Papa sagt immer: „Das Leben ist wie eine Achterbahnfahrt.“ Da hat er recht … das habe ich leider gestern erneut gemerkt. Mal sitzt man in seinem Waggon gannnnz oben und fühlt sich freier, glücklicher und unantastbarer denn je. Doch dann geht die Fahrt weiter und man fällt tief. Wenn man den tiefsten Punkt erreicht hat, wird man wieder geerdet. Es wird einem bewusst, wer wirklich für dich kämpft, auch wenn es gerade schwierig ist. Es wird einem bewusst, was und wer wirklich zählt, um was sich alles dreht im Leben. Und wovon man sich nicht abhängig machen sollte.

Nach Wiener-Neustadt und Kronberg hatte ich ein sehr gutes Gefühl, und das zum Anfang der Saison schon. Meine Stuten zeigten sich von ihrer besten Seite und haben alles für mich gegeben. Auch jetzt im Training für Warendorf haben beide motiviert und zufrieden mitgearbeitet. Alles war schon gepackt, bis ins Detail geplant.

Doch dann kam die böse Überraschung. Mein Waggon fuhr gerade über die höchste Spitze der Achterbahn und neigte sich dem Boden zu … Geisha kam vom Paddock mit einem dicken Bein. Sie muss sich irgendwo angehauen haben. Ein Schock, der einem kurz den Atem raubt … so eine Nachricht möchte keiner hören, erst recht nicht, wenn man nur noch einen Tag bis zur ersten Eurosichtung hat. In solchen Momenten merkt man, wer alles für dich tut, kämpft, damit es klappt. Wer hinter mir steht. Trotz der ganzen Mühe passierte dies doch leider zu kurzfristig.

Ich weiß, dass Geisha, wenn ich sie mitgenommen hätte, zu 100% gekämpft hätte und alles geben würde. Geisha ist eine Kämpferin durch und durch. Sie hätte sich nichts anmerken lassen. Nichtsdestotrotz habe ich mich dazu entschieden, dies nicht zu tun. Sie ist für mich so ein besonderer Partner, Freund und besonderes Pferd, dass ich niemals ihre Liebe zu mir ausnutzen würde. Wir sind ein Team. Und als Team unterstützt man sich und beschützt sich in schweren Momenten. So wie sie mich im Viereck beschützt, helfe ich ihr und treffe die Entscheidung, lieber nur mit Daisy anzutreten.

Auch für mich ist das natürlich erstmal eine Umstellung. Es ist das erste Mal für mich, seit ich Großpferde reite, dass ich ohne meinen schwarzen Panther beim Preis der Besten antrete. Das bringt mich direkt zum nächsten Sprichwort. Meine Oma sagt immer: „Was dich nicht umbringt macht dich nur noch stärker!“ Und das stimmt. Jetzt sitze ich im LKW mit einem tollen Team und einem überragendem Pferd hinten drauf. Geisha wünscht uns von zu Hause aus Glück und ist im Herzen immer dabei. Und man soll ja bekanntlich immer das Positive sehen. Daisy freut sich bestimmt wie ein Honigkuchenpferd, dass die ganze Aufmerksamkeit auf sie gerichtet ist 🙂

Wir werden alles geben, um Geisha stolz zu machen 😉 und wir freuen uns!

Liebe Grüße,

Semmie

P.S. jetzt brauchen wir extra viele gedrückte Daumen von Euch allen …