Leider hatten wir an diesem vollgepackten Wochenende keine Zeit, Euch täglich auf dem Laufenden zu halten. Aber durch die Live-Ergebnisse bekam ja erstmal jeder mit, wie es lief.

In Weert wurde sogar extra der Wecker gestellt, damit die Familie in den Niederlanden Sönkes Auftritt nicht verpasste! Wie süß! Bei Sönkes Ritt waren sogar der Golfspieler und der Springreiter begeistert 🙂

Das Training gestaltete sich ähnlich wie vor dem Preis der Besten, nur dass Sanneke und Sönke auch noch mit dabei waren. Ich habe lieber gar nicht darüber nachgedacht, wie wir das alles wieder schaffen werden …

Semmieke machte eine Liste, auf der genau eingetragen war, welches Pferd wann trainiert und an den Start gehen wird. Welcher Pfleger die Pferde fertigmachte machte und wer sich um das Futter kümmerte. Jeder wurde eingeteilt, jeden Abend bekamen die Pfleger zusätzlich den Ablauf des kommenden Tages. Es lief hervorragend. Sven waren neben dem Management noch für das Grasen zuständig 🙂 Ich kümmerte mich um die Mädchen, damit die Haare schön eingeflochten waren, und ging die Prüfung noch einmal mit ihnen durch.

Wir waren schon sehr nervös. Wenn das Training so gut verläuft, sind wir generell nervöser. Als Ponyreiter oder Juniorin reitet man selten vor so einer Kulisse. Und dann auch noch vor so vielen Zuschauern! Ein Traum!

Geisha und Paso waren das erste Mal in Wiesbaden mit dabei. Wir waren gespannt und gaben Semmie die Aufgabe, die Prüfung von Punkt zu Punkt zu reiten. Die Mannschaftsaufgabe der Junioren ist nicht so unsere Aufgabe. Irgendwie fließt diese Aufgabe nicht. Auch zum Zuschauen gefällt sie mir nicht.

Geisha trabte aufmerksam um das Viereck. Sie ist eine echte Dame und genießt es, sich zu zeigen.

Semmie meisterte ihre Aufgabe hervorragend, und es war definitiv ihre beste Mannschaftsaufgabe mit Geisha (bis jetzt)! So sahen die Richter es auch, und es würde ein persönlicher Rekord. Wahnsinn!

ClipMyHorse veröffentlichte den Siegersritt. Abends bekamen wir auf dem Weg nach Hause einen Anruf, dass wir uns nicht wundern sollten, aber sie würden das Video runternehmen, da sie entsetzt waren, wie die Leute auf ein 15jähriges Kind losgingen. Wir konnten uns in dem Moment darüber keine Gedanken machen – mir ging nur durch den Kopf, dass der morgige Tag anstrengend und lang werden würde. Semmie sollte sich bloß davon nicht ablenken lassen.

Unser Motto: " Such Dir Deine Freunde mit Sorgfalt – die Feinde finden sich von alleine"

Nachdem Deveraux und Favourit gut durch den Vet Check waren, ging es für beide morgens in den Grand Prix. Beide kamen in die Platzierung. Wahnsinn, und das in Wiesbaden!

Wir waren mächtig stolz, unsere Kinder alle so beritten zu haben, dass jeder sein Hobby mit Freude und Erfolg ausüben kann.

Sven wurde ein bisschen nervös wegen Geisha, da die Flutlichtgerüste neu neben dem Viereck aufgebaut geworden waren. Ich hatte mehr Bedenken wegen des Lichts. Mal schauen …

Beim Abreiten war sie super drauf. Semmie hat Geisha richtig schön in Form. Herr Koschel warnte uns schon, dass es für die Pferde ganz schwer ist. Mehrere Pferde waren von der Atmosphäre abgelenkt und konnten ihre Leistung durch die Anspannung nicht ganz zeigen.

Wir konnten es nicht ändern, und Semmie musste da jetzt durch.

Geisha trabte ganz tapfer rein, bis … sie auf das Gerüst zutrabte und gleichzeitig in der Ecke ein Luftballon platzte. Das war zu viel, und sie traute der Sache nicht und drehte um. Da an der anderen Seite auch so ein Gerüst stand, dachte sie wahrscheinlich, dass es da auch gleich knallt (oder war es doch das Licht?). Und wieder drehte sie sich um. Semmie war sichtlich überrascht, da wir ein solches Verhalten gar nicht von Geisha kennen. Irgendwie schaffte sie es dennoch, Geisha im Schritt ruhig daran vorbei zu leiten. Tracy beruhigte mich und wusste, dass Geisha im Viereck wieder bei Semmie sein würde. Ich war mir noch nicht so sicher …

Und … so kam es. Geisha war voll bei Semmie, und sie ritten trotz allem eine sehr ausdrucksstarke Kür. Semmie war sehr erleichtert, und am schönsten fand ich, wie sie sich bei Geisha bedankte, weil sie in dieser Prüfung das Gefühl bekommen hatte wie damals mit Goldi, dass sie alles für Semmie gibt! Wir haben viel gelernt. Ich freue mich für Semmie 🙂

Sönke brachte Geisha anschließend nach Hause, damit sie die nächsten Tage nicht auf ihren Koppelgang verzichten musste :-))) Sie hatte es sich verdient!

