Heute Nachmittag haben die Bundestrainerin und der Dressurausschuss Sanneke und Deveraux auf ihre Longlist für die diesjährige Europameisterschaft in Aachen gesetzt. Was wir in diesem Moment empfunden haben, lässt sich kaum in Worte fassen.
Denn diese beiden sind ein ganz besonderes Paar, das einen ganz besonderen Weg hinter sich hat — und auch wenn es auf diesem Weg Momente gegeben hat, in denen selbst wir als Eltern und Trainer uns gewünscht hätten, es würde vielleicht ein winziges bisschen schneller gehen, können wir am Ende doch nur sagen: Sanneke — Hut ab!!!
Dass wir ein sehr gutes Junioren- und Junge-Reiter-Pferd für Sanneke erworben hatten, die damals noch im Ponysattel unterwegs war, das wussten wir schon, als Deveraux 2007 zu uns kam. Während Sanneke 2008 ihre ersten Turniererfahrungen und Medaillen im (Großpferde-)Sattel von Paso Doble sammelte, begann sie zu Hause, mit Deveraux zusammenzuwachsen. 2009 gingen die beiden erstmals an die Öffentlichkeit — und gewannen bei der EM in Ermelo dreimal Junioren-Gold. 2010 wurde Sanneke mit siebzehn Jahren in Kronberg Mannschafts-Europameisterin der Jungen Dressurreiter und Vizemeisterin in beiden Einzel-Prüfungen. 2011 sicherten sich Sanneke und Deveraux in Frankfurts "Guter Stube" den Weltcup der Jungen Dressurreiter. Und 2012 stand Sanneke zum ersten Mal als Siegerin im Dressurstadion der Aachener Soers: Mit Deveraux gewann sie beide Prüfungen der U25-Tour.
Das war gleichzeitig der Moment, in dem sie innehielt und uns sagte, sie hätte das Gefühl, dass Deveraux an diesen Prüfungen nicht die richtige Freude hat — und auf weitere Starts auf Grand-Prix-Niveau mit ihm verzichtete. Natürlich gab es in diesem Moment viele schlaue Köpfe am Rande, die immer schon gewusst hatten, dass Deveraux nie ein Pferd für die Große Tour werden würde. Doch das war nicht der Grund, warum Sanneke sich mit ihm vom Turniersport zurückzog. Sie (und wir) wusste genau, was er zu Hause im Training leistet, wie wunderbar er piaffieren kann. Vor allem aber war sie es, die darauf bestand, erst mit ihm zum Turnier zu fahren, wenn er das, was er kann, im Viereck mit derselben Freude zeigt wie zu Hause.
Zum ersten Mal hatte sie letztes Jahr im Februar das Gefühl, dass es klappen könnte, und nahm ihn mit nach Vidauban, wo sich die beiden prompt eine Siegerschleife in der U25-Tour holten. Doch für Sanneke zählte weniger die Farbe der Schleife als das Ergebnis und ihr Reitgefühl. Ihr Fazit aus dem Probestart in Frankreich: Nein, das ist immer noch nicht ganz das, was ich mir vorstelle.
Unbeirrt trainierte sie weiter, und wir zogen mit und sorgten dafür, dass Deveraux wie all unsere Sportpferde seinen Ausgleich hatte — mit Weide- und Paddockgang, mit Spaziergängen, mit Ausflügen in den Wald und mit dem Aquatrainer. Und als hätte er Südfrankreich letztes Jahr genossen und gewusst, dass wir den LKW im Februar wieder für Vidauban packten, rief er im Februar plötzlich: "Hier!" Sanneke glaubte, jetzt ist er so weit; wir nannten ihn nach und nahmen ihn mit … und Sanneke hatte Recht.
Wie Recht, zeigten die beiden dann, als sie bei jedem ihrer wohlgewählten Turnierstarts besser wurden. Platz acht im Special und in der Kür bei der Deutschen Meisterschaft in Balve brachte ihnen einen Platz im B-Kader und die Nominierung für die zweite EM-Sichtung in Hagen ein.
Und hier sind wir nun: Zwei persönliche Bestergebnisse mit tollen Prozentzahlen, ein Pferd und eine Reiterin, die die ganze Saison über ihre Form — und ihr Selbstbewusstsein — kontinuierlich steigern konnten und sich nun über diese wunderbare Anerkennung durch die Bundestrainerin freuen. Natürlich wissen wir, dass ein Start bei der EM unwahrscheinlich ist. Aber darum geht es nicht. Es geht um Sannekes Instinkt für ihr Pferd, es geht um ihr Beharren auf Harmonie und Leichtigkeit, es geht um die Freude, dass ihr Durchhaltevermögen und ihr Glaube an Deveraux belohnt wurden.
Das macht Reiten aus. Darüber freuen wir uns, und darauf sind wir stolz.