Saumur, nicht unbedingt mein Lieblingsturnier. Weite Wege, tiefe Böden, und wenn das Wetter nicht mitspielt, sind die Bedingungen grenzwertig – so leider auch dieses Jahr …

Es gibt neun Plätze und eine Reithalle, dennoch ist es nicht möglich, irgendwie morgens früh sein Pferd zu trainieren. Auch mit den Hauptplätzen darf man sich nur bedingt vertraut machen, und dann nicht im Viereck, sondern nur außen herum oder während des Soundchecks. Mühsam …

Tja, nachdem wir Lier absagen mussten, blieb uns nichts anderes übrig als für Daisys EM-Qualifikations-Ergebnis nach Saumur zu fahren.

Sanni hatte Wolki eigentlich für Mannheim international bei den U25 genannt, um für Wiesbaden noch einmal Routine zu bekommen. In Saumur waren für die U25 Teilnehmer die gleichen Prüfungen ausgeschrieben wie in Mannheim, also begleiteten Wolki und Sanni uns mit nach Saumur. Für Daisy war das perfekt, so musste sie die lange Fahrt nicht ganz alleine machen.

Wir entschieden uns, abends gegen 19:30 Uhr loszufahren, also die Nacht durchzufahren. So hatten wir keinen Stau, und wir kamen pünktlich morgens zum Frühstück an.

Wir bekamen schöne Außenboxen, und die Stütchen fühlten sich sofort wohl. Nachmittags stand für Daisy schon der Vet Check an, und anschließend durften die Junioren auf dem Hauptviereck trainieren. Das war schon toll!

Wolki dagegen durfte nicht auf ihrem Hauptviereck trainieren; für die U25 Teilnehmer stand nur ein sehr tiefes Warmup-Viereck zu Verfügung. Sanneke trainierte deswegen auch mehr außerhalb des Vierecks als drin. Wolki nahm es gelassen und freute sich über diese "witzige" Trainingseinheit.

Mannschaftsaufgabe und Nationenpreis

Wir waren schon sehr nervös: Daisys erstes internationales Turnier.

Als wir nach einer Viertelstunde endlich auf dem Abreiteplatz angekommen waren, konnten wir endlich mit dem Training anfangen. Vielleicht hätten wir noch ein bisschen länger gebraucht, aber Semmie hatte alles im Griff. Stolz spazierte sie zum Hauptviereck, nahm die Zügel ein wenig kürzer und trabte an. Wahnsinn, was für ein Pferd, dieses Hinterbein, und ihre schönen langen Ohren aufmerksam gespitzt!

Eine tolle Runde mit noch kleinen Fehlern. Abwarten, was sie bekommt.

Da das Livescoring überhaupt nicht funktionierte, wussten wir eine ganze Weile noch nicht, wie ihr Ergebnis ausgefallen war. Egal … erst wurde Daisy nachversorgt, dann stand Sanni mit Wolki schon wieder bereit für den U25 Vet Check.

Da kam der Anruf von Olli Oelrich: 75 %!!! Und das trotz Patzer! Wahnsinn! 5 % Abstand zur Nummer zwei!!!

Damit hat auch Daisy neben Geisha ihre EM-Kriterien mit Erfolg erfüüllt :-))) ‚Nebenbei" gewann Daisy zusammen mit Friend of Mine, Rendezvous, und Feodor auf Anhieb ihren ersten Nationenpreis für Deutschland – herzlichen Glückwunsch an alle!

Sanni trainierte Wolki auf dem offiziellen Trainingsplatz (der Platz stand uns nur für einen Tag zur Verfügung). Weil Sanni nichts anders übrig blieb, musste Wolki wieder auf sehr tiefem Boden ackern. Wolki gibt immer alles, und so merkte man es ihr zum Glück kaum an.

Freitag

Ruhetag für Semmie und Daisy und die Einlaufprüfung für Sanni und Wolki.

Mit Premiere: Wir haben Wolki jetzt schon neun Jahre, aber noch nie sind wir eine Prüfung geritten, ohne ihr vorher den Platz zu zeigen. Wir waren gespannt. Wir hofften auf Sannis und Wolkis Erfahrung.

Der einzige gute Boden draußen war das Zehn-Minuten-Viereck vor Wolkis Prüfungsplatz. Das nutzten wir auch ausgiebig aus. Wolki freute sich – und ließ sich nichts davon anmerken, dass der Platz ganz neu für sie war. Die Prüfung verlief bis auf Kleinigkeiten fehlerfrei; 74%, und damit gewannen sie mit 4% Abstand! Super!!!

Nachdem sie den ganzen Tag diskutiert hatte, schaffte Frau Endres es doch, das die Ponyreiter und Junioren abends wenigstens im Schritt um das neue Hauptviereck für den nächsten Tag reiten durften. So sattelten wir schnell Daisy, um ihr das Viereck zu zeigen. Währenddessen begleitete Sven Sanni und Wolki zu ihrer Siegerehrung auf dem Hauptplatz. Alex flitzte zwischen beiden hin und her … was für ein Tag 🙂

Svens Barbecue rundete den Tag wunderbar ab. Danke, Schatz!

