Liebe Freunde, liebe Leser,

ich sitze gerade im LKW auf der Heimreise von Jerez und wollte die Zeit nutzen, um euch über das Turnier zu berichten.
Seit einigen Wochen stand schon fest, ich möchte nach Jerez mit Cosmo! Auf Bildern sah die Anlage schon sehr beeindruckend aus, ich könnte frühzeitig in die Freilandsaison starten, und es sind einige Richter, dort die die Olympischen Spiele in Rio richten bzw. einige 5* Richter. Aus diesen Gründen dachte ich mir, es wäre eine super Probe, um einfach mal zu sehen, wo man steht und wie wir überhaupt international so ankommen. Ich dachte ehrlich gesagt, dass ich einer der wenigen sein würde aus Mitteleuropa, der die lange Reise nach Jerez antritt, immerhin sind es von uns aus 2.420 KM!!! Falsch gedacht … Nach und nach wurde klar, die Engländer (Charlotte, Carl, Richard) haben sich wahrscheinlich das selbe gedacht und wollten auch nach Spanien an die Sonne. Ich hab mich natürlich gefreut, Valegro und Nip Tuck mal wieder zu sehen, und es macht Spaß, anderen Topreitern beim Training zuzuschauen. Anderseits wird es sportlich gesehen viel anspruchsvoller, gegen solche Namen in den Wettkampf zu gehen.
Die Reise nach Jerez war sehr schön, aber schon sehr weit. Robbie, mein Vater und ich haben den weiten Weg mit Cosmo und Ganymedes auf uns genommen. Wir hatten geplant, die Pferde unterwegs zweimal einzustallen in Montpellier und Valencia. Sicherheitshalber haben wir noch an anderen Standorten auf der Route Boxen reserviert, zum Beispiel in Lyon, falls es den Pferden oder uns nicht so gut gehen würde wie gedacht. Glücklicherweise verlief alles wie gehofft! In Montpellier standen wir in einem Schulbetrieb, wo viele Kinder waren. Das war sehr schön. Die Kinder waren alle direkt verliebt in Cosmo und Gany. Robbie musste ein bisschen darauf achten, dass Cosmo und Ganymedes sich auch ausruhen und nicht nur ihren Fans gefallen und sich Streicheleinheiten abholen. Ganymedes hat das Rampenlicht besonders genossen und einige Fans und Groupies in Montpellier zurückgelassen 🙂 In Montpellier konnte man schon ahnen, was für tolles Wetter uns in Jerez erwarten würde. Die Pferde – und wir auch – haben die Sonnenstrahlen wirklich genossen.
Nach ein paar Stunden waren die Pferde und wir wieder ausgeruht, und wir beschlossen wieder in die Nacht hinein weiter zu fahren Richtung Valencia. Die Strecke nach Valencia war echt schön zu fahren, lange gerade Autobahnen! Wie schon nach Montpellier hat mein Vater den Großteil der Strecke als Chauffeur auf sich genommen, jedoch durfte ich auch mal ans Steuer, als ihn dann doch ab und zu die Müdigkeit überkam 😉
In Valencia war es wieder angenehm für uns, dass die Boxen schon vorbereitet waren und wir nur die Pferde abladen mussten. Beide Pferde haben sich direkt wohl gefühlt und waren in einer tollen Verfassung. An dem Ort, wo wir eingestallt haben in Valencia, war zeitgleich ein relativ großes Springturnier, so war der Aufenthalt ein bisschen spannender. Nach ein paar Stunden Pause haben wir uns auf die letzte Strecke Richtung Jerez gemacht. Die Strecke war sehr kurvig und nicht ganz so angenehm zu fahren für die Pferde. Robbie hat sich dann einfach ein paar Stunden zu Cosmo und Ganymedes gestellt und hat die zwei ein bisschen beschäftigt mit Lekkerlies und Kraulen. Das haben die zwei wirklich sichtlich genossen. Wir konnten das vorne schön beobachten über die Kamera, die hinten im Pferdeabteil installiert ist 😉
Sonntag Abend sind wir dann endlich in Jerez am Turnierplatz angekommen. Die Anlage ist der absolute Traum! Wir waren in den festen Stallungen einquartiert, wo normalerweise die Hengste der Reitschule zuhause sind. Überall waren Orangenbäume mit großen saftigen Orangen dran. Vier oder fünf Storchenpaare hatten ihre Nester auf der Anlage, und es war echt ein Genuss, die Flugkünste dieser Tiere zu beobachten. Wir gehörten zu den ersten am Turnierplatz und hatten das Glück, uns so in Ruhe einzurichten und es den Pferden so gemütlich wie nur möglich zu machen. Die Pferde konnten sich so den Abend und die ganze Nacht von der Fahrt erholen. Ehrlich gesagt konnte man den zweien die lange Fahrt kaum ansehen!
