Frage:

Ich habe vor kurzem ein Pony (5 Jahre) gekauft, das später von meiner Nichte geritten werden soll. Von den Anlagen her ist es, glaube ich, ganz nett mit drei gleichmäßig guten GGA. Nun wurde es bisher von einem noch sehr jungen Mädchen (Vorbesitzerin) geritten, die leider nicht in der Lage war, es korrekt an die Hand heran zu reiten. Es wurde immer „überm“ Takt geritten, wodurch es natürlich nicht reell über den Rücken zum Schwingen kommen konnte. Nun reagiert es auf die treibenden Hilfen immer nur mit einem Nähmaschinentrab/galopp. Ich hatte nun die Idee, es erst einmal zu longieren, damit es dabei sein eigenes Tempo erst einmal ohne Reiter wieder finden kann und lernt, sich loszulassen. Das klappt auch ganz gut! Nun will ich aber auch bald wieder anfangen zu reiten und würde mich sehr über ein paar Tipps freuen, wie ich das auch unterm Reiter hinbekommen kann und wie meine Nichte das natürlich dann auch nachreiten kann.

Antwort:
Die Idee, das Pony zu longieren ist gar nicht so verkehrt (aufpassen: nicht zu kurz ausbinden oder vielleicht die Doppellonge benutzen; um an den Zügel heranzutreten, muss es sich ja erstmal dehnen können), nur würden wir es im Anschluss daran auch reiten. Junge Pferde sind sehr oft von sich aus übereifrig, und die Bewegungen werden zu schnell, weil sie einfach noch nicht ausbalanciert sind. Da kann einerseits Stangenarbeit helfen, d.h. man legt ein paar Stangen hin und trabt ganz lässig darüber, damit das Pony seine Tritte langsam zu Ende macht. Andererseits das berühmte Zaubermittel: Übergänge, Übergänge, Übergänge, die man schön nach vorn hin anlegt (mit dem Hintergedanken, dass der Übergang nicht das Ende der alten Gangart ist, sondern der Beginn der neuen). Das begreifen die Pferde meistens schnell, so dass man in aller Ruhe dem Ziel näher kommt, jeden Tritt oder Sprung „zu reiten“.
Schöne, aus dem Sitz und mit möglichst wenig Hand gerittene Übergänge zwischen den Gangarten und später auch innerhalb der Gangarten sind auch eine gute Übung für Ihre Nichte – eigentlich das Rüstzeug für alles andere.

Frage:
Ich besitze seit knapp 2 Jahren eine jetzt 6-jährige Stute. Sie ist mit ihren 1,80m Stockmaß ein hochbeiniges athletisches Dressurmodell. Von Anfang an begleiten uns Taktstörungen im Trab. Mal stärker, dann wieder schwächer. Sie wurde mehrmals tierärztlich durchgecheckt (o.B.), es wurde ein für sie neuer und passender Sattel erworben, mein Hufschmied hat sich intensiv mit Kollegen ausgetauscht und sie läuft nun beschlagstechnisch sehr gut, der Zahnarzt ist alle 6 Monate im Stall und kontrolliert die Zähne. Seit letzten Sommer/Herbst habe ich einen Therapeuten am Pferd, der ihr auch sehr geholfen hat ins Gleichgewicht zu kommen. Der Sattel wird alle 3 Monate kontrolliert, da sie sich einfach noch viel verändert.
Die Stute ist ein Rechtshänder, linke Seite ist stärker bemuskelt als die rechte. Die rechte Seite ist auch voller geworden, das Defizit ist nach wie vor noch vorhanden. Sie ist eine typische Spätentwicklerin und ich würde sie jetzt eher wie eine 5-jährige einschätzen. Durch viel Arbeit unter Berücksichtigung Ihrer Schiefe (linke Seite ist die hohle Seite, rechts die Zwangseite) ist im Training der Trab schon deutlich besser geworden. Ich reite abwechselnd mal mit einer Gerte (dann Einsatz an der rechten Schulter um das rechte Hinterbein stärker zu aktivieren) oder mit Zweien. Schenkelweichen und Schulter Vor sind auf beiden Seiten gut umsetzbar. Fazit: Im Training (auch auswärts bei Unterricht) hat sie sich schon gut weiterentwickelt. Nun mein großes Problem: Auf dem Turnier ist es nun schon häufiger vorgekommen, dass sie sich im Viereck (auf dem Abreiteplatz bekomme ich sie locker und losgelassen) vor lauter gucken (sonst ist sie brav!) so ablenken läßt das ich sie nicht mehr am Bein habe. Die 2-3 Minuten um sie ans Viereck zu gewöhnen habe ich gewöhnlich nicht und muß gleich starten. Dann sind unsere Trabtouren z.T. so mit Taktfehlern gespickt, das es heißt „das Pferd geht lahm“. Ich versuche, mich zu beruhigen und die volle Konzentration auf die Heimarbeit zu legen, Längsbiegung verbessern, um so ihre Schiefe immer besser geradezurichten.
Haben Sie aus Ihrer Erfahrung noch einen Tipp, was ich umsetzen kann? Reiterlich, ausrüstungstechnisch oder tierarzttechnisch? Ich nehme regelmäßig Reitunterricht und bin hier unter „Betreuung“.

