Nachdem wir uns in Roosendaal einquartiert hatten, waren wir guter Dinge. Das Training am Vortag der Mannschaftsaufgabe verlief sehr gut. Geisha fühlte sich wohl, und Semmie hatte nach drei Tagen „Pause“ wirklich Lust, jetzt endlich mal eingaloppieren zu dürfen.

Es sind immer wieder lange Tage auf einer EM, warten … warten … und sich dennoch nicht ablenken zu lassen, hochkonzentriert zu bleiben, ist nicht einfach.

Am Donnerstag war es dann so weit.

Geisha fing spitze an, das Aufwärmen verlief sehr schön. Als wir zum letzten „10-Minuten-Viereck“ liefen, Gamaschen abmachten und alles nochmals richteten, hatte Geisha es auf einmal etwas eilig. Semmie fing noch einmal an zu galoppieren, um ein bisschen die Luft raus zu lassen. Dabei war Geisha nicht mehr ganz so schön am Gebiss. Später sah man das in der Prüfung leider auch.

Dazu kam noch der große Patzer in der Pirouette, wo sie leider umsprang. Sofort gingen selbstverständlich die Noten deutlich runter.

Schade …

Dennoch sah es für die Mannschaft weiter gut aus … sie lagen immer noch auf Goldkurs. Semmie wurde sehr herzlich aufgefangen. Das ist Sport … jetzt hoffen, dass Hannah die Goldmedaille nach Hause bringt. Das tat sie, und wie … GOLD!!!

Unsere Jungen Reiter stachen deutlich aus dem Feld heraus, so schön wie sie ihre Pferde im Viereck vorstellten. Das war tolle Arbeit, und wir möchten uns nochmals ausdrücklich bei Hans-Heinrich Meyer-zu Strohen sowie bei Oliver Oelrich bedanken für Ihre hervorragende Arbeit mit den Junioren und Jungen Reitern.

Nach einem Tag Prüfungspause ging es dann Samstag schon morgens um sieben Uhr los mit der Einzelaufgabe, gleichzeitig die Quali zur Kür. Das ist immer bitter. Nur drei aus jedem Land (wenn man unter den besten 18 landet) dürfen am Sonntag am Kürfinale teilnehmen. Da Anna, Luca und Semmie sehr dicht beieinander lagen, wussten wir schon, dass es eng werden würde. Und so kam es auch … Anna ritt wie schon am Mittwoch eine sehr solide, sichere Runde, was auch sehr gut belohnt wurde. Luca hatte Rendezvous viel konzentrierter bei sich als noch am Mittwoch. Die Richter gaben ihm dafür 73,21%.

Semmie ritt deutlich besser als am Vortag. Geisha stand wieder schön am Gebiss, eine wunderschöne Trabtour, im Schritt hätte sie etwas mehr schreiten können, und in der Galopptour ritt Semmie sehr konzentriert ohne große Fehler. Super.

Man sah schon auf der Anzeigetafel beim Open Scoring, dass die Richter zurückhaltend waren. Normalerweise ist sie nach einer solchen Trabtour locker bei 76% … diesmal musste sie um jeden Punkt kämpfen. Viele hatten ihre Prüfung deutlich höher eingeschätzt … Tja … so ist es.

Knapp am Podium vorbei.

Wir haben uns aber vor allem über Semmies gutes Reiten gefreut. Wie sie sich seit Donnerstag wieder aufgerappelt hatte, und das als Jüngste im Team, ist wirklich bewundernswert. Toll, Semmie!!!

In der Kür hatte sie Geisha genau wie in der Einzelwertung wieder schön vor sich.

Inzwischen konnte man mehreren Pferden die anstrengende Woche doch langsam ansehen. Die Tagen waren lang, die Prüfungen ab sieben Uhr morgens und die Siegerehrungen sehr spät abends, und dann nicht zu vergessen Samstag um 14:30 der überraschend eingeplante zweite Vet Check. Den hätte man sich wirklich sparen können.

Na ja, Geisha hatte ihre Kräfte gespart … Sie war fleißig und sehr engagiert. Das war schon toll, wie eifrig sie über den Platz stampfte. Nach der Lösungsphase und einer Schrittpause nahm Semmie die Zügel wieder auf und zeigte Geisha die Wege mit dem Lektionen, die sie in ihrer nagelneuen Kür gleich reiten würden.

Schon nicht so einfach, aber nachdem Semmie es in Ruhe ein paar Mal durchgeritten war, klappte es hervorragend. 76,2% war das Endergebnis … das würde wohl leider nicht reichen für eine Medaille.

Abwarten … schade … wieder knapp an der Bronzemedaille vorbei. Dennoch schließen wir das Turnier für uns sehr positiv ab. Semmie hat sich mit Geisha über die Tage sehr gut zusammengefunden. Ihr Reiten wurde täglich selbstverständlicher, und sie nimmt vieles mit, worauf sie reiterlich weiter aufbauen kann.

Dieser Blick in die Zukunft wird leider getrübt durch eine weitere Lücke, die uns zu Hause erwartet …

Der Verlust von Favo war unser drittes Pferd in diesem Jahr. In Februar starben schon unsere zwei Jährlingsstuten von Vivaldi an Atypischer Weidemyopathie. Die Pferden laufen schon seit so vielen Jahren auf denselben Koppeln, auch standen noch zwei andere Jährlinge mit auf dieser Koppel, die es Gott sei Dank nicht erwischt hat. Sie hatten zwar genügend Heu zur Verfügung, dennoch müssen sie mit dem Gras so viele Bergahorn-Keimlinge gefressen haben, dass diese Krankheit ausbrechen konnte. Normalerweise sind die reifen Ahornsamen (Bergahorn) in den Monaten Oktober bis Dezember sehr gefährlich. Das wussten wir. Deshalb läuft unser „junges Gemüse“ auch während dieser Zeit nie länger als fünf Stunden auf den Wiesen. Dass die Keimlinge unter bestimmten, noch nicht endgültig erforschten Bedingungen auch gefährlich sind, wussten wir leider nicht.