Am nächsten morgen waren die zwei natürlich sehr frisch von knapp drei Tagen nur LKW und Schritt führen. Sie waren voller Energie und haben sich anscheinend gefreut auf eine lockere Trainingseinheit im sonnigen Spanien 😉 Wir haben früh am Morgen beide circa 20 Minuten geführt und uns mit ihnen zusammen vertraut gemacht mit der schönen Anlage mitten in der Stadt von Jerez. Nach und nach kamen die anderen auch alle an. Langsam aber sicher kam Turnieratmosphäre auf. So gegen Mittag beschlossen wir, Cosmo zu reiten. Somit konnte er richtig die Sonne genießen und ohne Decke die Wärme auf seinem Rücken spüren. Wir haben ihn circa 25 Minuten ein bisschen gearbeitet und er hat sich direkt super angefühlt. Es macht einfach immer wieder Spaß, dieses Pferd zu arbeiten, weil er alles so locker und einfach mitmacht. Man würde erwarten, dass er eventuell etwas steif oder verklemmt ist von der Fahrt, aber es war nichts dergleichen zu spüren oder zu erkennen 🙂
Ganymedes war sehr, sehr frisch am ersten Tag. Wir beschlossen, ihn erstmal kurz zu longieren, damit er etwas Luft rauslassen kann. Das hat er auch ausgenutzt. Haha, er hat gezeigt wie beweglich er ist in der Luft und ein paar Bocksprünge gemacht. Er hat wahrscheinlich gehört, was für Kunststückchen die Spanier dort in der Reitschule zeigen und wollte das gleich mal ausprobieren … haha.
Als ich mich dann drauf gesetzt habe, zeigte er sich von seiner besten Seite, und unser Black Beauty konnte viele Blicke auf sich ziehen.
Am nächsten Morgen konnte man auf dem großen Platz zwei Pferde beobachten, die ausgiebig außen herum galoppierten, Valegro und Wanadoo mit Alan und Tim. Es war sehr schön anzusehen, wie frisch und wach so ein Superstar gearbeitet wird.
Unsere beiden Superstars waren am zweiten Tag auch in einer Spitzenverfassung! Cosmo hat Blickkontakt mit den Störchen aufgenommen und ausgiebig das Schloss von außen begutachtet. Man hatte den Eindruck, Cosmo war genauso beeindruckt von den Flugkünsten der Störche wie wir. Es war toll anzusehen, mit welcher Gelassenheit und Ruhe sich Cosmo die Störche anschaute. Auch Ganymedes hatte sich eingelebt in Spanien, und wir konnten somit anfangen, ein paar Lektionen abzufragen, da Ganymedes ja schon einen Tag früher dran war als Cosmo. Cosmo brauchte noch keine Lektionen; er durfte noch etwas länger die Kulisse genießen und beim Reiten ein bisschen rumspielen. Hehe 🙂
Am Mittwoch waren so ziemlich alle angereist, und wir konnten so vielen Leuten beim Training zuschauen, was sehr interessant war. Charlotte und Valegro konnten wir sehen sowie einige der Portugiesen und natürlich die Spanier. Alte Bekannte aus den aktiven Zeiten meiner Eltern waren auch vor Ort, Rafael Soto und Ignacio Rambla. Die zwei waren unter anderem auch in Atlanta und Athen bei den Olympischen Spielen und reiten an der Reitschule in Jerez. Wir konnten uns sogar einen Teil der Show ansehen, was wir teilweise sehr beeindruckend fanden. Die Spanier präsentieren ihre Pferde mit so einem gewissen Charme, und da guckt man einfach gerne hin, wenn ein Reiter seinen Stolz über sein Pferd ausstrahlt. Cosmo zeigte sich toll, und viele Leute kamen auf uns zu, um uns zu sagen, wie beeindruckt sie von Cosmo sind. Das war schon schön zu hören, wie viele Leute unseren Cosmo zu schätzen wissen 🙂 Er ist auch einfach ein Hingucker 🙂
Ganymedes war sehr bei der Sache, und ich hatte ein gutes Gefühl für unseren ersten gemeinsamen Start am Donnerstag. Die Aufgabe hatten wir im Internet rausgesucht und waren guter Dinge, dass Ganymedes gut vorbereitet ist auf unsere Premiere. Es stellte sich jedoch heraus, dass wir die Aufgabe von 2015 gelernt hatten und nicht die aktuelle aus 2016. Mein Vater und ich sind kurz vor dem Aufsitzen zum Abreiten vorab zum Hauptplatz gegangen, um die Prüfung noch einmal durchzugehen. Irgendwie hatten wir beide unsere Zweifel, ob unsere Quelle aus dem Internet verlässlich ist. ZUM GLÜCK!!! Mein Vater ist dann zum Turnierbüro gelaufen, und netterweise hat uns der Veranstalter einen Ausdruck der Aufgabe gegeben – wir hatten natürlich die falsche. Ich musste nur die ganze Zeit ein meine Mutter denken, weil sie mich bestimmt schon fünfmal daran erinnert hatte, die richtige Aufgabe rauszusuchen und zu lernen. Innerhalb von zehn Minuten musste ich dann die Aufgabe auswendig lernen. Zum Glück hat das geklappt, ich hab mich nicht verritten! Ganymedes lief eine super Runde und ich bin echt stolz auf ihn, wie er das mit seinen sechs Jahren gemeistert hat. Wir haben uns sogar eine 8,8 für die Durchlässigkeit abgeholt, was dafür spricht, wie wohl sich Ganymedes in Spanien gefühlt hat. Ganymedes hat somit souverän gewonnen und einiges vorgelegt und somit den Druck auf seinen Nachbarn Cosmo erhöht, haha. Cosmo hat sich davon nicht ablenken lassen 😉
Donnerstag Abend kam Monica nach Spanien, da aus Deutschland außer uns auch noch Mathias und Marie mit Goldi in Spanien waren. Donnerstag Abend konnten wir dann gemeinsam mit Monica noch auf dem Hauptplatz trainieren und die letzten Feinheiten üben sowie das Einreiten, Halten, Grüßen. Das hat sich ausgezahlt!

