommt, ist höchstens Unterhalsmuskulatur (dafür spricht auch das starke Schwitzen am Hals, das ja unerwünscht ist!), und die ist kontraproduktiv und macht das Pferd vorn nur noch stärker. Die Frage ist, mit was für einem Sattel die Dressurarbeit gemacht wird. Falls es ein Springsattel ist, ist dressurmäßige Einwirkung über den Sitz damit schwierig. Es sollten zumindest die Bügel vier bis fünf Löcher länger gemacht werden, besser wäre aber ein Dressursattel oder ein Vielseitigkeitssattel Schwerpunkt Dressur. Dann bei der Arbeit nicht so sehr an Lektionen denken, sondern wirklich im ganz Kleinen an das Miteinander mit dem Pferd. Also: Hilfszügel weglassen, ruhig Leichttraben und das Aussitzen vergessen, es steht nirgendwo geschrieben, dass man das muss. Viele Übergänge reiten (also nicht alle fünf Runden einen, sondern alle zwanzig Meter), möglichst über den Sitz und mit wenig Hand, und dabei immer schon im Kopf in der neuen Gangart sein (Übergang vom Trab zum Schritt ist nicht das Ende des Trabs, sondern der Beginn des Schritts). Wenn die Übergänge zwischen den Gangarten klappen, es mit Übergängen innerhalb der Gangarten versuchen, das Pferd also bewusst (am einfachsten zuerst in den Ecken) zurücknehmen und wieder herauslassen — und nicht unterschätzen, wie schwer das sowohl muskulär als auch im Kopf für ein Pferd ist, das dieses Arbeiten nicht gewohnt ist. Wenn das dressurmäßig klappt, ein paar Cavalettis dazu nehmen (und darauf gefasst sein, dass man wieder von vorn anfängt, weil das Pferd angesichts der „Sprünge“ alles vergisst) und dann auch mal einen Sprung. Auch mit einem Pferd, das schon so lange unterm Sattel ist, ist diese Basisarbeit ein Geduldsspiel und ein langer Weg, also nicht zu viel auf einmal erwarten und nicht die Geduld verlieren! Lektüre: „Jedes Pferd ist anders“ von Britta Schöffmann und Ingrid Klimkes Cavaletti-Buch.

Frage:
Ich habe einige Fragen an Sönke: Wie gestaltest du das Training Deiner Springpferde (wieviele Trainingseinheiten/Tag, wie oft Dressur, wie oft Springgymnastik, oder Kraft- und Ausdauertraining (Galopptraining)). Wie sehr hat Dir Deine super Dressurausbildung im Springlager geholfen? Vermisst du manchmal die raumgreifenden Bewegungen der Dressurpferde? Und zum Abschluss: Da du ja nun schon zwei Disziplinen so erfolgreich beherrscht, wäre auch die Vielseitigkeit eine Option für dich (a la Ingrid Klimke)?

Antwort:
Sönke unterscheidet/bestimmt sein Training nicht nach Kraft-, Ausdauer- oder Dressurtraining. Sein Training fängt IMMER mit der Dressurarbeit an, dieses geschieht aber nicht immer auf dem Springplatz, sondern wird abwechselnd gestaltet und individuell auf jedes Pferd abgestimmt. Mit Kid (20 Jahre, aber topfit!) macht er während der Dressurarbeit viel Galopptraining, um hauptsächlich seine Kondition zu fördern.
In der Dressurarbeit mit Liza und Vandaan werden auch mal Cavalettis gesprungen, oder er galoppiert mit ihnen über Stangen, die am Boden liegen; damit schult Sönke auch sein Auge und sein Gespür fürs Tempo, ohne dass die Pferde sich anstrengen müssen. Das eigentliche Springtraining wird mit Yves und unserem Landestrainer Karl-Josef Münz abgestimmt.
Unsere Pferde werden alle nur einmal am Tag gearbeitet und gehen aufs Paddock oder auf die Weide.
Die Vielseitigkeit ist genau wie der reine Dressur- order Springsport eine Philosophie für sich und viel, viel mehr als nur die Summe aus Springen und Dressur. Im Moment ist Sönke im Parcours ganz glücklich 🙂

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