Antwort:
Das hört sich ja so an, als hätten Sie sich schon viele Gedanken gemacht und als würden Sie auch große Rücksicht auf Ihr Pferd nehmen — aber auch so, als würden Sie sich vielleicht ein bisschen zu sehr auf das eine Problem konzentrieren? Die andere Hälfte des Satzes „richte Dein Pferd gerade“ lautet „reite es vorwärts“, und das würden wir hier empfehlen. Gehen Sie ins Gelände und lassen Sie es galopieren, drehen Sie frische Galopprunden im leichten Sitz außen um den Springplatz herum, und reiten Sie ruhig auch mal über ein Cavaletti oder ein kleines Kreuz (oder lassen sie das jemanden tun, der vor all dem keine Angst hat, wenn Sie sich selbst nicht so recht trauen — manchmal bringt es mehr, einen Profi für ein bisschen Springgymnastik oder einen Geländeritt zu bezahlen als für die Dressurarbeit, die man eigentlich selber kann). Und galoppieren Sie auch beim Abreiten auf dem Turnier ruhig mal im leichten Sitz ein bisschen vorwärts, statt nur ans Versammeln, Geraderichten und an den Takt zu denken. Gerade so große Pferde brauchen — wie Sie selbst schon richtig sagen — Zeit, ihre langen Beine sortiert zu bekommen, und dabei hilft es ihnen, wenn sie sich vielseitig bewegen können, auf langen Galoppstrecken unterm Reiter, aber natürlich auch frei auf der Weide.
Bleiben Sie geduldig, verlangen Sie nicht zu viel, denken Sie erst ans turniermäßige Traben, wenn sich das Pferd in Dehnungshaltung taktrein tragen kann — und lassen Sie sich den Spaß an Ihrer tollen Stute nicht verderben!

Frage:
Ich habe seit letztem Jahr ganz tollen Wallach in Beritt: er ist jetzt 4-jährig und stammt von Rock Forever ab. 3-jährig habe ich ihn nur angeritten und ihn einmal auf einem Turnier vorgestellt, da war er auch sofort platziert (Reitpferde-Prfg.) mit tollen Noten. Danach hat er bis zum Winter Pause bekommen, um zu wachsen, man konnte ahnen, dass er ziemlich groß wird und er hat auch ordentlich ausgelegt in der Pause.
Als ich dann im Winter langsam wieder angefangen habe, hatte er zum einen große konditionelle Probleme, die wir aber mit vielen schrittpausen und kleinen Arbeitsphasen in den Griff bekommen haben.
Viel mehr beunruhigte mich aber, dass er im Trab auf einmal schlimme Taktprobleme hatte. Als 3-jähriger trabte er locker und frisch nach vorne, man konnte ohne Probleme mal kurz die Tritte verlängern. Daran ist seit seiner Pause nicht mehr zu denken. Er trabt, vom Gefühl her, in der Vorhand sehr gebunden, etwas auf die Hand gestützt und ihm fehlt es an Schwung. Ich dachte zunächst, dass es an fehlender Kraft und Kondition liegt, da er sich manchmal gerne etwas bitten lässt. Wenn man ihn anschubst, geht es für kurze Zeit besser.
Neulich waren wir zum Turnier, um ihm einfach mal wieder etwas zu zeigen und der Besitzer war aufgrund der Trabnote sehr enttäuscht (6,5). Alle anderen Noten waren im 8er Bereich, sodass wir noch platziert waren, aber der Trab macht schon Sorgen…
Ich habe es auf verschiedene Art und Weisen probiert. Im Gelände und an der Longe geht es besser, wahrscheinlich darf ich gar nicht so viel im Viereck reiten, erst einmal?

Antwort:
Es klingt ja so, als wären Sie schon geduldig, aber vielleicht brauchen Sie (und mit Ihnen der Besitzer des Pferdes) NOCH mehr Geduld mit einem so jungen, so stark wachsenden Pferd. Da die Perspektive ja hoffentlich nicht ist, möglichst viele Dressurpferde-A-Schleifen mit ihm zu sammeln, sondern ihn möglichst weit zu fördern und möglichst lange etwas von ihm zu haben, würden wir uns die Turnierstarts (und die damit verbundenen Anforderungen) erst einmal aus dem Kopf schlagen. Passt der Sattel? Ist das Pferd mit dem Gebiss zufrieden? Hat eventuell einmal ein Physiotherapeut die Schulter und den Bereich hinter dem Sattel kontrolliert? Wenn die Ausrüstung und die Gesundheit in Ordnung sind … viel mit dem Pferd ins Gelände, viel geradeaus galoppieren, um die Kondition und Balance zu verbessern. Gern auch einmal Cavalettis oder kleine Kreuze springen, nur zum Gymnastizieren und zur Abwechslung (lassen Sie sich von einem Springreiter helfen, wenn Sie selbst da unsicher sind). Dressurarbeit lieber nur zwei-, dreimal in der Woche, und dann mit tausenden von Übergängen, erst zwischen den Gangarten und später, wenn es (hoffentlich!) besser wird, auch innerhalb der Gangarten. Gar nicht so sehr auf den Trab konzentrieren, sondern auf die allgemeine Durchlässigkeit und Zufriedenheit. Und Weidegang für die Balance von Kopf UND Körper.
Natürlich setzt man sich Ziele, wenn man so ein tolles Pferd hat. Aber genau so oft kommt man auf „Umwegen“ schneller dort hin.

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