In Wiesbaden gibt es jedes Jahr vor dem Schloss die schönsten Bilder. Allein das ist schon ein Grund, dort wieder an den Start zu gehen. Nur gibt es hinter der hübschen Kulisse auch viele "Anfahrts-Schwierigkeiten", die man normalerweise auf anderen Turnieren so nicht kennt.

Das fängt mit dem Parken an. Für alle A-Kader-Mitglieder wurden Parkplätze ganz vorne direkt am Eingang reserviert. Für die Kleinsten dagegen … als Mutter fand ich es schon komisch, dass man ein Kind von 13 Jahren drei Kilometer mit dem Rad fahren lässt, um zu seinem LKW zu gelangen. Einen Shuttle-Service gab es zu diesem Parkplatz nicht, den gab es nur zum anderen LKW-Parkplatz, der zwei Kilometer vom Turniergelände entfernt war, oder zu den Hotels. Unser Papa fand dennoch einen Platz, „nur“ zwei Kilometer weg 🙂

Trainieren war tagsüber nicht möglich, da man logischerweise nicht das Abreiten der laufenden Prüfung stören sollte. Leider stand uns auch kein anderes Viereck zur Verfügung, und es war auch nicht erlaubt, die Ponys am prüfungsfreien Sonntag nach Hause zu fahren.

Deshalb trainierten wir morgens von 6 Uhr bis 7:30 Uhr (da klingelt der Wecker dann schon um 5 Uhr!). Zwei Tage hält man das noch gut durch, aber man konnte zusehen, wie selbst wir Frühaufsteher an unsere Grenzen gelangten.

Aber wir hatten zu Hause unsere "Hausaufgaben" so gut gemacht, das wir uns von negativen Einflüssen nicht ablenken ließen, und wir freuten uns darauf, mit zwei Ponys und mit Favo an den Start gehen zu können.

Semmie ritt vom Allerfeinsten! Langsam aber sicher hat sie ihren Turnier-Rhythmus gefunden. Sowohl mit Golden Girl als auch mit Deinhard erritt sie wieder Punktzahlen, die uns begeisterten! Wenn man ihre Leistung vergleicht mit dem letzten Jahr, ist es wirklich bewundernswert, was sie dazugelernt hat. Es hört sich vielleicht komisch an, denn 77 % ist ja schon eine überragende Prozentzahl: Ich weiß, dass sie in der Lage ist, noch eine höhere Prozentzahl zu reiten. Ihre erste 9 für Sitz und Einwirkung und einmal 79,5% für ihre Vorstellung lassen uns hoffen, dass da noch Luft für neue Ziele ist.

Mit ihrer neuen Kür für Deini und ihrer Euro-Kür mit Goldi im Gepäck freuten wir uns auf Pfingstmontag. Leider kam es nicht dazu 🙁 Der Boden war schon an den anderen Tagen nicht optimal gewesen — viele Steine, und er war teilweise sehr schwer. Nach dem Regen hatte der Veranstalter keine Chance mehr, den Boden wieder in Ordnung zu bringen. Schade … Semmie saß schon hochmotiviert auf Deini, da sie erste Starterin gewesen wäre. Frau Endres, die Bundestrainerin der Ponys, entschied, die Prüfung streichen zu lassen. Eine gute Entscheidung in Hinsicht auf die Gesundheit unserer Ponys!

Die Kür-Premiere steht also noch aus 🙂

Für die Jungen Reiter war es zunächst nicht sicher, ob ihre Kür stattfinden würde, aber um Punkt 9 Uhr kam auch für sie das Aus. Schnell wurde verladen, um das Turniergelände zu verlassen. Die

Ehrenpreise wurden abgeholt, und Semmie kam unter anderem mit sechs Flaschen "Deinhard Rosé" zurück … was für ein Zufall 🙂

Eine davon haben wir behalten, die anderen fünf Flaschen hat Semmie unseren Mitarbeitern für das Daumendrücken im Stall geschenkt.

Dann war da noch Favo.

Nachdem Semmie mit ihren Ponys schon richtig vorgelegt hatte, war es jetzt an Sanni, sich auf ihren ersten internationalen Grand Prix bei den Senioren vorzubereiten. Morgens verlief das Training sehr harmonisch, dennoch war Sanni ein wenig angespannt und unsicher, ob sie Favo genau so in der Prüfung zeigen konnte. Mit nur zwei Turnieren als Vorbereitung kann man durchaus nochmal überrascht werden.

Wir als Eltern waren nicht ganz so nervös … wir kennen unsere Sanni, sie wird schon rechtzeitig "die Zügel kürzer nehmen", um dann erstmal auf Sicherheit zu reiten. Als erster Starter bei 28 Teilnehmern hat man es nicht leicht, aber ihr Ziel war hier in erster Linie nicht die Schleife, sondern die Erfahrung.

Favo war schon kernig, als er um das Vierreck tanzte, aber das ist es genau, was Sanni gefällt … ein gut gelauntes Pferd mit viel Einsatz!

Sie meisterte ihren "Job" mit Bravour. In die erste Piaffe kam sie ein bisschen zu groß hinein, wodurch Favo seinen Takt nicht richtig halten konnte. Für die beiden anderen Piaffen hat sie sich das gemerkt, sodass sie ihr gut gelangen. Die Galopptour war ausdrucksstark geritten, und mit fast 72% war Sanni mehr als zufrieden! Lob bekam sie auch von Jonny Hilberath und der Bundestrainerin der Senioren, Monica Theodorescu.

Als am Montag die Pony- und die Junge-Reiter-Kür gestrichen wurden, war es für uns selbstverständlich, dass wir auch Favo nicht mehr an den Start gehen lassen würden. Das sahen andere auch so, und damit war auch der Special gestrichen. Schade, uns ist es in all den Jahren noch nie passiert, dass ein Dressurturnier auf Grund der Bodenverhältnisse nicht stattfinden konnte.

So sieht man mal wieder, es gibt immer wieder neue Überraschungen.

Bis dann

–Gonnelien