Wiesbaden gehört schon seit Jahren fest zu unserer Turnierplanung. Wochen davor checken wir schon das Wetter. Wir kennen Wiesbaden entweder bei strahlendem Sonnenschein oder unter Wasser – so extrem, dass vor ein paar Jahre die Finalprüfung (der Grand Prix Special) abgesagt werden musste.

Da der Mondkalender entscheidend ist für Pfingsten und es deshalb dieses Jahr noch eine Woche eher als 2015 stattfand, konnten uns die Wetterfrösche auch nichts Gutes berichten. Also wurden wetterfeste Kleidung und Regendecken als erstes eingepackt.

Jetzt hatten wir noch ein logistisches Problem: Wer fährt wann nach Wiesbaden?

Es wurde hin und her diskutiert, um es für jedem optimal zu gestalten. Auch wenn es für die Junioren und Junge Reiter dieses Jahr nicht als Sichtungsturnier galt, haben wir es dennoch so gehandhabt. Nur die C-Kader-Mitglieder und einige Paare, die dem Ausschuss bei den Sichtungsturnieren besonderes gut gefallen hatten, bekamen einen Startplatz. Für uns war es deshalb ganz klar, dass bei Anwesenheit des ganze Ausschusses selbstverständlich indirekt gesichtet wurde.

Da man nur mit einem Pferd startberechtigt war und wir Daisy gern auch mal das Wiesbadener Schloss zeigen wollten, bekamen wir die Erlaubnis, mit ihr in der Mannschaftsaufgabe zu starten. Toll!

Wir reisten mit Semmies Pferdchen schon am Donnerstag an. Robbie und Alex hatten morgens schon unsere Boxen eingestreut und alles so weit fertig gemacht. Das war für uns eine Riesen-Erleichterung. So konnte Semmie noch einen halben Tag in der Schule verbringen, und wir konnten zu Hause noch die anderen Pferde trainieren.

Semmies Stuten fühlten sich sofort wohl – beide hatten schnell das Gras unter ihrer Matratze entdeckt. Fleißig waren sie am Buddeln. Das Heu war uninteressant, und das Wasser wurde auch erstmal nicht berührt.

Das Training am Abend verlief wie am Schnürchen. Geisha war zwar anfangs ein wenig von den Tribünen beeindruckt, aber Daisy nahm alles ganz gelassen und trabte fröhlich über das Viereck.

Sönke hatte die Idee, mal ein Live Video aus dem Stallzelt von Wiesbaden auf Facebook zu posten. Mit mehr als 10.000 Klicks (und das, während im Fernsehen das Finale von „Germany’s next Top Model“ lief) hatten Semmie und Sönke sowie die "Zuschauer" richtig Spaß.

Die Prüfung der Junioren fand am Freitag erst um 13 Uhr statt. Also beschlossen wir, in Wiesbaden zu übernachten, den Pferden morgens um 6 Uhr nochmals das Viereck zu zeigen und dann um 7:30 sofort nach Hause zu fahren, wo Sanni schon mit Devil auf uns wartete.

Nachdem wir mit Sanni und Sönke trainiert hatten, sprang die ganze Familie (ohne Semmie, sie blieb in Wiesbaden bei ihren Pferden) ins Auto, und es ging wieder zurück zum Turnierplatz.

Daisy war als erste dran, und da sie nach einem sehr schönen Ritt mit knapp über 74% weit vorne lag, konnte Semmie es mit Geisha es ganz gelassen angehen. Langsam kamen dunkle Wolken auf … bis jetzt war es noch trocken … hoffentlich hält das Wetter.

Inzwischen waren Sannis und Sönkes Pferde auch eingetroffen, und Favo wurde schnell zwischen Semmies Prüfungen beim Vet Check vorgetrabt. Passed … und somit fing auch für Sönke das 80. Pfingstturnier an.

Geisha war super drauf, und Semmie wusste es zu nutzen! Toll! Na … doch. Da spürten wir die ersten Regentropfen. Da gibt es für uns schon seit der tollen, unvergesslichen Pony Tour mit Frau Endres nur ihren Satz: "Weiter reiten, Gott sei Dank sind wir wasserdicht!" :-))) Und so ritt Semmie trotz der schwierigen Umstände weiter, als ob die Sonne scheinen würde. Mittlerweile regnete es in Strömen, eisiger Wind blies über das Gelände, und wir hatten Bedenken , ob alles auf seinem Platz bleiben würde. Geisha wurde immer griffiger, aber Semmie blieb ganz ruhig und lenkte sie behutsam durch das Viereck. Dass es trotz ihrer hervorragenden Form unter diesen Bedingungen nicht für eine Bestleistung reichte, ist schade, aber nachvollziehbar. Geisha gewann dennoch hauchdünn vor Daisy, und beide Pferde waren weit weg von ihrer Konkurrenz. Obwohl es so regnete und stürmte, fand die Siegerehrung auf dem Platz mit Pferden statt, und wir waren froh, dass Geisha eine Decke gewonnen hatte und somit nicht ganz so frieren musste. Semmies Reithose war leider nicht mehr zu retten.