Wir zogen uns für den nächsten Tag schon mal warm an. Der Wetterbericht meldete nur Regen. Nicht, dass wir nicht schon mal im Regen geritten sind, aber wie gesagt, in Saumur ist Regen eine wahre Katastrophe! Die Plätze sind dafür nicht geeignet und lassen das Wasser gar nicht ab. Die Franzosen sehen es gelassen, geschleppt wird nicht. Das 10-Minute-Viereck vom Hauptplatz gab es am Samstag auch nicht mehr.

Okay, da mussten alle durch.

Sanni hatte das Glück, dass ihre Finalprüfung im Stadion stattfand. Damit stand für die U25 Reiter als Warm up die Halle zur Verfügung. Das freute uns für Wolki. Nachdem sie schon mehrere Tage bei schlechten Bodenverhältnissen gehen musste, konnte sie jetzt endlich mal durchatmen. Das Stadion kannte sie noch vom vorherigen Tag, von der Siegerehrung der Einlaufprüfung. Da hatte man einen klaren Vorteil gegenüber den Reitern, die in der Einlaufprüfung nicht platziert waren. Für sie gab es keine Möglichkeit, den Platz kennenzulernen.

Wolki lief eine sehr schöne Runde, auch wenn sie sich ein wenig von der Umgebung ablenken ließ und somit ein Wechselfehler entstand. Schade, aber mit 73,1% blieb sie der Konkurrenz immer noch 3% voraus.

Wolki hatte seit Stuttgart keinen Turniereinsatz mehr gehabt; Sanni hat sich intensiv ihrem Studium gewidmet, und so bleiben für Turniere vorerst keine Zeit. Wolki freute sich sichtlich, wieder dabei zu sein.

Schnell ging es wieder zurück in den Stall, da Semmie und Daisy schon bereit standen für ihren Einsatz. Es regnete in Strömen weiter. Wir hatten schon Mitleid mit Daisy, da sie diesmal auf das Viereck musste, wo Wolki am gestrigen Tag war und der Boden unheimlich tief und schwer ist. Durch den Regen wurde das nicht besser.

Wir entschieden uns deswegen, nicht so lange abzureiten und lieber auf die Gesundheit unseres Pferdchen zu achten. Sie ist noch so jung, und sie gibt immer alles!

Auch das 10-Minuten-Viereck war eine Zumutung für die Pferde. Trotzdem walzte Daisy durch die Matschepampe, als ob sie nichts anderes gewöhnt wäre 🙂

Das Hauptviereck stand mittlerweile ganz unter Wasser, die Kinder , die sich rührend um das Abholen der Protokolle und um das Schließen des Vierecks kümmerten, wurden zum Schutz vor dem Regen in große schwarze Plastiktüten gehüllt, genau wie die Musikboxen. Stühle lagen kreuz und quer, Zuschauer fanden schnell Schutz unter dem einzigen (kleinen) Pavillon auf dem ganzen Gelände.

Daisy hob ihre Hinterbeinchen noch höher als sonst … ganz aufmerksam trabte sie gegen den stürmische Regen an. Die Prüfung verlief Spitze, bis es immer unruhiger wurde. Der Wind wurde heftiger, die Müllbeutel an den Boxen flatterten, und auch die Zuschauer waren sehr "witzig" drauf. Daisy bekam richtig Angst, sie traute sich nicht mehr, auf die kurze Seite zuzugaloppieren. Sie parierte zweimal auf der gleichen Diagonale mit erhobenem Köpfchen durch. Die Angst stand ihr in den Augen. Semmie lobte sie und drehte sie jedesmal ganz behutsam um. Schade … keine Platzierung, trotzdem noch 70%! Sven schaute sich ihr Protokoll an und stellte fest, dass sie auf dem Weg zu ihrem persönlichen Rekord gewesen waren. Bis dahin standen sie auf fast 79%!!!!! (Ein kleiner Trost!)

Die Kür

Daisys Kür ist noch nicht ganz fertig, und so beschlossen wir, Geishas Kür mit ihr zu reiten. Nicht optimal, aber unser Ziel war es, Daisy wieder Selbstvertrauen zu geben, um mit einem guten Gefühl nach Hause fahren zu können. Morgens trainierten wir auf Trense und machten viele Trab-Galopp-Übergänge im leichten Sitz. Daisy freute sich 🙂

Diesmal waren wir wieder auf einem anderem Platz. Wir verzichteten darauf, Daisy das Viereck vorher zu zeigen, da es nur während des Soundchecks gestattet war. Diesen Stress wollten wir Daisy ersparen.

Mal schauen …

Sie lief eine sehr souveräne Kür und gewann wieder haushoch mit 4% Abstand ihre Prüfung. Komplimente bekam sie während der Siegerehrung vom Richter bei C, Herrn Saleh. Er war beeindruckt von Semmies neuem Pferd. Toll! Er sah die beiden auch deutlich über 80% :-)))

Auch Valentina wagte den Weg nach Saumur. Es hat sich gelohnt: Mit einer Bestleistung von 73,5% in der Einzelaufgabe bei den Ponys und einem Sieg bei den Children mit Dorino hatte sie am Samstag ihr Ziel schon erreicht. Super, Valentina!

Nach einer kleinen Panne mit unserem Hänger (wenn schon, denn schon …), kamen wir alle gegen Mitternacht wohlauf (das Wichtigste!) wieder in Bad Homburg an.

Bis dann,

Gonnelien