Letzte Woche fuhr ein LKW Richtung Perl, und ein LKW machte sich auf den Weg nach Zeiskam. Wir waren gespannt auf Cosmos ersten Grand Prix und Deinis letzte „Deutsche“ mit Semmie.

Genau vor 10 Jahren ist Deini hier in Zeiskam sechsjährig mit Anna von Negri seine erste DJM gegangen, nachdem er zwei Goldmedaillen von der EM in Italien mitgebracht hatte … und ehe er zu uns auf den Erlenhof zog. Unter Leitung von Steffi Meyer-Biss war er bis dahin so ausgebildet worden, dass Sönke und auch seine nachfolgenden Reiterinnen Lena und Semmie auf Anhieb sehr gut mit ihm zurecht kamen. Nie kam er ohne eine Medaille von einer Euro zurück, und auch wenn er für uns zu Hause einfach nur Deini ist … ist er doch unangefochten das erfolgreichste Pony der Welt. Wahnsinn, das muss man sich mal vorstellen!

2015 schließt sich nun in Zeiskam der Kreis, diesmal mit der Reiterin, die das „Projekt Deini“ zur Perfektion gebracht hat und mit der er zusammen zwei Jahre lang den Weltrekord gehalten hat. Zwar konnte er diesen Rekord dieses Jahr nicht mehr verteidigen, weil sich Semmie für den Start bei den Junioren entschieden hatte, doch dafür kam eine Richterin nach der Euro auf einem Turnier zu Semmie und sagte zu ihr, dass sie und ihr Richterkollegium sehr traurig waren, weil die beiden fehlten. Das war das schönste Kompliment, das wir jemals bekommen haben. Danke!

Dafür haben die beiden auf den Deutschen noch einmal gezeigt, was in ihnen steckt 🙂

Auch mit 16 Jahren ist Deini immer noch topfit und ließ sich durch niemanden davon abhalten, Semmie den Traum vom Gold zu erfüllen. Und dann stand jedesmal in der Platzierung sein Sohn neben ihm. Das war noch die Sahne obendrauf. Super, Linda!

Um die Zukunft des Ponysports in Deutschland braucht man sich jedenfalls keine Sorgen zu machen. Die Erbe-Zwillinge sind gut beritten, Goldi bleibt noch ein Jahr bei Marie, und Cyrill und Danilo bleiben in Deutschland und sind von den Familien Schroer und Ottenweß geleast worden.

Bei den Junioren wurde es wie erwartet spannender: Geisha und Semmie waren am ersten Tag super unterwegs. Da lagen unserer Meinung nach die Punkte ein bisschen niedrig.

In der Einzelwertung, die eigentlich „Geishas Prüfung" ist, lief es nicht so. Nachdem Semmie mit Deini eine Spitzenleistung vollbracht hatte, war sie voll motiviert für den Ritt mit Geisha. Da Geisha in engen Durchgängen ein wenig Platzangst hat und am Stallausgang gefühlte 20 Fahrräder kreuz und quer standen, ist Semmie lieber schon im Stallzelt aufgestiegen, weil sich Geisha unter dem Reiter leichter beruhigen lässt.

Semmie war so auf ihr Pferd konzentriert, dass sie den Ausgang zu spät realisierte und mit dem Kopf ungebremst gegen die horizontale Metallstange des Stallzeltes stieß. Geisha rannte ins Freie, und Sven konnte gerade noch den Zügel greifen, bevor sie doch in die Fahrräder rannte. Was für ein Schreck!

Semmie ließ sich nichts anmerken und ritt unbeirrt weiter. Wir haben uns nicht getraut, sie während des Abreitens so richtig anzufeuern. Uns ging das Bild nicht aus den Augen, wie sie rückwärts geworfen wurde.

Sie meisterte die Prüfung zwar den Umständen entsprechend, aber auch Geisha schien nach dem Schreck „neben der Spur“ zu sein, und so war es kein Ritt, wie man es von den beiden kennt …

Hannah kam sehr zufrieden mit ihrem Carlos vom Viereck zurück, und wir dachten natürlich, die „2,5“, die sie mehr hatte als Semmie, wären Prozent. Unser Glück für die Meisterschaftswertung – es waren 2,5 Punkte.

Das Ziel stand fest: Morgen werden wir alles geben!

