Das Motto des Turniers in Hagen ist jedes Jahr aufs Neue sehr passend. Es sind die besten Pferde am Start, und es ist einfach ein Traum, in Hagen zu reiten.
Fachmännisches Publikum, das den Pferden unmittelbar beim Training zuschauen kann. Rund um das Abreiteviereck herrscht dann auch eine schöne, angenehme Atmosphäre. Die Leute schauen interessiert und aufmerksam zu. Man hat den Eindruck, dass sie die Pferde um Gottes Willen nicht während des Trainings ablenken möchten. Sie wissen, dass man nur so auch absolute Top-Prüfungen sehen kann.
Das Publikum steht auf vielen großen Turnieren direkt am Rand. Das macht unseren Pferden gar nichts, aber wenn dann Luftballons in die Luft gelassen werden, die auch noch platzen, die Leute mit ihren Hunden Stöckchen holen spielen und eine Atmosphäre ist wie auf dem Rummelplatz, ist es doch eine große Belastung für die Pferde, und oft ist es den Reitern unmöglich, ihre Pferde am langen Zügel Schritt gehen zu lassen. So etwas wird man in Hagen nicht erleben!
Nicht umsonst sind die Turniere in Hagen meine absoluten Lieblingsturniere. Unsere Kinder konnten mit ihren Pferden/Ponys hier schon des öfteren Bestleistungen und sogar Weltrekorde aufstellen!
Am Freitag, dem 28. April, gegen 10.30 wurden Favo und Cosmo verladen Richtung Hagen. Der Vet Check für den Special Tour war erst am Samstag ab 15 Uhr vorgesehen. Durch das lange Wochenende war der Rhythmus anders als sonst – normalerweise reist man donnerstags an, und einige waren sogar überrascht, Sönke „doch noch“ zu sehen, als wir in Hagen eintrafen 🙂
Na ja … jetzt waren wir da …
Nachmittags drehten Sönke und Cosmo eine lockere Runde unter Aufsicht von Jonny Hilberath. Schön locker tänzelte Cosmo über das Viereck, im Hintergrund der Soundcheck von Andreas Gabalier. Ganz schön laut, wovon sich Cosmo aber überhaupt nicht beeindrucken ließ.
Mit Favo waren wir noch schön spazieren und ein bisschen grasen, bevor es losging zum Konzert von Andreas Gabalier.
Morgens früh nutzte Sönke noch die Gelegenheit, unter Aufsicht von Jonny im Hauptviereck zu trainieren. Das sah schon sehr gut aus, Cosmo wollte keinen Fehler machen, und wir beendeten das Training wir sehr optimistisch.
Zurück im Stall angekommen, wartete Favo schon auf uns. Sönke hüpfte auf Favo, und los ging es Richtung Wald. Frisch und aufgeweckt galoppierte er durch den Teutoburger Wald.
Nachdem die Pferde von Alex perfekt nachversorgt waren, liefen wir gemeinsam zum Dressurstadiom, um uns ein leckeres Frühstück zu gönnen. Wir schauten uns das Abreiten an, was wir immer sehr interessant finden, bevor wir zurück zum LKW spazierten, um uns ein wenig auszuruhen – auch eine willkommene Abwechslung von zu Hause 🙂
Rechtzeitig vor dem Vet Check glänzte Cosmo uns entgegen. Das Vortraben war ein bisschen wild, aber jeder konnte dennoch erkennen, dass er hervorragend im Schuss war. Accepted!
Jetzt konnte es losgehen.
Die Starterliste kam raus, und … letzter Starter. Das ist auch mal schön. Das Glück haben wir nicht immer.
Da Cosmo in überragender Verfassung ist und er deshalb auch schon mal spontan aus Freude einen Hüpfer einbauen kann, beschloss Sönke, ihm morgens noch einmal kurz das Hauptviereck zu zeigen. Er benahm sich hervorragend, und so spazierten wir in aller Ruhe wieder zum Stall.
Das Abreiten war schon sehr schön … von Müdigkeit weit und breit keine Spur … Sönke wollte es so. Cosmo sollte sich frisch zeigen, die Saison ist noch lang, und sie haben noch vieles vor …
Cosmo war wirklich „an“, so wie wir das so schön sagen. Auf der ersten Diagonale erlaubte er sich tatsächlich einen kleinen Hüpfer. Sönke konnte ihn sofort korrigieren, und die Prüfung verlief weiter nach Plan. Mit 17 Punkten Vorsprung und drei mal Platzziffer eins gewann er die Prüfung vor Emilio mit Isabell Werth.
Wahnsinn, und das trotz einiger kleiner Schlenker 🙂
Für den Special waren wir guter Dinge. Wir wussten, dass die anderen Kaderreiter nicht klein beigeben würden. Man konnte schon am Morgentraining erkennen, was jeder so vor hatte. Auch Sönke zeigte Cosmo noch ein paar Linien. Cosmo war weiter sehr gut darauf, frisch und witzig wie immer.
Das Abreiten vor seinem Special war definitiv das schönste Abreiten, was ich je gesehen habe! So sollte es meiner Meinung nach sein … langsam und locker aufwärmen, immer wieder eine Pause eingebaut. Absolut Weltklasse!
Allein schon, wenn dieses Pferd anfängt zu galoppieren, hat man das Gefühl dass die anderen stehen bleiben (deswegen reitet keiner gern zu Hause mit Cosmo in der Bahn … es wirkt irgendwie frustrierend 🙂  )
Es gab kein Pferd, was annähernd so wirkte. Nur … die Medaille werden nicht für das Abreiten vergeben.
Jetzt die Daumen drücken, dass er die Balance findet und sein Talent positiv in Szene setzen wird. Wieder als letzter Starter, nach einem Emilio mit 80,6 %. Was für ein Ansporn.
Als Sönke Wind davon bekam, entschloss sich, er Cosmo durchzuparieren und nochmals tief Luft zu holen. Cosmo war wach … er wollte eigentlich nur los … Jonny und wir standen total hinter Sönke und unterstützten seine Idee. Dann wurde er aufgerufen und drückte uns schnell sein „Ceecoach“ in die Hand, bevor er die Zügel kürzer nahm, um Cosmo Richtung Viereck zu lenken.
Man konnte ein Nadel fallen hören …
Die Spannung stieg. Es war eindeutig sein bester Special bis jetzt. Wir waren uns sicher, dass diesmal die 8 davor stehen würde. Sönke sprang sofort von Cosmo, da wir mit Jonny beschlossen hatten, Cosmo die Siegerehrung zu ersparen. So rannte er zu Favo, der schon mit Alex an der Hand auf ihn wartete. Auf dem Weg dorthin begegnete er Ralph und Marga, die extra für ihn nach Hagen gereist waren. Während er Favo abgaloppierte, kamen die sensationellen Punkten raus … mit einem knappen Prozent Abstand gewann er die Prüfung mit 81,686 % vor einem fehlerfreien Emilio!
Wahnsinn … die 80 % Marke deutlich überschnitten!
Auch das Publikum sah die beiden weit oben! Das tat gut.
Sönke, der seinen Cosmo über den Winter behutsam hat reifen lassen, sich Valencia in der Sonne als erstes Turnier nach Rio ausgesucht hatte und jetzt Hagen mit den allerbesten Bedingungen für sein Pferd!
Jetzt genießt Cosmo eine kleine Pause, bevor es weiter zu den Deutschen Meisterschaften in Balve geht.

Bis dann,
Gonnelien