Ein Spezialist wurde herbeigeholt, um unseren Baumbestand zu überprüfen. Er teilte uns mit, dass Bergahorn bei uns der Pferde wegen nichts zu suchen hat. Auch Eiben sind hochgefährlich, nicht nur für Pferde, sondern auch für Menschen. Wenn man überlegt, dass genau vor dem ehemaligen Kindergarten (der im Januar auf’s Gestüt umgezogen ist) drei riesige Eiben standen …

Sven veranlasste sofort, alle (leider auch die alten) Ahornbäume und anderen giftigen Pflanzen/Bäume zu entfernen, damit in Zukunft keine anderen Pferde mehr gefährdet sind.

Dann wurde unser ganzer Hühnerstall – wahrscheinlich durch einen Marder, Dachs oder Fuchs – getötet.

Paso Doble bekam eine Zahnentzündung, die nur in der Klinik behandelt werden konnte. Was auch nicht so ohne war, weil wir ihn dazu mit seinen 22 Jahren aus seiner vertrauten Gruppe entfernen mussten. Er hat es glücklicherweise sehr gut überstanden und steht jetzt schon wieder seit einiger Zeit auf der Wiese zwischen seinen Freunden.

Dann Wolki, die vor Kurzem während ihrer Trächtigkeit eine Kolik-OP über sich ergehen lassen musste. Sie hat noch Boxenruhe, bis die Narbe ganz verheilt ist, aber ansonsten geht es ihr gut, und wir sollen sie sogar noch ein bisschen gemütlich reiten.

Konrad macht uns seit einiger Zeit große Sorgen; ihm machen auf seine alten Tage jetzt doch die Hufe sehr zu schaffen.

Und jetzt … trifft es unsere geliebte Joy …

Auch Joy ging es während der letzten Wochen sichtlich schlechter. Sie wollte ihr Spezialfutter für Diabetiker nicht mehr gerne fressen, und so war es sehr schwierig, ihre Zucker- und Blutwerte im Griff zu behalten. So verlor sie leider viel zu viel Gewicht. Sie hatte in den letzten Monaten wieder so schön zugenommen, und wir dachten, wir haben es unter Kontrolle. In der Klinik in Hofheim, wo sie damals mehrere Wochen bleiben musste, bekam man sie hervorragend eingestellt. Sie hat sich so schön erholt …

Dafür möchten wir nochmals großen Dank aussprechen an das tolle Team! DANKE!

Samstag früh wurde sie wieder nach Hofheim gebracht, sie verweigerte seit dem Abend komplett das Fressen und wirkte sehr müde. Danke an Vivien, die sich während unserer Abwesenheit um Joy gekümmert hat.

Nachmittags bekamen wir die traurige Nachricht, dass das Team aus Hofheim leider nichts mehr für unsere Joy tun konnte. Sönke war schon auf dem Heimweg aus Roosendaal und fuhr sofort in die Klinik. Er wollte sich nochmals vom Tierarzt versichern lassen, dass es das Richtige war, was er, wir jetzt tun mussten.

Ach, Joy …

Was für ein Leid, wie unwichtig, ob es Semmie (laut Eurodressage) zum ersten Mal seit 2013 nicht auf das Podium geschafft hat. Wen interessierte das in diesem Moment?

Wir haben versucht, uns noch bis Sonntag Nachmittag zusammenzuraufen, aber wirklich … mir ist die Kraft ausgegangen, wir fühlen uns so leer.

Wir überdenken unsere Ziele, möchten noch mehr Zeit mit unserer Familie und unseren lieben Tieren verbringen.

Als Mabel Joy my Dream from Paradise kam sie an Semmies Geburtstag am 27.08.2006 zur Welt. Bei uns ging sie weiter als Joy durchs Leben.

Liebe Joy,

wir werden Dich sehr vermissen.

Deine Name passte so gut zu Dir, Du hast unserer Familie so viel Spaß gemacht.

Ausgebildet von Sönke und Veronika, hast Du Deine Prüfung großartig bestanden. Agility, Dein großer Spaß. Einen eigenen Parcours wünschte Sönke sich zu Weihnachten für Dich. Den bekamst du … mitsamt einem schönen Hänger.

Keine Tür war für Dich zu schwierig zu öffnen. Die Kindergartenkinder war Deine Aufgabe, jeden Tag gegen 10:30 warst Du verschwunden, um beim Spaziergang der Kinder aufzupassen. Egal, ob sie grob mit Dir umgingen, Du nahmst alles einfach auf Dich. Du liebtest sie.

Als bei Dir 2013 Diabetes festgestellt wurde, änderte sich Dein Leben schlagartig. Schwierig war es, Dir zu vermitteln, dass Du keine Knochen oder Dein Lieblingsfutter mehr fressen durftest. Dennoch meisterten wir es großartig, eben so wie du warst, immer mit allem einverstanden … Die täglichen Blutabnahmen, die Spritzen, es war Dir nie zu viel …

Jetzt musst Du es nicht mehr (für uns?) ertragen …

Ruhe in Frieden, liebe Joy!

Wir freuen uns über die vielen lieben Nachrichten und insbesondere über das Daumendrücken.

Danke an alle Besucher unserer Website, und bis bald!

Gonnelien