Mit drei Stütchen und unserem Cosmo ging es am Donnerstag Mittag nach Zeiskam – und ein bisschen war es wie eine Reise in die Vergangenheit.

Das letzte Mal waren wir 2005 da – diese Meisterschaft ist uns in guter Erinnerung geblieben. Auch damals konnte Sönke mit nur 10 Jahren schon für eine Überraschung sorgen: Mit Wimbledon kam er ins Finale, und ritt mit ihm Punktzahlen, die er noch nie geritten war (und die auch Wimby noch nie bekommen hatte!). Ab da ging es nur noch bergauf mit den beiden! Und Sanni und Konrad gewannen die Silbermedaille – auch sie war noch keine dreizehn! Was für tolle Leistungen in solch jungen Jahren.

Auch die „Kehrseite der Medaille“ war damals nicht anders als heute: Wir waren gerade im Ponylager „gelandet" und merkten sofort, dass hier ein anderer Wind wehte war als im Grand-Prix-Sport, in dem wir bis jetzt um Medaillen gekämpft hatten. Weil wir uns schon damals auf unsere Ziele konzentriert und uns ein bisschen abseits gehalten haben, wurden wir als Außenseiter abgestempelt, die keine "Teamplayer" sind. Es wurde viele Böses erzählt … dass wir unseren Kindern vieles nicht erlauben und sie zum Reiten zwingen.

Fast zehn Jahre später sind wir immer noch dabei … und stehen immer noch im Mittelpunkt des Geredes. Denn auch die Neider sind geblieben … und haben doch nur erreicht, dass unsere Familie noch mehr zusammenhält. Eigentlich müssen wir ihnen dafür danken.

Auch Leute, die uns gar nicht mögen, sind täglich auf unserer Website. Alle möchten doch wissen, was die Rothenbergers so machen. Insbesondere unser Gästebuch ist sehr beliebt. Auch wenn bei manchen Einträgen der Finger juckt, sie zu löschen, weil es ein GÄSTEbuch ist und kein Forum, versuche ich dennoch, auch diese Einträge mit Respekt und Anstand zu beantworten.

Gerade danach merken wir aber auch oft, wie viele Leute unsere Familie respektieren, weil sie auf solche bissigen Einträge toll reagieren. Ich bin dankbar für Menschen, die nicht alles glauben, was so erzählt wird, sondern sich selber ein Bild davon machen. Die uns beim Reiten zuschauen und sich allein dadurch überzeugen lassen.

Wir sind nicht perfekt, und im Sport gehört es dazu, nicht immer ganz oben zu stehen. Gerade wir haben im Lauf der Jahre immer wieder gezeigt, dass es uns nicht nur um den Sieg geht. Nicht immer nehmen wir das beste Pony oder Pferd mit.

Wir freuen uns sehr für Maike; sie hat sich ihre Goldmedaille verdient! Semmie wusste, welche Entscheidung sie getroffen hatte. Sven hatte ihr vorher gesagt, wenn du es einfach haben möchtest, nimmst du Deini, denn er ist so toll drauf wie selten. Ich bewundere sie für ihre Entscheidung.

Dass sie gleich beim zweiten Turnier mit Geisha Silber geholt hat, hat uns total überrascht! Für uns fühlte sich das an wie ein Sieg – einfach großartig! Wenn man so viel gewinnt, geht es nicht mehr um die Goldschleife oder Medaille, sondern um die schönen Erinnerungen … zum Beispiel an Sönkes Finalplatz mit Wimby in Zeiskam 2005.

Cosmo gewann wieder, aber wir hatten uns ein Ziel gesetzt … und das war nicht die Goldmedaille, sondern eine Punktzahl, die genau so besonders ist wie er. Sönke gelang es; er erzielte mit Cosmo im St. Georg eine Punktzahl, die das ganze Jahr (auch international) noch nicht erreicht wurde. Wahnsinn! Und das mit einem siebenjährigen Pferd. In der Einzelwertung legte er noch ein Schippchen drauf und kam knapp an die 79 %. Na, schaffen wir die 80% in der Kür?

„Nebenbei“ sprang er noch mit Liza ins Finale. Während des ersten Umlaufs waren wir dabei, Cosmo für seine Prüfung vorzubereiten. Sönke entschied sich, statt als dritter Starter mit Liza als erster in den Parcours zu gehen, um genug Zeit fürs Abreiten mit Cosmo zu haben. Leider zwei Abwürfe, die vielleicht doch der Eile geschuldet waren. Liza sprang aber in diesem S*** (ja, drei Sterne!!!) sehr gut.

Während Cosmos Abreiten waren Sven und Sanni damit beschäftigt, alles für Lizas zweiten Umlauf zu organisieren. Unser Dank gilt dann auch unseren beiden tollen Pflegerinnen, die mit so viel Einsatz dabei waren und immer alles perfekt „on time“ fertig hatten! Danke Anja, die immer wieder die weite Strecke zum LKW gelaufen ist, um das Nötige für die Pferde zu holen, und vor allem Stefanie, die kurz vor der Abfahrt spontan eingesprungen ist, nachdem die beiden Pfleger, die laut Absprache mitfahren sollten, plötzlich krank wurden :-))) Stefanie war auch schon mit Cosmo in Vidauban und auf der Euro dabei … die beiden verstehen sich blendend! Danke Stefanie und Anja für Euer Interesse und Euren Einsatz! (Glücklicherweise konnte einer der Pfleger ab Freitag schon wieder arbeiten, und so lief auch zu Hause fast so wie geplant.)

Sönke schaffte es, in der Kür die 80%-Marke zu knacken … und ab ging es in den zweiten Umlauf mit Liza. Cosmo wurde versorgt, und Liza wartete schon auf dem Springplatz. Wahnsinn, wie hoch der Parcours gebaut war – eben ein S***! Und: Ja!!! Null!!!

Es war schon 17:30, als wir bemerkten, dass wir noch gar nicht zum Mittagsessen gekommen waren, also beschlossen Sven und ich, schnell etwas zu kaufen … da kamen die Dressurrichter der Jungen Reiter zum Springplatz. Nur Komplimente, Wahnsinn, was für ein Pferd Cosmo ist, und dass er bitte lange gesund bleiben soll! Erst nach seiner Nullrunde ist ihnen aufgefallen, dass der Reiter im Parcours Sönke war, den sie eben noch gerichtet hatten. Der Bundestrainer der Springreiter kam zu uns und hat uns zu Sönkes Leistung gratuliert.

Ob wir uns das 2005 hätten träumen lassen? Bestimmt nicht – um so mehr freut es uns, dass uns unser „langer Atem“ bis hierher geführt hat. Dieses Gefühl der Anerkennung lässt die bösen oder neidischen Kommentare einfach verschwinden!

Ich möchte mich ausdrücklich bei den vielen Fans bedanken, die uns mit ihren tollen Beiträgen unterstützen! Und nicht zu vergessen bei den Bundestrainern und der FN, die immer wieder hinter uns stehen. Danke 🙂 Auch an Bärbel, die stets mit ihrer konstruktiven Kritik für das nötige Salz in der Suppe sorgt.

Wir reiten jedenfalls weiter. Auch wenn wir mal „nur“ Silber gewinnen, können dann wenigstens die Leute, die sich sonst nichts zu erzählen haben, weiter über die Familie Rothenberger reden. Nach neun Jahren und unzähligen Medaillen dürfen wir wohl sagen: Neid und Missgunst muss man sich erarbeiten, Mitleid bekommt man geschenkt!

Bis dann,

Gonnelien