Die weiteren Prüfungen an diesem Tag wurden abgesagt, die Feuerwehr kam und versuchte, die Wassermengen unter Kontrolle zu bringen. Alle gestrichenen Prüfungen wurden auf den nächsten Tag verlegt.

Samstag

Der Regen hielt sich in Grenzen, und so ging es pünktlich um 8 Uhr los mit der Inter-II als Sichtung für die U25-EM in Hagen.

Sanni war komischer Weise sehr nervös. Warum? Ich konnte es mir nicht erklären. Sie wollte es vielleicht zu gerne zu gut machen. Sie kannte die Schwierigkeiten dieser Prüfung, und Devil ist die Inter-II das letzte Mal vor Jahren in Aachen gelaufen.

Ich war gar nicht nervös; ihre Pferde liefen zu Hause hervorragend, und Sanni hat jetzt wieder mehr Zeit und den Kopf frei für das Reiten, da sie ihre Master These inzwischen abgegeben hat.

Wolke ging eine sehr schöne Runde; zwar bekam sie nicht die Punkte von Saumur, aber mit fast 73% gehört sie absolut zu den Beste der U25! Viel Zeit zum Analysieren hatten wir nicht, da Devil schon wartete. Ihr Devil, lackschwarz und mit diesem treuen Blick. Er hat so ein Glück, bei dieser lieben Reiterin gelandet zu sein. Sie verzeiht ihm alles, nie hat er in ihren Augen etwas falsch gemacht.

Wie würde er die Prüfung laufen? Schon beim Abreiten sahen die beiden souverän aus. Er wollte keinen Fehler machen. Wir wussten nicht mehr, was wir noch abfragen sollten, und so entschied Sanni ihn, einfach nochmal am langen Zügel gehen zu lassen. Sie wurde aufgerufen, und die Zügel wurden nachgefasst. Mit gespitzten Ohren lief er den Hügel zum Schloss hoch. Hier in Wiesbaden war er schon öfters. Man sah, dass es ihm auch dieses Jahr Spaß machte, vor einer solchen Kulisse zu gehen.

Er lief fantastisch … bis auf die Zweier … schade, zwei zu wenig! Irgendwie war er so mit der Fontäne hinter der Anzeigetafel beschäftigt, dass er Sannis Hilfe nicht mitbekam.

Mit fast 75%, war er noch deutlich vor Wolke. Oh je, was hätte er bekommen ohne diesen Fehler? Wahnsinn!!! Wir waren begeistert!

Sie bekam von vielen Seiten Lob, und man sah Sanni die Erleichterung an. Sie war sichtlich zufrieden mit sich selbst. Mit Riesen-Galoppsprüngen tigerte er durch die Siegerehrung.

Um 15:30 Uhr ging es weiter mit dem Grand Prix. So hatte Sönke noch Zeit, zwischendurch mit Monica zu Hause Cosmo zu trainieren.

Für Favo war es das erste Turnier seit Stuttgart. Mal schauen … Für das erste Freilandturnier noch dazu nach einer längeren Pause durften wir nicht klagen. Favo war ein bisschen nervös, wodurch Sönke nicht immer seine ganze Aufmerksamkeit hatte. Teure Fehler schlichen sich ein, und so blieb es bei 70,9% – und damit nur einem Punkt von der Siegerin entfernt.

Abends wurden die Protokolle abgeholt, und Sanni wunderte sich, was bei der letzten Grußaufstellung passiert wäre? Sven und ich antworteten prompt:"Nichts!" Sie verstand nicht, warum sie dann nur eine 4 oder eine 5 bekommen hatte.

Sven schaute sich das Protokoll an und lachte laut."Die Grußaufstellung zählt doch nicht doppelt! Du hast eine 10 dafür bekommen!"

Tja, das ist typisch unsere Sanni, sie glaubt, sie kann keine 10 bekommen! Hahaha 🙂

Um kurz vor 19 Uhr war Geisha als nächste dran. Also … schnell mal nach Hause und eine Runde mit den Hunden drehen. Kurz abspannen, bevor es für Semmie mit der Finalprüfung weiterging.

Weil am Abend zuvor Daisy noch auf der Starterliste stand, kamen natürlich sofort die Fragen, warum sie dann doch nicht startete. Als Kaderreiter war man verpflichtet, mit einem Pferd an den Start zu gehen. Auf Nachfrage wurde auch das zweite Pferd erlaubt. Da die gecancelten Prüfungen von Freitag, auf Samstag verlegt wurden, hatte der Wiesbadener Reit- und Fahrverein ein sehr strammes Programm. Wir waren uns zu Hause schon bewusst, dass der Samstag für uns ein sehr wichtiger und sehr anstrengender Tag werden würde. So haben wir beschlossen, die Finalprüfung doch nur mit Geisha zu reiten. Von lauter lauter hatten wir vergessen, das bis 18 Uhr mitzuteilen, und so dachte die Meldestelle, wir reiten beide Pferde. Naja, nicht so schlimm. Es wurde schnellstens korrigiert.

