Es waren lange Tage in Vechta, mit wenig Schlaf, da wir zwei Pferde dabei hatten, die viel Zuwendung brauchen. Morgens sind wir schon früh um das Viereck spazieren gegangen, und Cosmo haben wir mehrmals an der Hand draußen gehabt, damit er die Atmosphäre ein wenig beschnuppern konnte.

Die Ponyprüfungen fingen immer früh an und die Jungen Reiter erst spät nachmittags. Deshalb waren wir sehr froh, dass Steffi, unsere Stallmanagerin, uns auf diesem Turnier behilflich war. Das war schon eine sehr große Erleichterung – auch weil Sven heute Morgen bei Semmies Prüfung nicht da sein konnte, weil er in Ermelo (NL) einen St. Georg gerichtet hat und danach noch zum "Frühshoppen" auf der Hengststation Holkenbrink gefahren ist, um Ganymedes und Michele zu helfen und dann wieder rechtzeitig für Sönke und Cosmo da zu sein. Verrückt … aber wir nennen es passioniert 🙂

Semmie ritt zwei sehr schöne Prüfungen. Am Samstag war es sehr nebelig und entsprechend schwierig, und heute war es sehr windig … alles nicht so tolle Bedingungen für Paso. Dennoch konnte Semmie Paso ohne große Störungen durch das Vierreck lotsen. Sie reitet Paso noch nicht so auf Angriff wie zum Beispiel ihre Palominos, aber wir möchten erst, dass Paso Vertrauen hat – sie dann "anzuschieben", ist gar kein Problem … sie hat unendliche Möglichkeiten. Aber wie schon öfter gesagt, nur mit einer Trabvertsärkung für eine 9 wird man noch kein Europameister! Wir waren stolz, dass sie so langsam "das kleine Einmaleins" beherrscht. Für alle Schrittpirouetten bekam sie eine 7,5 oder höher! Auch blieb sie im Schritt schon viel gelassener. Wir vergleichen sie sehr oft mit Deinhard. Als junges Pony verlor er fast immer durch seinen Schritt, nicht weil er einem schechten Schritt hat, sondern weil ihm mit 6, 7 und 8 Jahren einfach seine Gehfreude manchmal im Weg war. Das, was ihn jetzt einzigartig und genial macht … genau diese Gehfreude! Paso ist erst 8 Jahre alt, sie hat auch einen sehr gutem Schritt, nur in der Prüfung weiß sie das alles noch nicht so schnell umzusetzen. Wir sind uns sehr sicher, das sie genau dieselben Möglichkeiten und die Einstellung hat, um die 80%-Marke zu knacken.

Wir bleiben dran!

Dann kamen die Jungen Reiter. Damit hatte bestimmt keiner gerechnet … dass es sowas gibt oder besser gesagt geben kann. Da kommt mal eben ein Springreiter um die Ecke und reitet eine Punktzahl, die bei den Jungen Reiter in Deutschland schon länger nicht mehr erzielt wurde.

Wir sind begeistert, wie Sönke dieses hoch talentierte Pferd vorstellt. Bei ihrem erst sechsten gemeinsamen Turnierstart blieben sie weiter unschlagbar. Auch wenn Cosmo sich schnell ablenken lässt, schafft Sönke es immer wieder, ihn zu kontrollieren. Beim Abreiten war er mal wieder froh, seine Springstiefel anzuhaben. Cosmo machte aus dem Nichts einen Satz, bei dem es heute auch für Sönke kurz spannend wurde. Doch kein Problem, dachte er sich, und nahm sofort die Zügel kürzer und ließ Cosmo erst mal richtig vorwärts galoppieren. Das lieben die beiden, Sönke, der Springreiter, und Cosmo, der Bewegungskünstler!

Beide Prüfungen ritt er dieses Wochenende sehr kontrolliert, nur als Sönke heute fast die Trabtraversale vergessen hätte, lenkte er Cosmo sofort über die Mittellinie und trabte weiter, als ob nichts passiert wäre. Cosmo schien das Ganze zu gefallen … den Richtern auch 🙂

Wir hatten noch nie so ein Pferd im Stall – und auch noch nie einen Reiter, der es so gut versteht. Wenn man bedenkt, das Cosmos Stärke bestimmt nicht das Junge-Reiter-Lager ist, sondern er einen Ausnahmemechanismus für Piaffe und Passage besitzt, macht es noch mehr Freude, die beiden an diesem Traum arbeiten zu sehen. Wir sagen immer: "Es ist noch nie ein Europameister vom Himmel gefallen." Auch ein sehr talentiertes Pferd muß seine Erfahrungen sammeln, deshalb ist die Junge-Reiter-Tour für Cosmo jetzt genau das Richtige, und wir schauen einfach von Turnier zu Turnier, wie die beiden sich entwickeln.

Bis dann,

Gonnelien