Frage: 

Meine Reitbeteiligung geht eigentlich recht gut, aber sein einziges Manko sind die Trabverstärkungen bzw. Tritte verlängern. Er hebt einfach die Vorderbeine nicht so, hat jedoch ein aktives Hinterbein. Wie können wir ihm das beibringen, dass er die Vorderbeine mehr hebt?

Antwort:
Dazu vorweg zwei Anmerkungen: Erstens sind vielen Pferden da anatomische Grenzen gesetzt — nicht jeder hat die Schulterfreiheit eines Totilas. Zweitens ist es wichtig, sich zu vergewissern, dass die Ausrüstung sitzt, dass also vor allem der Sattel nicht auf der Schulter des Pferdes liegt oder am Widerrist zu eng ist.
In den „Richtlinien“ der FN heißt es: „Der Mitteltrab ist der Prüfstein der geleisteten Ausbildungsarbeit.“ Das heißt aber nicht, dass der gewinnt, der am besten die Laternen austritt, sondern dass es gilt, die Möglichkeiten des Pferdes im Auge zu behalten und es gerade hier nicht aus dem Takt zu bringen. Die Verstärkungen selbst sollte man lieber vorsichtig „herauslassen“ und sehen, wieviel Schub das Pferd tatsächlich entwickeln kann und ob sich die Tragkraft mit kontinuierlichem Training noch verbessern lässt. So paradox es klingt: Den Mitteltrab verbessert man eher, indem man das Pferd in den Ecken korrekt versammelt, es also ordentlich zum Tragen bekommt, als indem man eine Verstärkung nach der anderen übt (viele Top-Reiter reiten zu Hause höchstens ganz kurz vor dem Turnier mal eine Verstärkung — die Veterinärmedizin geht davon aus, dass eine Diagonale im starken Trab die Gelenke und Bänder des Pferdes so belastet wie ein L-Parcours). Je mehr Kraft es bekommt, desto besser kann es die Schwebephase halten. Aber gerade für den Anfang gilt: Weniger ist oft mehr.
Und nicht vergessen: Sobald die Prüfungen mit getrenntem Richten kommen, ist die Trabverstärkung nur noch eine Lektion von vielen. Dann kann man mit technisch korrektem Reiten vieles wettmachen, was das Pferd vielleicht nicht an letztem Gangvermögen mitbringt.

Frage:
Mich würde es mal interessieren, wie sie ihren Pferden den Mitteltrab beibringen?

Antwort:
Dafür gibt es kein Patentrezept. Es gibt Pferde, die gerne zu schnell werden und bei denen es sinnvoll ist, den Mitteltrab aus der Versammlung zu entwickeln und mit kürzeren Strecken zu beginnen.
Manche Pferde gehen einen schöneren Mitteltrab, wenn man zureitet, weil sie von sich aus schön geschlossen bleiben.
Und es gibt Pferde, die in jungen Jahren überhaupt keinen Mitteltrab haben, aber durch die Arbeit an Kraft gewinnen und später trotzdem einen guten Mitteltrab bekommen. Darum heißt es auch, den Trab kann man am ehesten verbessern oder „reinreiten“.

Frage: 
Mitteltrab und Starker Trab — was ist eigentlich der Unterschied?

Antwort:
Aus den „Besonderen Bestimmungen der Internationalen Reiterlichen Vereinigung (F.E.I.)“, Artikel 404:
>>Der Mitteltrab ist eine Gangart zwischen dem Arbeitstrab und dem starken Trab, er ist aber „runder“ als der starke Trab. Das Pferd trabt frisch vorwärts, es verlängert seine Tritte leicht, mit sichtbarem Schwung aus der Hinterhand. Der Reiter gestattet seinem Pferd, das „an den Hilfen“ bleibt, seinen Kopf etwas mehr vor der Senkrechten zu tragen als im versammelten Trab und im Arbeitstrab; er gestattet ihm gleichzeitig, Kopf und Hals leicht zu senken. Die Tritte sollten so gleichmäßig wie möglich und der Bewegungsablauf ausbalanciert und losgelassen sein.

Der internationale Dressurrichter Dr. Dietrich Plewa schreibt dazu:

Kriterien in der Aufgabe: Regelmäßigkeit, Elastizität, Balance, Aktivität der Hinterhand, Überfußen, Rahmenerweiterung — was muss der Reiter im starken Trab zeigen?