So konnte sich Semmie in Ruhe auf Geisha konzentrieren und musste nicht wie gestern husch- husch vom einen Pferd auf das andere.

Geisha stand schon mit gespitzten Ohren im Stall. Man sah ihr an, sie wusste, dass ihr Einsatz bald bevorstand. Während des Abreitens war sie Semmie am Anfang manchmal ein wenig voraus. Das ist Geisha, immer voll dabei und eher ein bisschen wacher. Langsam bekam Semmie sie mehr und mehr an die Hilfen, aber wach war sie immer noch.

Es wurde eine tolle Prüfung mit noch deutlich Luft nach oben und überragenden Wechseln!

Mit 75,395% gewannen sie auch diese Prüfung haushoch! Wahnsinn!!!

Inzwischen war Daisy schon zu Hause, und Robbie war so nett, auch Geisha anschließend mit nach Hause zu nehmen.

Sonntag

Für sieben U25-Reiter stand um 11 Uhr ein Vet Check an.

Da wir Frühaufsteher sind, trainierte Sanni schon um 6:30 ihren Devil. Schön auf Trense machte sie ihn locker. Das sah schon sehr vielversprechend für die Prüfung am Montag aus! Sofort danach stieg sie auf Wolki. Danke an Alex! Ohne Alex hätten wir das Training nicht so gestalten können.

Wir hatten beschlossen, mit Wolki auf Kandare ein paar Abschnitte für morgen durchzureiten. Das gelang den beiden sehr gut, also ließen wir es gut sein und beschlossen, sie schön nachzuversorgen.

Der Vet Check wurde auf 13 Uhr verschoben, da der Grand Prix für den Special lief und Dr. Marc Koene nicht überall gleichzeitig sein konnte. Sannis Pferde waren super drauf und trabten locker über den Wiesbadener Asphalt.

Jetzt hatten wir genügend Zeit, um noch einmal nach Hause zu fahren und uns um unsere Hunde zu kümmern. Während ich mit den Hunden eine große Erlenhof-Runde drehte, trainierten Sönke und Cosmo unter Leitung von Monica und Sven.

Schnell was trinken, und ab ins Auto …

Wir schauten uns erst die Ponyprüfung an, ehe wir nochmals mit Devil, Wolki und Favourit durch den Park spazierten.

Die Kür

Es war so dunkel, dass wir mit einer Taschenlampe den Weg für Favo und Sönke zu beleuchten versuchten. Sönke merkte es sofort, Favo war richtig "an". Er gab ihm das Gefühl, als ob es zur Siegerehrung ging. Da kann er schon mal witzig sein und hopst übermütig herum. :-)))

Für uns sah er nur toll aus 🙂

Als letzte Starter passagierte er ins Viereck hinein. Weil Favo es ein bisschen eilig hatte, kam Sönke etwas vor die Musik. Schade, dadurch konnte er manche Lektionen nicht richtig vorbereiten, wodurch Folgefehler entstanden. Kann passieren, abhaken und weiter üben.

Auch wenn es schon sehr spät war, beschlossen wir, Favo mit nach Hause zu nehmen. Zu Hause schläft man doch am besten :-)))

Pfingstmontag

Fast geschafft 🙂

So langsam fingen wir an nachzulassen und versuchte, uns gegenseitig zu ermuntern. Das gelang ziemlich gut :_)

Sanni war voll konzentriert und ritt mit Wolki bis auf den Einerfehler eine sehr harmonische Runde. Mit 73,535% lagen sie deutlich an der Spitze. Zurück im Stall, hatte Alex Devil schon hübsch gemacht. Er glänzte uns förmlich entgegen. Alex übernahm Wolki, und wir kümmerten uns weiter um Devil. Ein Apfel, Zucker, und los geht’s!

Beiden legten eine sehr souveräne Prüfung ab und wurden mit 74,442% belohnt.

Toll!

Ein Wahnsinns-Wochenende haben unsere Kinder abgeliefert, mit überragenden Punktzahlen, und damit wird "die Latte" mal wieder höher gelegt – es geht noch besser, das wissen wir aus dem Training. Wir sind schon sehr gut "unterwegs", auch die eine oder andere kleine "Niederlage" dazukam. Das gehört aber auch dazu, um an’s Ziel zu kommen.

Wir sind unendlich dankbar, so tolle Pferde im Stall zu haben und ein solches gutes Team zu haben, in dem alle das gleiche Ziel vor Augen haben.

Ohne das geht es nicht.

Toll! Danke!

Gonnelien