Semmie blieb den Partys fern, und da Sven wieder nach Perl pendelte, machten wir uns einen gemütlichen "Mädchenabend". Es hat sich gelohnt.

Semmie machte Deini hübsch, während sich Daniel um Geisha kümmerte, sein Adoptivkind , wie er sie so süß nannte 🙂 Danke, Daniel! Und auch an Anja, unsere Pflegerin, die immer und zu jeder Uhrzeit bereit stand und uns mit ihrer süßen Art Druck machte, wir sollten mal endlich die 80%-Marke knacken … hahaha, bei Rothenbergers sind auch die Pfleger sehr ehrgeizig 🙂

Sie hat uns motiviert, und Deini tanzte seine beinahe beste Kür jeweils mit fast 83%!

Es gab eine 10 und viele 9en! Unser Deini, schön zu wissen, dass nicht nur WIR Dich auf den Turniere vermissen werden, sondern auch das Richterkollegium 🙂 Du bist einmalig. Total lieb und immer voll motiviert. Du siehst nicht nur aus wie ein Goldpony, DU bist es auch :-)))

Lieber Deini … du hast unsere Familie geprägt, Du hast Sönke das tolle Reiten beigebracht! Seine Erfolge in Perl mit seinem Wunderpferd hat er auch Dir zu verdanken. Ohne Dich hätte er nicht so früh gespürt, wie sich ein Happy Horse anfühlt. Ihr beide habt viel voneinander gelernt.

Deini mit 6 und Sönke mit 11 – da kamen zwei Genies zusammen. Wir haben damals sogar überlegt, Deini legen zu lassen, da er schon ziemlich "wild" für einen Elfjährigen war. Sönke hat er es zu verdanken, dass er so ist, wie er jetzt da steht … er wollte ihn so haben wie er ist. Seine ersten Küren mit sehr leiser Musik … aber Sönke wollte ihn nie überfordern.

Manchmal war Deini zu viel Stress auf dem Turnier, und die Presse behauptete dann gern, er "tickt immer mal wieder aus“. Deini, leider hatte die Presse keine Ahnung, was für ein arbeitswilliges Pony Du eigentlich bist. Wie genial du bist! Sönke hat ein sehr inniges Band zu solchen Pferden, und das hat er schon bei Dir gespürt … Du warst und bist immer noch etwas Besonderes.

Als Semmie anfangs großen Respekt vor der Einzelaufgabe hatte, hat Sönke ihr mit einem Lachen gesagt: "Semmie, freu dich auf die Mittellinie mit den Volten. Das ist Deinis Highlight. Genieße es!"

Sönke … und jetzt reitest Du das tollste Pferd, das wir jemals im Stall hatten! In seinem ersten Grand Prix erzielst Du mit ihm wie nebenbei fast 78%, und auch in der Kür reihst Du Dich auf dem zweiten Platz hinter Isabell Werth und ihrem EM-Pferd ein. Du hast eine sehr große Gabe … Du liebst "verrückte" Pferde. Die Pferde, die jeder reiten kann, machen Dir weniger Spaß. Das Springen hat Dich unabhängig gemacht und geprägt. Den Spaß an der Dressur hast Du über Deinen Cosmo wieder bekommen.

Auch Favo war in Perl vorne mit dabei. Schade, dass er sich während der Siegerehrung abends verletzte und deshalb nicht mehr im Special an den Start gehen konnte. Wir waren ja in Zeiskam, und Sönke hat allein für sein Pferd entschieden, ihn nicht in die Prüfung zu schicken. Genau das möchten wir unseren Kindern beibringen: Dein Pferd ist Dein Partner, und den beschützt man!

Auch so waren wir mit zwei Goldmedaillen und einem 8jährigen Pferd, das in seinem ersten Grand Prix auf Anhieb fast 78% erreicht, total überwältigt.

Wir sind uns sicher, dass 2016 ein sehr spannendes Jahr wird – unser letztes „Ponykind“ wird nun endgültig Juniorin und hat mit Geisha in Punkto „Feintuning“ noch einiges vor … und auch der Wettkampf um die Tickets nach Rio wird interessant werden.

Wir werden uns bemühen, die Wintermonate optimal zu nutzen und unsere Pferde gesund und bei Laune zu halten, und wir freuen uns auf neue Aufgaben.

Die Rothenbergers 🙂