— Raumgriff
Das deutliche Überfußen der Hinterhufe über die Spuren der Vorderhufe spielt in der Praxis oftmals nur beim starken Schritt eine Rolle, wo es sehr leicht zu beobachten ist. Dabei wird vergessen, dass dasselbe für den starken Trab gilt und maßgeblicher Gesichtspunkt für die Bewertung des Raumgriffs ist, ebenso wie das freie Vorschwingen der Vorderbeine aus der Schulter. Dieses weite Überfußen ist eine Folge des Schubes, den das Pferd aus den aktiv abfußenden, nach vorne unter den Körper schwingenden Hinterbeinen entwickelt.
Dabei ist die Korrespondenz zwischen Vorder- und Hinterbeinaktion zu beachten. Die zu diskutieren heißt: ein heißes Eisen behandeln! Schließlich finden sich auch in der Fachpresse sehr häufig Bilder, die als Grundlage zu massiver Kritik an der Vergabe hoher Noten gezeigt werden. Es wird dann mit eingezeichneten Hilfslinien noch dokumentiert, dass das Vorderbein einen ganz anderen Winkel zum Boden bildet als die Röhre des Hinterbeines. Tatsächlich sollten hinteres und vorderes Röhrbein bei optimaler Streckung des Vorderbeines eine Parallele bilden. Allerdings warne ich vor zu theoretischen Anforderungen; Es hängt oftmals von der Vorderbeinmechanik ab, ob das beschriebene Optimum erreicht werden kann. Wesentlicher erscheint mir, dass Schwungentfaltung und Ausdruck des starken Trabs aus aktivem, energisch abfußendem, Schub demonstrierendem Hinterbein entwickelt werden.
Der Spruch „Das Pferd tritt nicht dorthin, wohin es zeigt“ erscheint laienhaft und eignet sich als Bewertungsmaßstab ohnehin nicht. Das Auftreten erfolgt erst nach der Schwebephase.
Die Richter wären völlig überfordert, sich bei jedem einzelnen Trabtritt zu merken, wohin das Vorderbein zeigte, bevor der Pferd in die Schwebephase kommt, um an deren Ende mit dem vorschwingenden Vorderbein aufzufußen. Dennoch hat der Spruch einen Kern an Wahrheit: Negativ zu bewerten ist ein „Strampeln“ in der Weise, dass das Vorderbein schon während der Streckungsphase nur vorwärts-aufwärts gebracht und wieder zurückgeführt wird. Das ist ein Schautrab, der nicht mit Raumgewinn zu tun hat! Es handelt sich um einen unkorrekten Bewegungsablauf, der in aller Regel aus Spannung resultiert. Der Trab erscheint dann nicht als Resultat der Ausbildung und der natürlichen Bewegungsanlage des Pferdes, ist vielmehr „gemacht“. Damit sind wir bei einem weiteren Bewertungskriterium, das nach meinen Erfahrungen sehr häufig vernachlässigt wird.

— Rhythmus
Unter Rhythmus verstehe ich die Frequenz der Tritte pro Zeiteinheit. In allen Lehrbüchern steht zu lesen, dass diese Frequenz sich in den verschiedenen Tempi nicht unterscheiden soll- Im Aufgabenheft steht, dass die Tritte im starken Trab nicht eiliger werden dürfen. Der bedeutet: Der Ablauf der Bewegung, also die Häufigkeit des auf- und Abfußens der diagonalen Gliedmaßen sollte im versammelten Trab nicht anders sein als im Arbeits- oder Mitteltrab.
Der Unterschied ergibt sich aus dem Raumgriff. Während im starken Tran die Bewegung gestreckter, raumgreifender ist, soll sie im versammelten Trab vergleichsweise kürzer, dafür aber erhabener, kadenzierter sein.
Was bleibt von dieser theoretischen Anforderung in der Praxis? Häufig nichts! Wir beobachten oft Pferde, die im versammelten Trab sehr kadenziert gehen, so dass man sich als Richter in Einzelfällen sogar fragt, ob es sich nicht um unerwünschte Schwebetritte handelt. In den Trabverstärkungen dagegen wird die Frequenz deutlich höher. Der Ablauf eiliger.
Isoliert betrachtet ist ein solcher starker Trab oftmals durchaus noch geregelt, vielleicht auch raumgreifend, aber eben eindeutig mit einem Mangel behaftet, nämlich dem der Eile. Toleriert man die Frequenz des Grundtrabs, erscheint der also geregelt und nicht durch Spannung „schwebend“, führt die deutliche Erhöhung der Trittfrequenz in der Verstärkung zwangsläufig zu einem Abzug, jedenfalls sollte das so sein!

Mit Dank an Dr. Plewa, der es uns gestattet hat, seine Ausführungen hier zu verwenden!

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