Frage:

Da ich selber zwei (dressur-reitende) Töchter habe, weiß ich wie schwer es ist innerhalb der eigenen Familie zu trainieren (insbesondere mit pubertierenden Töchtern!). Wie managen Sie solche Probleme (wenn es sie überhaupt gibt) und schaffen es dabei,Ihren Kindern soviel Freude am Reiten zu vermitteln? Ich hoffe, die Frage ist nicht zu persönlich, und würde mich über eine Antwort sehr freuen!

Antwort:

Natürlich ist es nicht immer einfach, innerhalb der Familie als Trainer und als Eltern perfekt zu funktionieren. Das ist auch bei uns nicht anders 🙂

Jedes unserer Kinder stellte und stellt uns wieder vor andere Aufgaben, aber so wie Gela (unsere leider verstorbene Mentaltrainerin Angela Fengels) mir das erklärt hat, nimmt auch jedes unserer Kinder uns als Eltern anders wahr. Das musste ich erst mal verstehen.

Durch unsere täglichen Erfahrungen ändern wir uns, ohne dass wir das bewusst wahrnehmen. Es gilt also noch lange nicht, dass das Training bei Sanneke genau so ablief wie bei Sönke oder Semmieke.
Sanneke fordert uns sehr und möchte immer mit Begleitung reiten. Das Wort „gut“ genügt ihr nicht.
Sönke dagegen wollte oft lieber selber ausprobieren, wie man Probleme löst. Bei ihm hat Deinhard viel dazu beigetragen, ihn in die richtigen Bahnen zu leiten. Dieses Pony hat ihm unmissverständlich gesagt: „Druck erzeugt Gegendruck“ und ihm so bei der Entwicklung seines feinen Reitstils geholfen, der ihm jetzt auch bei seinen Springpferden zugute kommt.
Semmieke hat sich schon durch ihr ständiges Zuschauen unbewusst Dinge gemerkt, die wir ihr gar nicht mehr erklären müssen, weil sie weiß wie das Training bei uns abläuft.
So versuchen wir, jedes unsere Kinder als Individuum zu verstehen und ernst zu nehmen und sie in diesem Sinne beim Trainieren ihrer Pferde zu unterstützen.
Der Spaß wächst natürlich auch durch die Erfolge. Das motiviert die Kinder, immer wieder, weiter an sich zu arbeiten und ihre Pferde nicht als Sportgerät zu sehen sondern als einen tollen Kamerad — und ebenfalls als Individuum.
–Gonnelien

Frage:

Nachdem ich gerade wieder einen riesigen Streit mit meinen Eltern, bzw meiner Mutter hatte, bei dem dann rauskam, dass sie mich nie wieder zum Turnier fahren werden, habe ich mich gefragt, ob es bei Ihnen in der Familie auch schonmal Streitereien gibt, oder ob bei euch alles total harmonisch abläuft?

Antwort:
Vielleicht hilft es wenn Du UND Deine Eltern den Eintrag oben zum Thema „Training innerhalb der Famile“ lest, auch wenn es bei euch nicht um gemeinsames Training, sondern um die Wochenendgestaltung geht? Es ist wichtig, dass beide Seiten den anderen mit seiner Begeisterung für das Hobby, aber auch mit seinem Frust und seiner Nervosität ernst nehmen — die Eltern, die ihr Wochenende opfern, aber auch das Kind, das schließlich mit der Prüfungssituation (und dem Ergebnis) fertig werden muss. Und dass man sagt, WENN wir das machen, ziehen wir alle an einem Strang. Diskutieren können wir, wenn das Pferd wieder friedlich im Stall steht, ordentlich ausgeflochten ist und sein Heu frisst und wenn alle tief durchgeatmet haben.
Wir wünschen Euch, dass Ihr Euch wieder vertragt und einen Weg findet!

Frage:

Hallo, ich wollte mal fragen, ob es dieses Prozedere schon oft gab: Also, ich bin 16 Jahre alt und reite mit meinem Pony M (für FEI hat er einfach nicht die Bewegungen und das Aussehen). Auf jeden fall fahren meine Mutter und ich viel aufs Turnier. Aber sobald sie dabei ist, bin ich auf dem Turnier mega angespannt, habe das Gefühl, dass ich die ganze Reiterei nur für sie mache, und verzweifle oft an mir selber, gebe meinem Pony aus Frust leider auch manchmal die Schuld, weil ich die Last nicht tragen kann. Vor zwei Wochen waren wir wieder los und das gleiche wie immer: Ich reite, bekomme eine 5,… Und heule schon in der Prüfung, weil meine Mutter nicht zufrieden ist.
Letzte Woche hat meine Trainerin mir angeboten, dass sie mit mir losfährt, damit ich mal wieder Spaß am Turnierreiten habe. Und siehe da, in einer M** Dressur eine 7,5 und Zweite :-)))
Deswegen wollte ich mal fragen, ob es das bei Ihnen auch gibt?

Antwort:
Wow, eine 7,5 in einer M** ist keine Kleinigkeit!
Deine Reitlehrerin hatte also genau den richtigen Riecher — sie hat gewusst, was Ihr könnt, und sie hatte die richtige Idee, es Dir zu zeigen.
Natürlich kommt es bei uns auch hin und wieder zu Stress, sowohl zu Hause im Training als auch auf dem Turnier. Das passiert innerhalb der Familie nun einmal schnell. Aber unsere Kinder wissen auch, dass wir es nur gemeinsam schaffen können — und auch Deine Mutter hat Dir ja immerhin so den Rücken gestärkt, dass Du dieses tolle Ergebnis erzielen konntest.
Versuche beim nächsten Turnier, Dich daran zu erinnern, wie es sich angefühlt hat, als Deine Reitlehrerin dabei war. Erinnere Dich daran, wie die Abläufe waren, als sie mit Dir gefahren ist; stell Dir auf dem Abreiteplatz ihre Stimme in Deinem Ohr vor, konzentriere Dich in der Prüfung ganz auf Dein Pony und auf das Wissen, dass Ihr beide zusammen das könnt, was Ihr Euch vorgenommen habt.

Setz Dich jetzt nicht selbst unter den Erwartungsdruck, dass es jedesmal so gut klappen muss — aber denk daran, dass es möglich ist!
Viel Erfolg!

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