Für Freitag war Sturm und Regen vorhergesagt. Das konnten wir natürlich zuerst nicht glauben, zumal wir die anderen Tage wirklich traumhaft schönes Wetter hatten … aaaaaber der Regen kam, und wie! Wir Reiter waren uns einig, es ist besser, in der Halle abzureiten und draußen die Prüfung zu reiten als anders herum. Gleichzeitig sollte dies Cosmos und meine Premiere im Regen werden. Für das Einreiten, Halten, Grüßen bekamen wir sogar von einem Seitenrichter die 10! Insgesamt lief Cosmo eine tolle Runde. Wir hatten noch ein Paar Schnitzer im Grand Prix, aber unter den Umständen muss ein Pferd sich auch erstmal so zeigen wie unser Cosmo. Wir wussten ja nicht wirklich, wie er auf dem Turnier bei Regen und Sturm reagieren würde. Cosmolini hat Robbie stolz gemacht, da er ein bisschen im Wettkampf war mit seinem besten Freund Alan, dem Pfleger von Valegro und Nip Tuck. Cosmo hat gewonnen!!! Alle Richter hatten Cosmo auf Platz 1, das war wirklich toll! Robbie und Alan sind danach natürlich trotzdem gemeinsam essen gegangen :-)))
Für mich war es sehr schön auf diesem Turnier, dass es hier jeder einem gegönnt hat, wenn man Erfolg hatte, und das ist in der Dressurwelt sehr selten. Man hatte den Eindruck, alle Engländer, Spanier, etc. freuten sich für uns mit und gönnten uns den Sieg vom ganzen Herzen! Das war toll! Samstag war wieder Ganymedes dran. Beim Abreiten war er wirklich toll drauf. Im Nachhinein hätten wir kürzer abreiten können. Man merkte schon, dass er ein bisschen müde war; immerhin war er ja schon über eine Woche von zu Hause weg, und so ein Übernachtungsturnier strengt die unerfahrenen Pferde eben doch ein wenig an. Trotzdem gelang uns eine fehlerfreie Runde, und die Aufgabe kannte ich dieses Mal schon im Voraus! Haha, trotz allem konnten Gany und ich ganz knapp hinter dem Sieger den zweiten Platz gewinnen: 80,4%!!!
Cosmo war am Samstag richtig ausgeschlafen von seinem Sieg im Grand Prix. Somit konnten wir zusammen mit Monica ein wenig die SpeZial-Abschnitte testen. Der Spezial scheint wirklich Cosmos Aufgabe zu sein!
Am Sonntag war es dann soweit, unser erster Spezial! Das Wetter war schön, und die Tribünen waren voll! Das war schön und gab dem Turnier noch das gewisse Etwas. Cosmo ließ sich selten so gut reiten in der Prüfung wie am Sonntag. Wir hatten viele, viele Höhepunkte jedoch auch ein paar teure Fehler. Doch der teuerste Fehler geht definitiv auf meine Kappe!!!! 🙁 Ich war so vertieft in die Prüfung, das ich vor lauter lauter komplett die Galopptraversalen vergaß! Leider gibt es ja seit 2016 2% Abzug für Verreiten, und wir bekamen somit eine Endnote von 77,9%! Ärgerlich, ärgerlich, wir hätten vielleicht sogar die 80% geknackt ohne meinen Patzer. Naja, ich wurde von Charlotte in den Club aufgenommen, denn sie hat sich wohl auch einmal genau an der Stelle verritten mit Valegro. Das tröstet aber auch nicht wirklich. Haha. Hoffentlich passiert mir das nicht wieder. Ist schon ärgerlich, so teure Punkte zu verlieren.

So neigt sich die Woche in Jerez dem Ende zu, und wir sind gerade auf der letzten Etappe von Montpellier nach Bad Homburg mit unseren Superstars!
Liebe Grüße, euer Sönke