Frage:

Hallo, mich würde mal interessieren, ob Sie bei der täglichen Arbeit viel vorwärts-abwärts reiten?

Antwort:
Das Vorwärts-Abwärts ist das Grund-Ziel jeder Ausbildung! Solange Dein Pferd Deiner Hand nicht folgt, ist ein weiteres Ausbilden nicht richtig. Carl Hester hat das beim Global Dressage Forum so formuliert: „Viele Leute geben es auf, die ultimative Dehnungshaltung anzustreben, weil es ihnen zu langweilig ist – ich betrachte es als den wichtigsten Teil unserer Arbeit, weil das Pferd so lernt, sich selbst zu tragen.“
Natürlich reiten wir nicht NUR vorwärts-abwärts, aber erst, wenn wir abgefragt haben, ob das Pferd der Hand folgt, können wir mit Lektionen beginnen.

Frage:
Ich reite seit 2 Jahren eine 8jährige Oldenburgerstute. Wenn ich das Training mit Leichttraben und Zügel aus der Hand kauen lassen beeenden will, wird sie immer sehr hektisch und ich bin nur noch „Beifahrer“. Dabei ist es egal, ob ich 20 Min oder 2 Stunden reite. Auf die Weide kommt sie täglich mehrere Stunden. Alternativ beende ich das Training im Moment mit Zügel aus der Hand kauen im Galopp und danach dann Schritt am hingegebenen Zügel, aber damit ist das Problem ja auch nicht gelöst.

Antwort:
Auf jeden Fall nicht aufgeben. Versuch es konsequent weiter, hole im Zweifelsfall das Pferd immer wieder zurück und lass es dann vorsichtig wieder heraus. Vielleicht versuchst Du auch, es über den Rhythmus des Leichttrabens zu verlangsamen, indem Du selber länger im Bügel stehen bleibst. Du kannst auch zwei Tritte lang stehen bleiben und nur einen aussitzen. Das fühlt sich zwar „rumpelig“ an, ist aber eine gute Übung, damit sich Reiter und Pferd gegenseitig aufeinander konzentrieren.

Frage:

Mein Pferd drückt beim Reiten den Rücken weg; schaut jemand mit Erfahrung drüber, bekomme ich die Nachricht, mein Pferd hat den Muskel verspannt.
Da ich ein sehr ehrgeiziger Reiter bin, geht mir dieses VA reiten langsam auf den Keks, und in Topform ist er dadurch auch nicht. Da ich nur ländlich unterwegs bin, ist das nicht ganz so schlimm, keine Lektionen zu üben, doch dadurch soll er nicht die Kraft oder sonstiges verlieren. Wie kann ich ihn beim einfachen Training trotzdem fit halten?
Stangen, Gymnastiksprünge, und ab und zu Gelände? Haben sie weitere Tipps?
Also es sind eigentlich die Muskeln unter der Sattellage, die auch zu spüren sind, oder oben auf der Kruppe.
Der Sattel passt … 🙂

Antwort: 

Gerade als ehrgeiziger Reiter sollte man immer wieder korrekt vorwärts-abwärts reiten, ohne das geht GAR NICHTS. Lektionen dienen der Gymnastizierung des Pferdes, egal in welcher Leistungsklasse, und wenn ein Pferd nicht in Ordnung ist (was hier ja deutlich der Fall ist), muss man sich sehr genau überlegen, welche Lektionen ihm helfen können, wieder fit zu werden. Bei Verspannungen im Rückenbereich verschafft der aufgewölbte Rücken beim Vorwärts-Abwärts-Reiten Linderung, für die Kruppe und den Lendenwirbelbereich sind korrekt gerittene Seitengänge gut, bei denen das Pferd vorn größer wird und von der Hand wegkommt und das Becken deutlich kippt.

Erst einmal sollte das verspannte Pferd aber vom Physiotherapeuten behandelt werden — von ihm oder ihr gibt es dann bestimmt auch weitere Trainingsptipps. Und wenn der Trainingstipp lautet, erstmal vorwärts-abwärts, dann ist das eben so. Pferde verlernen ihre Lektionen nicht. Sie zeigen sie nur viel schöner, wenn sie schmerzfrei sind! In einer A-Dressur genau so wie im Grand Prix!

Anschlussfrage:

Erstmal vielen Dank! Das sollte keinenfalls heißen das ich nicht vorwärts-abwärts reite, oft reite ich sogar nur lösend, und am Anfang und Ende, ist dies immer mit drin, und keinesfalls zu wenig!
Nur dieses alle zwei Wochen verletzen und den ZWANG haben immer VA zu reiten, nervt 🙁 Natürlich wird das aber konsequent durchgeführt, da es ihm aber absolut keinen spaß macht, und auf dauer vielleicht, naja wie soll ich sagen, seine Kraft kostet? Besonders vorne die Tragkraft (ihm fällt es schwer, in Selbsthaltung zu laufen aufgrund seines Körperbaus) sollte nicht drunter leiden. Deshalb wollte ich wissen, wie ich ihn trotz ständiger Dehnungshaltung bzw Rückendehnung fit halte und er weiter Spaß hat. Vielen Dank für die Tipps 🙂
(Wie gut wirkt hier die KORREKTE Doppellongenarbeit ab und an?)

Antwort:

Aha. Danke für die Rückmeldung.
Hier steckt aber immer noch ein Missverständnis drin. Vorwärts-abwärts ist keine „Reha-Haltung“, in der Pferde ihre Fitness verlieren. Es ist der BEWEIS von Fitness, wenn ein Pferd mit schwingendem Rücken von hinten nach vorn in Dehnungshaltung laufen kann, ohne die Balance zu verlieren.
Das heißt aber andererseits auch nicht, dass Du es NUR machen solltest (korrektes Vorwärts-Abwärts ist für ein Pferd anstrengend!). Abwechslung ist wichtig, und Deine Vorschläge sind alle gut: Ausreiten (gern schön vorwärts, aber KONTROLLIERT), Cavalettiarbeit, Doppellonge, alles Teile eines guten Trainingsplans, wenn es richtig gemacht wird. Lass Dir zumindest anfangs von einem Reitlehrer dabei helfen, um sicher zu gehen, dass das Pferd von hinten nach vorn gearbeitet wird. Reite in der Bahn viele Übergänge, erst zwischen den Gangarten, dann innerhalb der Gangarten.
Denn Tragkraft und Selbsthaltung kommen immer aus der Hinterhand und dienen der Entlastung der Vorhand; Du musst also die Hinterhand stärken, nicht die Vorhand. Das ist ein Prozess, der Jahre dauert und bei dem man sich nie vom Ehrgeiz, sondern nur von seinem Pferd leiten lassen darf.
Weitere Infos findest Du, wenn Du einige der Begriffe aus dieser Antwort ins Suchfenster eingibst (Selbsthaltung, Dehnungshaltung, Übergänge, Doppellonge etc.)
Außerdem: Buchtipp „Jedes Pferd ist anders“ von Britta Schöffmann, mit Trainingstipps zu Pferden mit ganz unterschiedlichem Körperbau und Charakter.

« Zum Verzeichnis von A-Z