Am Samstag hatten wir viel zu tun. Wolke und die Ponys waren dran, und abends spät Sönke mit Favo. Dazwischen noch das Training mit Deveraux. Naja, uns wird es auf jeden Fall nicht langweilig 🙂

Wolke lief eine sehr schöne Runde, was auch belohnt wurde – Sanni konnte die Prüfung mit Abstand gewinnen. (Jetzt noch die Wechseltour Fehlerfrei 🙂 )

Paso …

Toll, wie tapfer sie zwischen der Menschenmenge konzentriert bei Semmie blieb! Semmie bekam Lob von Herrn Oelrich, weil sie Paso so schön vor sich hatte. Danke, Olli!

Deini lief eine hervorragende Runde! Bei einem Richter wieder über der 80%-Marke. Supi! Platz eins und vier.

Wir ruhten uns ein wenig aus, um für Sönkes Auftritt mit Favo wieder fit zu sein.

Als wir zum Stall liefen, um Favo zu satteln, sahen wir aus dem Ferne das Flutlicht und das schön beleuchtete Schloss. Was für ein Traum. Sönke freute sich.

Favo sah während des Abreitens so super aus! Thanks Robbie :-)))

Sönkes Motto war: "Spaß!“

Als letzte Starter gaben die beiden alles. Es wurde belohnt, und sie kamen auf den zweiten Platz. Toll!

Auch wenn es schon sehr spät/früh war, kamen viele Anrufe, um Sönke mit seinem Favo zu gratulieren. Das tat sehr gut. Danke!

Wir entschieden uns, im LKW zu übernachten, da wir morgens schon wieder recht früh im Stall sein mussten.

Pony Kür!

Semmie bekam von einer Stewardin ein Kompliment, weil sie sie Paso mit so viel abritt und es ihr so einen Spaß machte, den beiden dabei zuzuschauen.

Paso benahm sich hervorragend, es fehlte ein bisschen der Mut, noch mehr vorwärts zu reiten. Beim nächsten Mal!

Deini wirkte ein bisschen müde. Seit Freitag war er schon auf dem Turniergelände. Das zehrt schon. Ohne Genehmigung durfte man das Gelände nicht mehr verlassen. Das nahm zwar nicht jeder so ernst, aber wir können und möchten uns so etwas nicht erlauben, da es gegen die Regeln verstößt und man uns sofort angreifen würde. Richtigerweise!

Deini kam während der Prüfung ein bisschen tief, und so wurden sie knapp geschlagen.

Wir konnten uns nicht lange damit aufhalten, da Sanni schon mit Wolki bereit stand für die Finalprüfung der U25.

Alles sah sehr schön aus, bis … es zweimal klingelte. Sanni parierte durch und schaute den Richter bei C an, warum er geklingelt hatte. Er hatte nicht geklingelt, sondern es war ein Fahrradfahrer, der während der Prüfung kurz vor den Zweierwechseln geklingelt hatte. Die Richter waren alle sehr fair und entschieden, das nicht als Verreiten zu bestrafen. Trotzdem war der Faden ein bisschen gerissen, und es kam zu einem Fehler, aber bis dahin waren die beiden super unterwegs. Super, Sanni!

Jetzt Devil …

Sein allererster Special. Wie würde er das meistern?

Sönke ging mit Sanni den ganzen Ablauf durch. Sehr rührend!

So wie in Hagen übernahm er wieder das Training beim Abreiten. Sanni setzte seine Anweisungen super um, und Devil war ganz aufmerksam. Er sah fantastisch aus. Was für ein Pferd :-)))

Sanni nutzte ihre Erfahrung und ritt mit einem Lächeln im Gesicht einfach den Special durch. WOW! Alle waren begeistert, und Devil genoss es. Sein Applaus!

Ich glaube, ab jetzt ist es aus der Welt das dieses Pferd nicht piaffieren kann – dieses Pferd, das Sanni ganz selber ausgebildet hat und das sie bewusst lange Zeit aus dem Sport genommen hat. All das Gerede, dass er lange lahm war und oder er sowieso kein Grand-Prix-Pferd werden würde und noch viel mehr … es ließ Sanni kalt, und sie konzentrierte sich auf ihr Studium und auf das tägliche schöne Training mit ihrem Devil. Sicherlich hat ihr die Erfahrung mit Favo und auch mit Wolki viel geholfen, Devil weiter auszubilden.

Als sie aus dem Viereck ritt, kamen mir die Tränen. Sie hatte ihr Ziel erreicht, einmal mit Devil zum Special vor dem Schloss einzugaloppieren.

Als Mutter bin ich unfassbar stolz. Nicht weil die drei erfolgreich sind, sondern auf die Art, wie sie zusammenhalten. Egal, wo und wann, sie sind immer für einander da, ob in der Schule, in der Uni oder beim Sport. Wie sie einander unterstützen und sich gegenseitig stark machen. Welche Entscheidungen sie treffen. Alles wird miteinander diskutiert und besprochen. Sie erkennen ihre Fehler und handeln. Sie haben unglaublich viel Disziplin, können sehr gut mit Kritik umgehen und bleiben dabei immer höflich. Sie benutzen dabei nicht immer die Lebenserfahrung der Eltern. Ihre schlechten Erfahrungen machen sie immer wieder aufs Neue selbst.

Sehr erfreut war ich, als jemand vom Turnierveranstalter auf mich zukam und mir sagte, was für höfliche und nette Kinder wir haben. Dass man ihnen den Erfolg gar nicht anmerkt und sie so normal sind.

Wieder zu Hause angekommen, ausgepackt und die Pferdchen gewaschen, freuten wir uns wieder auf die Arbeit mit den Pferden, die zu Hause geblieben waren und auch unsere Aufmerksamkeit möchten und brauchen.

Liebe Grüße,

Gonnelien Rothenberger

P.S. Sorry für diese späte News, leider kam ich erst jetzt dazu.