Frage:

Wir besitzen einen 12-jährigen Hannoveranerwallach v. Londonderry x Argentinus, den wir 4-jährig gekauft und selbst ausgebildet haben. Er hat Dressurpferde A- und M gewonnen. Mittlerweile befindet er sich auf S-Niveau. Er ist 1, 85 m groß und recht sensibel. Wir haben folgendes Problem: Seit ca. 3 Jahren geht er nicht mehr auf den Hänger. Vorher war es nie ein Problem, er ging immer freiwillig hoch. Dann sind wir an einem warmen Tag aufs Turnier gefahren und als wir dort ankamen, stand er zitternd und völlig nass geschwitzt auf dem Hänger. Auf der Fahrt haben wir nichts bemerkt, wir sind normal und vorsichtig gefahren (so wie immer) und er war auch nicht krank (keine Kolik o.ä.). Seit diesem Tag ist das Verladen problematisch und schwierig. Wir üben das Verladen immer mal wieder, gerade in den letzten Wochen haben wir es wieder häufiger versucht. Beim Verladen an sich macht er einen sehr gelassenen Eindruck, aber sobald er auf dem Hänger steht, merkt man ihm seine Angst an. Manchmal steht er nach 10 min oben, manchmal nach einer halben Stunde, gestern haben wir es 1 ½ Stunden ohne Erfolg versucht. Da er immer gerne seitlich rechts ausweicht, parken wir den Hänger schon immer an einer Mauer, so dass er eine seitliche Begrenzung hat. Wir sind beim Verladen ruhig, aber auch konsequent. Wir haben stets Futter zum Locken dabei. Longe hilft leider nicht wirklich, danach tritt er eher. Mittlerweile hat er es auch schon geschafft, dass er, sobald er oben war, ganz schnell rückwärts wieder raus kommt, so dass wir gar keine Chance haben, die Stange oder Rampe zu schließen. Da er sehr groß ist, stellen wir die Trennwand schon immer breit bzw. haben sie auch schon ganz rausgenommen. Da er generell vor anderen Pferden, die ihm zu dicht kommen, Angst hat, ist es auch keine Alternative, ein anderes Pferd neben ihn zu stellen. Ein Transporter steht uns leider nicht zur Verfügung. Haben Sie eine Idee, was wir noch versuchen können? Haben Sie Erfahrungen mit solchen Pferden, haben Sie einen Rat? Es ist wirklich sehr schade, da wir wirklich gerne mal wieder aufs Turnier oder zu einem Lehrgang fahren würden, außerdem kann es ja auch immer mal sein, dass man in eine Klinik fahren muss. Vielen Dank für Ihre Antwort und Mühe!

Antwort:
Das würden wir mit Tellington Training versuchen — welches aber erst einmal ohne Hänger stattfinden wird und mit ganz anderen Vertrauens- und Entspannungsübungen beginnt. Für den Anfang würden wir uns auf jeden Fall einen erfahrenen Tellington Trainer dazu holen (findet man über das Internet).

Anschlusskommentar:

Wir hatten mit unserem 180 cm „Elch“ ein ähnliches Problem. Wir holten uns Fachleute, welche das Problem sofort erkannten und Lösungen hatten, die wir neben der Vertrauensarbeit, umsetzten. Viele Hänger sind für derart grosse Pferde tatsächlich zu „klein“, heisst optisch zu klein. Klar passen sie rein, aber die Pferde haben das Gefühl, es eben nicht zu tun. Wichtig ist dabei, dass die Plane, wenn eine vorhanden und kein Hardtop, nicht hochgewickelt wird, sondern hochgelegt (bringt 10-20 cm), natürlich so fixiert das sie nicht runterfällt während des Verladens. Außerdem haben wir, da wir eigtl. immer nur allein gefahren sind, uns vom Hersteller eine lange Stange von links nach rechts übern Hänger machen lassen, damit auch während der Fahrt das Pferdi schön breit stehen konnte. Trennwand zur Seite fixiert, Pferd rein, lange Stange dran. Er stellte sich sofort (sogar noch vor der ersten Fahrt)  breitbeinig hin, alles war gut. Wenn er zu zweit fuhr, nur mit einem Hänger wo die Trennwand nicht bis zum Boden durchgängig fest war, sondern er unten die Hufe zum Nachbarn stellen konnte. Grosse Pferde balancieren sich diesbezüglich mit ihren langen Beinen anders aus, brauchen um die Beine mehr Platz als kleinere Pferde, so dass derart „kleine“ Maßnahmen oft sehr viel bringen. Verletzungen hat es während der ganzen Jahre nie gegeben, weder wenn er allein war, noch wenn sie zu zweit gefahren sind. Was auch noch wichtig ist, dass der Hänger innen hell ist. In ein dunkles Loch gehen Pferde ungern. Wir hatten einen Holzhänger und einen Kunststoffhänger mit Hardtop, zum Schluss fuhren wir nur noch mit letzterem. Der wirkte für unseren Dicken hell, groß und einladend. Schwuppwupp war er oben, knabberte sein Heu, und alles war gut. Vielleicht helfen solche Maßnahmen in diesem Fall ja auch. Alles Gute.

Antwort:

Vielen herzlichen Dank für die Hilfsbereitschaft und die Tipps!

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